mini|John Mayer präsentiert Continuum 2008 in Cleveland Continuum ist das dritte Studioalbum von Gitarrist und Sänger John Mayer. Es erschien am 9. September 2006 bei Columbia Records. In Deutschland kam das Album am 19. Januar 2007 auf den Markt.
Im Unterschied zu seinen Vorgängern ist das Album stark vom Blues beeinflusst und rückt Mayers Gitarrenspiel in den Vordergrund.slantmagazine.com: 2006 gewann Mayer mit Continuum den Grammy für das beste Popalbum des Jahres.
Entstehung Nach der Veröffentlichung seines zweiten Studioalbums Heavier Things 2003 tourte John Mayer und veröffentlichte das Live-Album As/Is. Zu dieser Zeit wandte er sich zunehmend von der Popmusik, für die er bis dahin bekannt war, ab und begann mit Jazz- und Bluesmusikern wie Buddy Guy und Herbie Hancock zusammenzuarbeiten.Stephen Thomas Erlewine: [ Try! John Mayer Trop Live in Concert] Review für allmusic.com. Gleichzeitig begann Mayer mit den Vorbereitungen für sein drittes Studioalbum Continuum.
Am 15. Januar 2005 trat John Mayer im Rahmen eines Telethons für die Opfer der Erdbeben im Indischen Ozean 2004 auf. Zusammen mit dem Schlagzeuger Steve Jordan und dem Bassisten Pino Palladino präsentierte er das Hendrix-Cover Bold As Love.YouTube: Mitschnitt des Fernsehauftritts vom 15. Januar 2005. Nach diesem Auftritt gründeten die drei Musiker das John Mayer Trio, welches noch im selben Jahr tourte und das Live-Album Try! veröffentlichte. Dieser Stilwechsel hin zum Bluesrock wurde von der Kritik als wichtiger Schritt in Mayers musikalischer Entwicklung gesehen und hatte großen Einfluss auf Mayers anstehendes drittes Studioalbum.
Aufnahmen Die Aufnahmen zu Continuum begannen am 16. Januar 2005,Chris Jisi: Veröffentlicht am 3. November 2006. einen Tag nach dem ersten Fernsehauftritt des späteren John Mayer Trios, in den Right Track/Sound on Sound Studios in unmittelbarer Nähe des Times Square in New York City. Weitere Studio-Sessions zu Continuum fanden im Laufe des Jahres in den Avatar Studios (ebenfalls New York) sowie den Royal Studios in Memphis und im The Village Recorder in Los Angeles statt.
John Mayer, Pino Palladino und Steve Jordan, die auf allen zwölf Titeln spielen, wurden dabei immer wieder von Gastmusikern unterstützt. So sind auf Continuum unter anderem Ben Harper, der Jazz-Trompeter Roy Hargrove und der Gitarrist James Valentine (Maroon 5) zu hören.
In seiner Kolumne im US-Magazin Esquire äußerte sich Mayer im September 2005 begeistert über die voranschreitende Arbeit an Continuum, noch nie habe er etwas vergleichbares erlebt.Esquire: In einem Interview sagte er zur gleichen Zeit, sein Label Columbia mache ihm keine Vorgaben und er werde das Album dort erst nach Ende der Aufnahmen vorstellen.Mark Small: John Mayer '98: Running with the Big Dogs Veröffentlicht in Berklee Today, Vol. 17, Issue 2, Herbst 2005.
Produktion mini|Produzent und Schlagzeuger Steve Jordan John Mayer produzierte das Album selbst, um seine eigenen Ideen unverfälscht umsetzen zu können.SWR3: Als Co-Produzent engagierte John Mayer den Schlagzeuger Steve Jordan, der bereits am Vorgängeralbum Heavier Things mitgewirkt hatte. Jordan war vor allem für Schlagzeug und Bass zuständig, während Mayer sich um Gesang und Gitarren kümmerte. John Mayer zufolge war Continuum nur durch diese Zusammenarbeit möglich, Jordan habe ihm zum einen ein neues Verständnis von der Studioarbeit gegeben und zum anderen die passenden Grooves zu seiner Musik entwickelt. Mayer sagte zudem in einem Interview, dass Jordan ihm helfe, seinen eigenen „Sound“ (deutsch Klang) zu finden und umzusetzen.mixonline.com:
Toningenieure waren hauptsächlich Chad Franscoviak und Joe Ferla.Booklet zur europäischen Veröffentlichung von Continuum. Franscoviak, der auch schon an Heavier Things beteiligt war und als Live-Mixer für den Künstler arbeitet, begleitete zudem die Studio-Sessions zum Songwriting. Unterstützt wurden sie von John Alagía, der Mayers Debütalbum Room for Squares produziert hatte, und Dave O’Donnell. Abgemischt wurde Continuum von Michael Brauer und Manny Marroquin, das Mastering übernahm Greg Calbi.
