mini|Die Technische Hochschule Charlottenburg entstand 1879 aus der Gewerbe- und Bauakademie
mini|Hauptgebäude der Technischen Hochschule Charlottenburg, mit Aula
Die Schiffbautechnische Gesellschaft (STG) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin und Geschäftsstelle in Hamburg.
Die 1899 gegründete Gesellschaft befasst sich mit technischen und wissenschaftlichen Fragen zum Thema der Schiffs- und Meerestechnik. Der gemeinnützige Verein fördert diesen Bereich und wendet sich an die in Schiffs- und Meerestechnik und der Schifffahrt Tätigen und daran Interessierten.
Aufgaben Die Ziele der Gesellschaft sind die Förderung der Schiffs- und Meerestechnik, die Information, Fortbildung und der Erfahrungsaustausch in diesem Bereich, die Förderung des technischen Nachwuchseshttp://hochhaus-schiffsbetrieb.jimdo.com/studentensprechtag-an-der-fachhochschule-leer/ und eine internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.
Diesem Zweck dienen die Fachausschüsse, die sich mit unterschiedlichen Teilaspekten befassen. Weiter werden diese Ziele durch Tagungen und andere Veranstaltungen, Ideenwettbewerbe und herausgegebene Veröffentlichungen zum Thema verfolgt. Die Gesellschaft arbeitet zudem mit Aus- und Fortbildungseinrichtungen und Organisationen mit ähnlicher Zielsetzung im In- und Ausland zusammen. Sie unterstützt außerdem die Veith-Berghoff-Stiftung und kooperiert mit der Curt Bartsch-Stiftung und der Weinblum-Stiftung.
Geschichte Einführung mini|Zeitliche Entwicklung der Schiffbau-Ausbildung an der heutigen Technischen Universität Berlin
Nach der 1871 erfolgten Gründung des Deutschen Reiches beschleunigte sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Aus größeren Handwerksbetrieben wurden Manufakturen und der zunehmende Einsatz von Dampf- und Wasserkraft führte zur Mechanisierung und dem Entstehen kleiner Industriebetriebe. Die Arbeitsteilung ermöglichte eine wirtschaftlichere Fertigung, der Handel wuchs schnell und verlangte nach besseren Transportmöglichkeiten. Der Landverkehr wurde verbessert, die Infrastruktur (z. B. Binnenwasserstraßen, Häfen und Eisenbahn) wurde ausgebaut und die Zahl der seegehenden Schiffe stieg an.
Neue Reedereien wurden gegründet. Größere Schiffe mit Antrieb durch Dampfmaschinen bestellten die Reeder häufig im Ausland, vorwiegend bei britischen Werften. Die Passagier- und Frachtschiffe wurden größer, der Dampfantrieb setzte sich durch und die großen Segelschiffe wurden verdrängt. Viele handwerklich geführte Holzschiffswerften mussten schließen; einige schafften den Übergang zum Eisen- und Stahlschiffbau und die neuen Methoden und Technologien führten zur Gründung von großen neuen Werften. Bismarck sorgte für eine Stärkung deutscher Binnenschiffs- und Seeschiffswerften und veranlasste den Ausbau der Kaiserlichen Flotte. All diese Entwicklungen führten zu neuen Berufen in Handwerk und Industrie; damit einher ging eine zunehmende Spezialisierung der Ingenieure. mini|Kaiser Wilhelm II. übernahm die Schirmherrschaft
Am Königlichen Gewerbe-Institut (Berlin, Klosterstraße 36) wurde 1861 der Unterricht im Schiffbau aufgenommen. Dieses Institut war aus der 1821 gegründeten Königlichen Gewerbeschule entstanden, wurde danach zur Gewerbeakademie und führte später zusammen mit der Bauakademie zur Hochschule Charlottenburg, der heutigen Technischen Universität Berlin.
Hier wurden die notwendigen Grundlagen geschaffen, um eine methodische Ausbildung von technisch interessierten jungen Menschen zu realisieren. Die gründliche theoretische und praktische Ausbildung wurde sehr systematisch betrieben und das Ergebnis zeigte sich besonders in den Erfolgen der Absolventen auf den Werften und in den Maschinenfabriken. Das komplexe Gebilde Schiff mit den technologischen Innovationen von Schiffen und Schiffbau erforderte einen intensiven Austausch der beteiligten Ingenieure; innerbetrieblich und auch mit den beteiligten Maschinenfabriken und Reedereien. Erste Möglichkeiten für diesen Erfahrungs- und Wissensaustausch boten die 1857 gegründete „Institution of Engineers and Shipbuilders in Scotland“ und die 1860 gegründete „Institution of Naval Architects“ in England. Eine bessere Basis aufgrund kurzer Wege und gemeinsamer Sprache ergab sich mit dem 1866 gegründeten Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und so war es naheliegend, eine eigene Institution zu gründen, um sich mit den Besonderheiten des Schiffbaus und der Schifffahrt zu befassen.
