Neuried ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Ortenaukreis in Deutschland.

Geographie Geographische Lage Neuried liegt in der Oberrheinischen Tiefebene direkt am Rhein und damit an der deutsch-französischen Grenze, genau in der Mitte zwischen Kehl und Lahr, nur wenige Kilometer südlich von Straßburg, wenige Kilometer von Offenburg entfernt.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an die Stadt Kehl, im Osten an Schutterwald und Hohberg, im Süden an Friesenheim und Meißenheim und im Westen an die elsässischen Gemeinden Plobsheim und Eschau.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Neuried besteht aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Altenheim, Dundenheim, Ichenheim, Müllen und Schutterzell. Diese bilden heute die Ortsteile der Gemeinde und zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Zum Ortsteil Altenheim gehören das Dorf Altenheim, das Gehöft Rohrburger Mühle und die Wohnplätze Altenheimer Mühle und Rheinwärterhaus. Zum Ortsteil Dundenheim gehören das Dorf Dundenheim und das Gehöft Dundenheimer Mühle. Zum Ortsteil Ichenheim gehören das Dorf Ichenheim, das Gehöft Ottenweierhof und der Wohnplatz Einzelwohnhaus. Zum Ortsteil Müllen gehört das Dorf Müllen mit dem abgegangenen Wasserschloss Müllen. Zum Ortsteil Schutterzell gehören das Dorf Schutterzell und das Gehöft Schutterzeller Mühle.

Im Ortsteil Altenheim lag das abgegangene Schloss Waseneck. Im Ortsteil Dundenheim liegen die Wüstungen Rode und Zellhof. Im Ortsteil Ichenheim liegen die abgegangene Burg Blankenmoos und die Wüstung Trudenheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 365–368

Geschichte Gemeindefusion mini|hochkant|Ehemaliges Rathaus Müllen Neuried entstand im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform am 1. Januar 1973 durch einen freiwilligen Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Altenheim, Dundenheim, Ichenheim und Müllen. Bereits am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Schutterzell nach Ichenheim eingemeindet. Die Orte Altenheim und Müllen gehörten bis 1972 zum Landkreis Kehl, während Dundenheim, Ichenheim und Schutterzell zum Landkreis Lahr gehörten. Mit der Auflösung dieser beiden Kreise kam die heutige Gemeinde zum neuen Ortenaukreis.

Wappen der Ortsteile

Politik

Gemeinderat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 58,7 % zu folgendem +Partei/Liste20242019AnteilSitzeAnteilSitzeFreie Wähler43,1 %1040,7 %10CDU24,2 %623,4 %5Umwelt und Leben20,0 %523,7 %6SPD12,7 %312,2 %3Wahlbeteiligung58,7 %60,3 % Ergebnis.

Bürgermeister 1973–1997: Hermann Mild (parteilos, † 14. Januar 2024) 1997–2013: Gerhard Borchert (FDP) 2013–2020: Jochen Fischer (parteilos, † 21. November 2020) seit 2021: Tobias Uhrich (parteilos)

Partnerschaften Am 24. Januar 2022 ist die elsässische Gemeinde Plobsheim offiziell eine Partnerschaft mit dem Ortsteil Altenheim eingegangen.

Religionen Neben je zwei evangelischen und römisch-katholischen Kirchengemeinden sind auch die Neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas und die Siebenten-Tags-Adventisten in Neuried vertreten. Seit der Dekanatsreform am 1. Januar 2008 gehört Neuried und seine Ortsteile mit der St.Ulrich-, St. Nikolaus-, St. Johannes- und St. Michael-Kirche zum Dekanat Offenburg-Kinzigtal und gehört zudem zur Seelsorgeeinheit Schutterwald-Hohberg-Neuried.

Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die evangelische Friedenskirche im Ortsteil Altenheim wurde von Friedrich Weinbrenner selbst entworfen und im Jahre 1813 gebaut und nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt.Werner Sandhaus, Architekt der Sanierung 2004/06, nennt als Erbauer den Weinbrenner-Schüler Frommel und als Erbauungsjahr 1830, siehe Das Bauwerk zählt zu den schönsten klassizistischen Kirchen in Baden. Zwischen ihren stiltypischen glatten und schmuckarmen Fassaden und der Umgebung feingliedriger Fachwerkhäuser entspinnt sich ein spannungsvoller Kontrast. Die Kirche wurde von 2004 bis 2006 innen umfassend saniert und erhielt eine neue Orgel mit 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal aus der Orgelbauwerkstatt Karl Göckel nach Plänen von Markus Artur Fuchs und Christoph Manuel Beysser. Im Ortsteil Ichenheim wurde die katholische Kirche St. Nikolaus 1822 von dem Weinbrenner-Schüler Hans Voß erbaut. Sie gehört zu den am meisten der formalen Reduktion verpflichteten Kirchenbauten des badischen Klassizismus. Wie die Altenheimer Kirche profitiert sie von der monumentalen Wirkung klar gezeichneter Baukörper. Auch die katholische Kirche St. Johannes im Ortsteil Dundenheim, 1823 bis 1824 errichtet, stammt von Hans Voß. Der ursprüngliche Hochaltar wurde 1880 durch ein Exemplar von Franz Josef Simmler ersetzt. Bereits 1860 hatte der hiesige Schreiber Markus Weißenegger einen Mutter-Gottes- und 1864 einen Josefsaltar für die Kirche gefertigt.Joseph Sauer: Die kirchliche Kunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Baden in: Freiburger Diözesan-Archiv 57 (1930), S. 86 (Digitalisat). In Schutterzell steht eine der seltenen Simultankirchen, die sowohl für den katholischen als auch den evangelischen Gottesdienst genutzt werden. Es eines der beiden derart von zwei Konfessionen genutzte Kirchengebäude in Baden (siehe Stiftskirche St. Juliana (Mosbach)) und wurde schon als solches gemeinsam geplant.Gemeinde Neuried – Geschichte von Schutterzell, abgerufen am 20. Dezember 2019 Auch diese 1862 fertiggestellte Kirche ist den „Weinbrenner-Stil“ verpflichtet. Auf dem Gebiet von Altenheim steht der Museumsbunker Emilie, der ein Teil des Westwalls und ein Bauwerk des Typs „Regelbau 11“ war. Er wurde im Jahre 1938 erbaut zur Bewachung des Hinterlandes, um einen Angriff auf Offenburg zu unterbinden. Im Bunker konnten 27 Soldaten in zwei Mannschaftsräumen Dienst tun. Der Bunker verfügte zudem über zwei Gasschleusen, eine Eingangsverteidigung und einen separat begehbaren Kampfraum. Die Bewaffnung bestand aus 2 MG 34 auf Lafette und 2 MG bei den Soldaten in Schützengräben um den Bunker. Die Deckenstärke beträgt 2 Meter. Der Bunker war als Wohnhaus getarnt, indem während der Kriegszeit eine Frau, „Emilie“, Unterschlupf fand. Nach dem Krieg mit Beton verfüllt, wurde der Bunker 1990 von den neuen Besitzern wieder geleert und als Motorradclubhaus genutzt. Seit Ende 2009 dient er als Museum.Info-Prospekt der Einrichtung, Info-Prospekt der Vereinigung „Befestigungen B-W“ Im Nordwesten von Altenheim befindet sich das 2019 eröffnete Europäische Forum am Rhein. Die Pierre-Pflimlin-Brücke verbindet Neuried mit dem Süden der Agglomeration Straßburg.

Naherholung alternativtext=Altrheinarm in Neuried-Altenheim|mini|Altrhein in Neuried-Altenheim alternativtext=Altrhein in Neuried-Altenheim im Sommer|mini|Altrhein in Neuried-Altenheim im Sommer Seit 2014 gibt es im Norden von Altenheim den 2,5 km langen Auenwildnispfad durch die Rheinauen.Kleiner Wald, große Wildnis in Badische Zeitung, 25. August 2014Ausflugsziel Beschreibung auf Alemannischen Seiten

Kultur Im Europäischen Forum am Rhein befinde sich das bi-nationale Theater Eurodistrict Baden Alsace. Unter der künstlerischen Leitung von Diana Zöller und Edzard Schoppmann werden zeitgenössische Stücke in deutscher und französischer Sprache aufgeführt. Das Theater bietet 150 Gästen Platz.