Songwriting Während die meisten Titel zu Beginn der Aufnahmen bereits geschrieben waren, entstanden einige erst im Studio. So entwickelte sich In Repair bei einer eintägigen Jam-Session mit Gitarrist Charlie Hunter und Steve Jordan, Erschienen am 15. Mai 2007 zusammen mit der Download-Version von The Village Sessions. Vultures stammt aus der Feder des John Mayer Trio und entstand in der Vorbereitung zu dessen Tour 2005.
John Mayer erklärte rückblickend, dass er sich vor Continuum nicht vorstellen konnte, dass er als Musiker in der Lage sei, ein solches Album zu komponieren und einzuspielen. Sein Selbstverständnis habe sich durch die Aufnahmen und den Erfolg grundlegend geändert:
Titel des Albums Der Titel des Albums stand bereits vor Beginn der Aufnahmen fest.Im Booklet zur europäischen Ausgabe von Continuum ist auf Seite 19 folgende handschriftliche Notiz abgedruckt, die auf den 15. Dezember 2004 datiert ist: (deutsch: ) Die Aufnahmen begannen am 16. Januar 2005 (s. o.) Mayer wählte Continuum (deutsch Kontinuum, „etwas lückenlos zusammenhängendes, etwas Stetiges“)Lexikon der Fremdwörter. Serges Medien, Köln 2001, S. 162 nach eigenen Angaben deshalb, weil es im Vergleich zu den Vorgängern zwar eine Weiterentwicklung sei, aber dennoch in direktem musikalischen Zusammenhang mit diesen stehe.hr-online.de: Er habe zudem ein Album einspielen wollen, das die Zeit überdauert und „nicht aus der Mode kommt“.
Titelliste Waiting On The World To Change (Mayer) – 3:21 I Don’t Trust Myself With Loving You (Mayer) – 4:52 Belief (Mayer) – 4:02 Gravity (Mayer) – 4:05 The Heart of Life (Mayer) – 3:19 Vultures (Mayer, Steve Jordan, Palladino) – 4:11 Stop This Train (Mayer) – 4:45 Slow Dancing In A Burning Room (Mayer) – 4:02 Bold As Love (Jimi Hendrix) – 4:18 Dreaming With A Broken Heart (Mayer) – 4:07 In Repair (Mayer, Hunter) – 6:09 I’m Gonna Find Another You (Mayer) – 2:43
Musikstil Alle zwölf Titel auf Continuum sind im mittleren Tempo gehalten, unterscheiden sich aber bisweilen deutlich im Stil.
Im Unterschied zu den vorherigen Studioalben John Mayers, die meist zum Genre des Pop gerechnet werden, ist Continuum stark vom Rhythm and Blues beeinflusst. Es unterscheidet sich jedoch deutlich vom Bluesrock des John Mayer Trio. Eine genaue stilistische Einordnung fiel der Kritik schwer, so wurde die Musik auf Continuum als anspruchsvoller Pop,Giuliano Benassi: John Mayer – „Continuum“ Review für laut.de. aber auch als Mischung aus Blues und Soul in der Tradition von Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan bezeichnet. Als weitere Einflüsse wurden auch Soft Funk und Folk genannt.
In einem Interview beschrieb John Mayer, der Continuum grundsätzlich als Pop-Album sieht, den Klang des Albums anhand des Titels Gravity:
Dabei sei „einfach“ in dem Sinne zu verstehen, dass er sich musikalisch auf das Wesentliche beschränkt habe, also durchaus mehr hätte spielen können. Diese Einfachheit zeigt sich besonders in der zurückhaltenden Instrumentalisierung, die wiederum Mayers blueslastiges Gitarrenspiel in den Vordergrund rückt. Als Vorbild dafür wird von Kritikern und auch Mayer selbst Eric Clapton genannt.
Mit Belief und Waiting on the World to Change finden sich jedoch auch zwei aufwändig arrangierte Titel auf Continuum. Belief ist deutlich vom Jazz beeinflusstMike Joseph: John Mayer: Continuum Review vom 21. September 2006 für popmatters.com und wird von einem aus sechs Noten bestehenden Gitarrenriff getragen. In Waiting on the World to Change kommt ein großer Chor zum Einsatz.
Inhalt
Viele der Songs auf Continuum haben gescheiterte Liebesbeziehungen zum Inhalt, John Mayer setzt sich jedoch auch mit dem Alter sowie erstmals mit Politik auseinander.