Gründung der Schiffbautechnischen Gesellschaft (STG) mini|Admiralitätsrat Alfred Dietrich, Chefkonstrukteur der Marine und Professor für Entwerfen von Schiffen, und Konstruktion von Kriegsschiffen mini|Gründungsvorsitzender Carl Georg Busley (1850 – 1928)
Alfred Dietrich, Chefkonstrukteur der Kaiserlichen Marine und Wirklicher Geheimer Admiralitätsrat, leitete die Gründung ein (und starb noch 1898 vor deren Begründung); die „Schiffbautechnischen Gesellschaft“ wurde am 23. Mai 1899 in Berlin gegründet. Gründungsvorsitzender wurde der Geheime Regierungsrat Carl Busley, das Gründungskapital betrug 72.000 Mark und 432 Herren wollten der zu gründenden Gesellschaft beitreten. Die Zusammensetzung des Vorstandes, es wurden drei Schiffbauer, drei Schiffsmaschinenbauer und zwei Reeder in den Vorstand gewählt, wurde im Gründungsprotokoll besonders begründet. Vorsitzender wurde Carl Busley, Kaiser Wilhelm II. übernahm die Schirmherrschaft und Berlin wurde Sitz der Gesellschaft. In der Aula der Königlich Technischen Hochschule zu Charlottenburg fand am 5. und 6. Dezember 1899 die 1. Hauptversammlung statt. Fast die Hälfte der 676 Mitglieder war anwesend und das Gesellschaftskapital hatte sich inzwischen verdoppelt. Neben geschäftlichen Dingen und der Verabschiedung der Satzung wurden fünf Fachvorträge gehalten. Es wurde festgelegt, die zukünftigen Hauptversammlungen in Berlin immer in der Buß- und Bettag-Woche durchzuführen.
Die STG hatte 1910 bereits 1560 Mitglieder und wuchs bis 1914 auf rund 1950 Personen, woraus ersichtlich wird, dass die Ziele der Gesellschaft von den Mitgliedern gelebt wurden. Auch die rasante Entwicklung in Schiffbau und Schifffahrt trug maßgeblich zum Aufstieg der Gesellschaft bei; ebenso die engen Verbindungen mit der Kaiserlichen Marine und der Schiffbauabteilung der Königlich Technischen Hochschule zu Charlottenburg.
mini|Aufnahmeurkunde der Schiffbautechnische Gesellschaft 1915
Aktivitäten in der STG Es wurden in den folgenden Jahren zur Hauptversammlung neben den geschäftlichen Dingen fünf bis acht Fachvorträge vor der Gesellschaft gehalten. Die Protokolle der Sitzungen und die Fachvorträge wurden im Jahrbuch abgedruckt, welches heute noch herausgegeben wird. Ab 1905 wurden besonders gute Vorträge mit der silbernen oder goldenen Medaille der STG ausgezeichnet. Neben der Hauptversammlung wurden auch Sommertagungen abgehalten, die auch häufig im Ausland stattfanden. Anlässlich der silbernen Hochzeit wurde dem Kaiserpaar 1906 von der STG ein silbernes 26 kg wiegendes Modell der Kurbrandenburgischen Fregatte „Friedrich Wilhelm zu Pferde“ geschenkt. Es wurde nach den Plänen von Busley angefertigt und befindet sich heute (2016) im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.
mini|Das Modell der Kurbrandenburgischen Fregatte „Friedrich Wilhelm zu Pferde“ wurde dem Kaiserpaar 1906 von der STG zur silbernen Hochzeit geschenkt.
Bis 1914 wurden insgesamt 104 Fachvorträge gehalten, diskutiert und in den Jahrbüchern mit den Diskussionsbeiträgen dokumentiert.
Wichtige Arbeiten wurden in Forschungsheften dokumentiert und an Mitglieder verteilt. Das Organ der STG wurde ab 1920 die Fachzeitschrift „Werft, Reederei“, die vom Mitglied Foerster herausgegeben wurde. Sie wurde später in „Werft, Reederei, Hafen“ umbenannt.
