Die Himalayawachtel (Ophrysia superciliosa), auch Hangwachtel genannt, ist eine Art der Familie der Fasanenartigen. Sie ist die einzige Art ihrer Gattung und kommt ausschließlich im Himalaya vor. Die Himalayawachtel wurde letztmals im 19. Jahrhundert gesichtet, so dass sie vermutlich ausgestorben ist. Madge et al., S. 251
Erscheinungsbild Die Himalayawachtel erreicht eine Körperlänge von 25 Zentimetern. Die Weibchen sind etwas kleiner.
Beim adulten Männchen ist die Stirn weiß mit einer schwarzen Umrahmung. Die Kopfseiten, das Kinn und die Kehle sind schwarz. Vor und hinter den Augen befinden sich kleine weiße Flecken. Der Oberkopf ist braungrau mit schwarzen schmalen Längsstreifen. Das Körpergefieder ist braungrau mit gleichmäßigen schwarzen Längsstreifen. Die Flügel sind braun und etwas heller als das Körpergefieder.
Das Weibchen ist etwas heller als das Männchen. Stirn, Kehle und Ohrflecken sind blass zimtgrau. Kleine weiße Flecken finden sich auch bei ihr hinter und vor den Augen. Hals und Körperoberseite sind rötlich braun mit auffälligen dreieckigen Flecken. Die Körperunterseite ist zimtgrau.
Die Füße sind kurz und kräftig; Sporen fehlen. Die Körperfedern sind lang und lanzettförmig und gleichen darin dem Blutfasan. Der Schnabel ist sehr kräftig, der Schwanz besteht aus zehn Federn, die am Ende gerundet sind.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum Das Verbreitungsgebiet der Himalayawachtel ist Nordindien. Sie wurde an drei Stellen im Norden von Uttar Pradesh beobachtet. Die letzte mit Sicherheit bestätigte Beobachtung stammt aus dem Jahr 1876; spätere mögliche Sichtungen liegen aus den Jahren 1984 (Suwakholi) und 2003 (Naini Tal) sowie 2010 vor. Die wenigen Museumsbälge wurden alle in den trockenen Wintermonaten November bis Januar gesammelt, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass es sich um nicht brütende Vögel handelte, die aus höher liegenden Regionen weiter nördlich zugewandert waren. Ihre relativ kleinen Flügel lassen jedoch nicht vermuten, dass es sich um Langstreckenzieher handelt. Die Region, aus dem die Museumsbälge stammen, erfuhr während der letzten 150 Jahre drastische Veränderungen. Intensive Weidewirtschaft hat hier dazu geführt, dass die Grashänge überweidet sind und diese Art sich vermutlich deshalb hier nicht mehr halten konnte. Es werden jedoch aus dem Osthimalaya von nicht bestätigten Sichtungen von Hühnervögeln berichtet, die der Himalayawachtel gleichen, so dass es noch eine Möglichkeit gibt, dass Restpopulationen existieren. Madge et al., S. 252
Lebensweise Offenbar lebt die Himalayawachtel in kleinen Trupps von sechs bis zwölf Individuen. Sie hält sich bevorzugt in dichtem Unterholz und steilen Hängen auf. Beobachter beschrieben sie als scheu und wachsam und nur ungern auffliegend. Sicher ist, dass die Art sich unter anderem von Grassamen ernährt.
Gefährdung Die Himalayawachtel wird von der IUCN als „critically endangered“ (vom Aussterben bedroht) geführt. Das geringe Verbreitungsgebiet wird auf 2.100 km² geschätzt, der Bestand auf 1 bis 49 erwachsene Individuen, sofern überhaupt noch eine Restpopulation existiert. Die Höhenverbreitung lag zwischen 1.650 und 2.400 Metern. Wesentliche Ursachen für den Rückgang waren intensive Bejagung während der britischen Kolonialzeit sowie umfangreiche Veränderungen der Lebensräume durch Beweidung und Bergbau. Die Art ist Teil des „Search for Lost Birds“-Projekts; eine Modellierungsstudie von Dunn und Mitarbeitern aus dem Jahr 2015 identifizierte fünf potenziell geeignete Suchgebiete in Uttarakhand. Die Generationenlänge wird mit 3,9 Jahren angegeben.
Belege Literatur Steve Madge, Phil McGowan und Guy M. Kirwan: Pheasants, Partridges and Grouse. A Guide to the Pheasants, Partridges, Quails, Grouse, Guineafowl, Buttonquails and Sandgrouse of the world. Christopher Helm, London 2002, ISBN 0-7136-3966-0.
Einzelbelege
Weblinks
Kategorie:Fasanenartige Kategorie:Neuzeitlich ausgestorbener Vogel