Der erste Titel des Albums, Waiting on the World to Change (deutsch: „[Wir] warten [darauf], dass die Welt sich ändert“), beschäftigt sich mit der scheinbar unpolitischen Haltung der sogenannten Generation Y, zu welcher der Musiker selbst gehört. Mayer erklärt, dass seine Generation sehr wohl die Missstände in der Welt erkenne, aber keine Möglichkeiten sehe, dagegen etwas zu unternehmen:Entertainment Weekly:
It’s not that we don’t care, We just know that the fight ain’t fair So we keep on waiting Waiting on the world to change. Es ist nicht so, dass es uns nicht interessiert, wir wissen einfach, dass der Kampf nicht gerecht ist. Deshalb warten wir weiter Warten wir weiter darauf, dass die Welt sich ändert.
Waiting On The World To Change
In einem Interview sagte Mayer, dass vermutlich sehr viele Menschen diesen Gedanken haben und nachvollziehen können, jedoch würde niemand darüber sprechen. Zudem kritisiert er die Medien, denn sie würden bewusst Informationen manipulieren und somit verhindern, dass sich die Menschen eine eigene, unabhängige Meinung bilden können.
In dem Song Belief (deutsch: „[der] Glaube“) beschäftigt sich John Mayer mit dem Glauben. Jeder Mensch habe eine Vorstellung davon, wie die Welt auszusehen habe und lasse sich nur schwer von dieser Überzeugung abbringen. Im Grunde sei Glaube etwas schönes, solange es aber der Grund sei, warum Menschen Krieg führen, werde es niemals Frieden geben können.
In sechs Titeln widmet sich John Mayer auf Continuum Liebesbeziehungen, die zumeist im Scheitern begriffen oder bereits gescheitert sind. Einzig In Repair hat eine positive Grundstimmung.
In I Don’t Trust Myself (With Loving You) (deutsch: „Ich traue mir selbst nicht [zu] (dich zu lieben)“) beschreibt Mayer die Sorge, dass er eine gerade beginnende Beziehung in Zukunft selbst zerstören werde. Dies sei bisher stets so gewesen, daher traue er sich selbst nicht in seiner Verliebtheit. In einem Interview sagte Mayer, man könne den Song gewissermaßen als Warnung an eine Frau verstehen.
Slow Dancing in a Burning Room (deutsch: „[Wir tanzen] Stehblues in einem brennenden Zimmer“) handelt von einer im Scheitern begriffenen Beziehung. Mayer verwendet die Titelzeile als Umschreibung für die Situation, in der beide Partner dies erkennen.
In der Ballade Dreaming With a Broken Heart (deutsch: „Träumen mit einem gebrochenen Herz“) beschreibt Mayer seine Erfahrungen mit Liebeskummer, der ihn vor allem nach dem Aufstehen überkommt.
In The Heart of Life (deutsch: „Das Herz des Lebens“, sinngemäß: der Kern des Lebens) stellt Mayer fest, dass bei allem empfundenen Schmerz das Leben dennoch grundsätzlich (deutsch: gut) sei (sinngemäß: das Leben hat ein gutes Herz). In einem Interview erklärte Mayer, dass er nur selten einen solch guten Song geschrieben habe. Er sei sehr froh darüber, dass er diesen Titel bereits am Anfang seiner Karriere habe aufnehmen können.
In dem zusammen mit Charlie Hunter geschriebenen Song In Repair (deutsch: „In Reparatur“) beschreibt Mayer das Gefühl, eine allmählich hinter sich zu lassen. Der Sänger schildert in dem Song, wie er nach langem Liebeskummer wieder eine Frau kennengelernt hat, mit der er sich eine Beziehung vorstellen kann. Jedoch ist Mayer nur verhalten optimistisch, im Refrain singt er:
But if I take my heart’s advice I should assume it’s still unsteady Aber wenn ich auf den Rat meines Herzens höre sollt ich davon ausgehen, dass es noch nichts dauerhaftes ist
In Repair
Für das Songwriting zu In Repair traf sich Mayer mit Charlie Hunter und Steve Jordan in den Avatar Studios in New York. Während Hunter auf einer 8-saitigen Gitarre Bassläufe spielte, verwendete John Mayer eine spezielle Anordnung von Effektgeräten, durch die seine Gitarre wie eine Orgel klingt. Der vollständige Titel entstand innerhalb von nur einem Tag. Eine Dokumentation über die Entwicklung des Songs erschien 2007 unter dem Titel In Repair: One Song, One Day mit der Downloadversion der EP The Village Sessions.johnmayer.com: