mini|Die Emscherinsel bei Oberhausen mini|Brücke über die Emscher im Nordsternpark in Gelsenkirchen mini|Das Besucherzentrum im Nordsternpark Emscherkunst.2010, Eigenschreibweise EMSCHERKUNST.2010, war nach eigener Aussage das größte Kunstprojekt im öffentlichen Raum der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Unter der Leitung von Kurator Florian Matzner und einem Projektbüro setzten sich dabei mehr als vierzig Künstler sowie Studenten der Kunstakademie Münster vor dem Hintergrund des Strukturwandels mit den Gegebenheiten der Region im nördlichen Ruhrgebiet auseinander.
Projekt mini|Inselkarte zum Projekt Bei dem Projekt erarbeiteten die Beteiligten zum Teil in Duos oder Gruppen zwanzig Werke unterschiedlicher Art, die an verschiedenen, teilweise ungewöhnlichen Stellen wie zum Beispiel an Schleusen, im Kanal oder auf Industriebrachen, zum Teil noch immer zu finden sind. Die Ausstellung zielte darauf ab, den durch unterschiedlichste Nutzung geprägten Raum für Besucher erlebbar zu machen. Kunst im öffentlichen Raum mit urbanen Schwerpunkten, aber auch Aspekte der Garten- und Landschaftskunst spielten bei der Ausstellung eine zentrale Rolle.
Der Ausstellungsort ist die Emscherinsel, die auf einem Landstreifen von 34 Kilometer zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher eine Breite von minimal 30 bis maximal 2000 Metern einnimmt, sie verläuft zwischen Castrop-Rauxel und Oberhausen.
Das Projekt Emscherkunst.2010 gründete auf dem durch die Emschergenossenschaft initiierten Umbau des Emschersystems, einem bedeutenden Prototyp von kooperativer regionaler Planung und gleichzeitig einem der größten Renaturierungsprojekte der Welt. Die Insel bildet in diesem Konzept das Kernstück des „Neuen Emschertals“.
Die Kunstwerke konnten vom 29. Mai 2010 an für 113 Tage besichtigt werden. Der Zugang zu den Kunstwerken konnte als Fußgänger, Fahrradfahrer oder per Schiff erfolgen, dazu wurden mehrere Fahrradverleih-Stationen und ein regelmäßiger Liniendienst der Weißen Flotte auf dem Rhein-Herne-Kanal zwischen Oberhausen und dem Nordsternpark eingerichtet. Zentraler Anlaufpunkt der Ausstellung war das Besucherzentrum im Gelsenkirchener Nordsternpark. Auf dem Dach des Pumpwerks Horst befindet sich der gläserne Ausstellungspavillon. Dieser war anlässlich der Bundesgartenschau 1997 nach einem Entwurf des Künstlers Jürgen LIT Fischer umgestaltet worden.
Die Ausstellung endete mit einer Finissage am 18. September 2010. Nach Ausstellungsende bleiben einige Kunstwerke der EMSCHERKUNST.2010 erhalten und können weiterhin besucht werden. Zu den dauerhaften Kunstwerken zählen die Gartenkunst und Lichtinstallation im BernePark in Bottrop-Ebel, das Bergarbeitermosaik auf dem Faulturm der ehemaligen Kläranlage Herne, der Obelisk aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff in Essen-Altenessen sowie die dreiteilige Skulptur reemrenreh im Herner Meer. Des Weiteren gehören dazu das erst zum Abschluss der Ausstellung eingeweihte „Monument for a Forgotten Future“ von Olaf Nicolai, Gordon Douglas mit Mogwai, der Aussichtsturm von Tadashi Kawamata in der Nähe des Wasserkreuzes in Castrop-Rauxel und die gelben Fernrohre von Jeppe Hein (in Teilen).
Die Brückenskulptur Slinky springs to fame in Oberhausen wurde erst am 25. Juni 2011 eingeweiht.emscherkunst.de: Die Vogelbeobachtungsstation von Mark Dion im Gastank am Herner Meer wurde über den Winter im Klärwerk Bottrop eingelagertemscherkunst.de: und von 16. Juli bis 11. September 2011 im Erlbruchpark hinter dem Rathaus von Recklinghausen ausgestellt.kunst-in-recklinghausen.de:
Die Ausstellung ist als Triennale konzipiert. Die nächste EMSCHERKUNST im Jahr 2013 weitet sich in Richtung westliches Ruhrgebiet aus. Ein Teil der Emscherinsel ist wieder Ausstellungsbühne, darüber hinaus werden die Städte Duisburg und Dinslaken mit der Emschermündung miteinbezogen. Neben dem Emscher-Umbau sollen 2013 auch Themen wie Ökologie und Klimawandel inhaltlich eine wichtige Rolle spielen. Internationale und nationale Künstler, aber auch die regionale Kunstszene werden ab Frühsommer 2013 ihre Werke präsentieren.
Ausstellungsräume In insgesamt acht Ausstellungsräumen sowie mit mobilen und verteilten Installationen werden die Kunstwerke präsentiert.
Raum 1 – Castrop-Rauxel: Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal Walkway and Tower mini|Walkway and Tower Auf einer Anhöhe nahe dem Emscher-Düker auf Recklinghäuser Gebiet hat der Japaner Tadashi Kawamata einen Aussichtsturm erstellt, zu dem der Besucher über einen etwa 120 Meter langen Holzsteg geleitet wird. Der Steg führt in Windungen sanft ansteigend durch die Landschaft und vermittelt neue Einblicke in das Gelände, dessen Höhepunkt mit dem Blick von der Turmplattform erreicht wird.
Raum 2 – „Herner Meer“ mit Schleuseninsel Gesellschaft der Amateur-Ornithologen mini|Gesellschaft der Amateur-Ornithologen am Herner Meer In dem Projekt von Mark Dion wurde ein großer Gastank der ehemaligen Kläranlage Herne zu einer begehbaren „Forschungsstation“ umgebaut, in der sich der Besucher dem Studium und der Beobachtung heimischer Vogelarten hingeben kann. Im Inneren des ehemaligen Gastanks erwartet den Besucher außerdem die Atmosphäre eines „Gentleman-Clubs“.
Reemrenreh (kaum Gesang) und Leben
mini|hochkant|Die Skulptur am Ende der Mole Vor dem Ende der Mole des „Herner Meeres“ entstand eine Großskulptur des Düsseldorfer Künstlers Bogomir Ecker, beleuchtet von einer bewusst mit ins Wasser gesetzten Straßenlaterne. Die Skulptur wird, in Anlehnung an die ägyptischen Memnonkolosse, durch Öffnungen in ihrem Hohlkörpers durch Wind zum Singen gebracht. Zusätzliche Akustik entsteht durch die Klangkomposition von Bülent Kullukcu, die den Besucher schon auf der 200 Meter langen Promenade zur Skulptur begleitet.
Raum 3 – Herne/Stadthafen Recklinghausen: Ehemalige Kläranlage Herne Das goldene Dorf – BASIS mini|hochkant|Das Goldene Dorf Im Stadthafen Recklinghausen entstand eine Wohn- und Studierstätte einer studentischen Projektgruppe der Kunstakademie Münster, in der eigene künstlerische Arbeiten entwickelt werden und die Gesamtausstellung mit Workshops, Vorträgen, Diskussionen kritisch begleitet wird.
Glückauf.Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet Protestchronik mini|Silke Wagner: Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet Protestchronik Auf der Außenhülle des Faulturms der ehemaligen Kläranlage in Herne wurde ein monumentales Wandmosaik der Frankfurter Künstlerin Silke Wagner als Denkmal für die Geschichte und den Niedergang des Bergbaues erstellt.
Schlagende Wetter Im Innern desselben Faulturms präsentiert das Künstlerduo M+M (Marc Weis und Martin de Mattia) eine Rauminstallation mit einer Filmprojektion auf insgesamt vier Leinwänden, die das Ruhrgebiet und seine besondere wirtschaftliche und soziale Situation anhand einer Familiengeschichte beschreibt.
Raum 4 – Herne/Gelsenkirchen: Künstlerzeche „Unser Fritz“ Satisfy Me mini|hochkant|Monica Bonvicini: „SATISFY ME“ Auf der Deponie Emscherbruch in Herne entstand ein monumentaler Schriftzug von Monica Bonvicini mit dem Ausruf „SATISFY ME“ weit entfernt vom Betrachter und nicht zugänglich. Die Buchstaben sind aus glattem Blech, sie spiegeln den Himmel hinter dem Betrachter wider. Die Buchstaben werden von einem Stahlgerüst gehalten, das Teil des Kunstwerkes ist.