Technisch-wissenschaftlicher Beirat und Fachausschüsse Ab 1921 wurden auch Preisaufgaben an die Fachmitglieder der Gesellschaft gestellt. Ebenfalls 1921 wurde ein Fachausschuss eingesetzt mit den Aufgaben, „Herbeischaffung möglichst erstrebenswerter Vorträge“ und „Richtlinien für die Abhaltung von Vorträgen“ zu erstellen. Um auf den Versammlungen aufgrund neuer Arbeitsgebiete mehr Vorträge anzubieten, wurde die Dauer der Vorträge auf maximal 45 Minuten reduziert. Sie wurden in der Folgezeit auf 10 bis 16 Vorträge erhöht. Auch die Zahl der Tagungsteilnehmer erhöhte sich und in den 1930er-Jahren lag die Teilnehmerzahl zur Hauptversammlung um 800 bis 1100 Personen. 1936, 1937 und 1938 wurden sogar Parallelveranstaltungen in der Aula und einem Hörsaal der Technischen Hochschule Charlottenburg durchgeführt. Die Veith-Stiftung wurde reaktiviert und das bisherige Organ wurde durch die Zeitschrift „Schiffbau – Schiffahrt – Hafen“ ersetzt.
Die technische Entwicklung in der Schiffstechnik führte zu weiteren Spezialisierungen und neuen Arbeitsgebieten. Neben neuen Erkenntnissen zum Schiffswiderstand, der Propulsion und der Schweißtechnik sind es besonders die E-Technik, die Antriebs- und Hilfsmaschinen, die von den Werften nicht mehr allein bewältigt werden können. Die Großwerften, die unter ihrem Dach sogar die Antriebsturbinen und riesigen Dieselmotoren bauten, zogen sich schrittweise auf ihre Kernkompetenzen zurück. Es bildet sich eine stärkere Arbeitsteilung heraus, die in eine besondere Schiffbauzulieferindustrie mündet. Dies fand seine Fortsetzung auch in der STG, eine stärkere Kommunikation erfolgte nach der Einführung von „Sprechabenden“ außerdem wurden sechs neue Fachausschüsse gegründet wie:
1932: Schiffsfestigkeit, Flussschiffbau und Yachten 1933: Widerstand und Vortrieb, Stabilität und Schwingungsforschung, Schiffsmaschinenwesen 1935: Geschichte des Deutschen Schiffbaus
Heute hat die STG 18 Fachausschüsse, in denen die technisch-wissenschaftliche Arbeiten für die Gesellschaft durchgeführt werden.
STG in der Zeit des Nationalsozialismus mini|Erich Raeder, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, übernahm ab 1938 die Schirmherrschaft
Im Dritten Reich wurden viele Änderungen der Satzung erzwungen, um die Gleichschaltung voranzutreiben; – zum Teil passte sich die Gesellschaft in vorauseilendem Gehorsam auch selbst an. Die Selbstständigkeit der STG wurde reduziert und der Staat, die Wehrmacht und die NSDAP drängten sich auch während der Tagungen immer stärker in den Vordergrund. Der Schirmherr Kaiser Wilhelm II. konnte die STG nicht mehr schützen und 1938 übernahm der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Raeder die Schirmherrschaft. Im Krieg wurden größeren Tagungen vermieden, die für den November geplante 41. Hauptversammlung wurde im Frühjahr 1941 als verkürzte Arbeitstagung durchgeführt. 1942 traf man sich im April in Hamburg und 1943 wurden in Berlin im Rahmen der letzten Hauptversammlung nur noch vier Vorträge gehalten. Statt der Sommertagungen wurden Sprechabende in den Küstenstädten durchgeführt, insgesamt 16. Die Geschäftsstelle der STG in der Neuenburger Straße 8 in Berlin-Kreuzberg wurde im Sommer 1944 durch Luftangriff vollständig zerstört, alle Geschäftsunterlagen, Bibliothek sowie Archiv wurden vernichtet und die STG stellte ihre Tätigkeit ein.
Neugründung in Berlin und Hamburg mini|Das Curiohaus in Hamburg mini|Das Hauptgebäude der Universität Hamburg
Da die STG nach Kriegsende mit einem Arbeitsverbot belegt wurden, bildeten die Professoren Horn und Schnadel in Berlin einen Notvorstand. Von fünf Berliner Professoren wurde am 2. Februar 1950 die Wiederzulassung der STG mit der Satzung von vor 1933 beim Berliner Magistrat beantragt. Horn erhielt am 28. März eine positive Nachricht, jedoch entschloss sich der letzte Vorsitzende der STG, Schnadel, nach Rücksprache mit zahlreichen Mitgliedern die Geschäftsstelle in Hamburg zu eröffnen. 1950 erfolgte die konstituierende Sitzung im Curiohaus, dazu hatten sich rund 450 Mitglieder angemeldet.