5 – Gelsenkirchen: „Wilde Insel“, Schleuse Gelsenkirchen Monument for a forgotten future mini|hochkant|Monument for a Forgotten Future Auf der „Wilden Insel“, einer künstlichen Anhöhe in Gelsenkirchen, wurde von Olaf Nicolai ein Kunstfelsen konzipiert, der einer Bergformation aus dem Joshua-Tree-Nationalpark in den USA nachgebildet ist. Dazu komponiert die schottische Rockband Mogwai in Kooperation mit dem schottischen Videokünstler Douglas Gordon ein Lied über die Emscher, das leise aus dem Berg erklingen wird. Diese „Unnatürliche Naturerscheinung“ soll im Kulturhauptstadtjahr zum Verweilen, Klettern und zu neuen Aussichten auf das Land zwischen Emscher und Kanal einladen. Dieses Werk wurde erst zum Abschluss Der Emscherkunst.2010 am 18. September 2010 fertig. Seit dem 1. Mai 2011 ist die Soundinstallation wieder aktiviert.
Walking House mini|N55: „Walking House“ Während der Laufzeit der Ausstellung „läuft“ das energieautarke „Walking House“ der Künstlergruppe N 55 über die Emscherinsel und steht Künstlern, Schriftstellern, aber auch der Bevölkerung vor Ort als Wohn- und Arbeitsstätte zur Verfügung. Ausgangspunkt hierfür ist das Gelände des Nordsternparks.
Raum 6 – Essen/Gelsenkirchen: Schwarzbachmündung, ehemaliger Hafen Mathias Stinnes Warten auf den Fluss mini|Gruppe Observatorium: „Warten auf den Fluss“ Die niederländische Gruppe Observatorium, bestehend aus Künstlern und Landschaftsarchitekten, widmet sich mit der Skulptur „Warten auf den Fluss“ der Zukunft des renaturierten Emschertals. Die Holzkonstruktion der Brücke verläuft im Zickzack über eine wilde Wiese, dort, wo ab dem Jahr 2020 die renaturierte Emscher verlaufen soll. Auf ihr befinden sich drei verschiedene Pavillons als Schlafraum, Küche und Sanitärraum, die zum Warten für eine Übernachtung gebucht werden konnten. So treffen privates und öffentliches Warten aufeinander. Warten auf den Fluss ist der gebaute Vorschlag, die privaten Freizeitdomänen mit dem Jahrhundertwerk des Emscherumbaus zu verbinden und bildet eine Grundlage für eine Neugestaltung der Landschaft.
Carbon Obelisk mini|hochkant|Rita McBride am „Carbon Obelisk“ Rita McBrides Skulptur „Carbon Obelisk“ befindet sich an einer unscheinbaren Wegkreuzung nördlich der Emscher. Der 14 Meter hohe Obelisk steht dabei räumlich in einer Linie mit den Landmarken das „Tor“ (Raimund Kummer) und der „Bramme“ von Richard Serra auf der Schurenbachhalde und markiert somit die Fortführung des Emscherwegs. Die Skulptur selbst besteht aus einem mit Epoxidharz verklebten Kohlenstofffaserwickel, ist tiefschwarz und innen hohl. Thematisch knüpft die Skulptur angesichts des verwendeten Hightechmaterials an die Entwicklung der Region vom ehemaligen Zentrum des Kohlenbergbaus in Deutschland zum fortschrittlichen Standort für Wissenschaft und Forschung an.
Turm 79 mini|Ayşe Erkmen: Turm 79 Die Intervention von Ayşe Erkmen bezieht sich auf den ehemaligen Bergebunker der Schurenbachhalde am Südufer des Rhein-Herne-Kanals, den man von der Emscher aus gut sehen kann. Dafür hat die Künstlerin das Geländer auf dem Bunker mit echtem Gold überzogen, so dass es scheint, als sei dem Bunker eine goldene Krone aufgesetzt worden. Auf das Gold bezieht sich auch der Titel „Turm 79“ – 79 ist die Ordnungszahl für Gold im Periodensystem der Elemente. Ayse Erkmen spielt hier auch mit der Bezeichnung der Steinkohle als dem „schwarzen Gold“ des Ruhrgebiets.
Between the Waters - The Emscher Community Garden mini|Der Emscher Community Garden Die Emscher wird in diesem gartenähnlichen Kunstprojekt aus Zier- und Nutzpflanzen mit dem Rhein-Herne-Kanal symbolisch verbunden. Diese Installation von Marjetica Potrč und Ooze Architects stellt ein Biofiltersystem dar, das Schmutzwasser zu Brauchwasser transformiert und damit blühende Flächen für die Besucher erschafft.
Raum 7 – Bottrop: BernePark mini|hochkant=1|Gartenkunst auf der ehemaligen Kläranlage mini|Schlafröhre: stabil, gemütlich, abschließbar Die Gesamtplanung zur Umgestaltung der ehemaligen Kläranlage Bernemündung in Ebel liegt bei dem Essener Landschaftsarchitekturbüro Davids, Terfrüchte + Partner.
Gartenkunst im BernePark