Wirtschaft und Infrastruktur Immer noch eine große Rolle spielt die Landwirtschaft und hier insbesondere der Tabakanbau. Mit etwa 470 ha Fläche ist Neuried die größte Tabakanbaugemeinde Deutschlands. Die Gemeinde verfügt über etwa 1000 Arbeitsplätze am Ort, das heißt, die Mehrzahl der Erwerbstätigen pendelt in die umliegenden Städte Offenburg, Kehl und Lahr/Schwarzwald.

Bildung Neuried besitzt fünf evangelische (drei davon in Altenheim, jeweils einer in Ichenheim und Dundenheim) und zwei katholische (Ichenheim und Schutterzell) Kindergärten. Im Ortsteil Altenheim gibt es mit der Johann-Henrich-Büttner-Schule eine Grund- und Hauptschule, im Ortsteil Ichenheim eine Haupt- und Realschule mit Werkrealschule sowie jeweils eine Grundschule in den Ortsteilen Ichenheim und Dundenheim. Ab dem Schuljahr 2014/2015 wurden in Dundenheim keine Grundschüler mehr neu eingeschult (14. Februar 2014), die Grundschule in Dundenheim wurde 2018 geschlossen. Gymnasien befinden sich in den nahe gelegenen Kreisstädten Offenburg, Lahr/Schwarzwald und Kehl.

Geothermie 2014 sollte eine erste Bohrung für ein Geothermie-Nutzungs-Projekt in der Gemeinde gesetzt werden. Diese wurde aufgrund einer laufenden Klage der Stadt KehlStadt Kehl hat Geothermie-Klage angepasst, In: bo.de, 2. Mai 2015, abgerufen am 5. Dezember 2016 gegen das Tiefengeothermiewerk und eines Bürgerprotests auf 2016 verschoben. Eine eventuelle Nutzung diente der Ergänzung des 2007 gestarteten Biomasse-Kraftwerkes als Hybridkraftwerk.Hagen Späth: Erste Bohrung für das Geothermie-Kraftwerk in Neuried in: badische-zeitung.de, 18. Februar 2011 bzw. Badische Zeitung analog, 26. Februar 2011, BZ-Thema: Energie aus der Tiefe (27. Februar 2011) Im Juli desselben Jahres hat sich eine Bürgerinitiative in den betroffenen Gemeinden Kehl, Neuried, Schutterwald und Willstätt gegen die Tiefengeothermiebohrungen gebildet.Webpräsenz der BI gegen Tiefengeothermie, abgerufen am 5. Dezember 2016 Der Regionalplan sperrt das Areal beim geplanten Erdwärmekraftwerk.Bastian Bernhardt: Mehr Flächen gibt es nicht In: badische-zeitung.de, 24. März 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016 Nachdem das Regierungspräsidium Freiburg im März 2021 die Genehmigung zurückgezogen hat, die Geothermie zu erkunden,Aufsuchungserlaubnis für Neuried wird nicht verlängert, Informationsportal Tiefe Geothermie, 9. März 2021 hat die Stadt im September 2021 das für die Geothermie vorgesehene Grundstück zurückgekauft.Gemeinde erwirbt Gelände zurück, Schwarzwälder Bote, 14. Oktober 2021

Verkehr Die Orte der heutigen Gemeinde wurden bis 1959 durch die Mittelbadische Eisenbahn bedient. Gegenwärtig gibt es keinen Anschluss an das deutsche Schienennetz mehr. Neuried wird durch Buslinien der regionalen Verkehrsbetriebe mit Lahr, Offenburg und Kehl verbunden.

Die Gemeindeteile Altenheim, Dundenheim und Ichenheim werden von der L 75 in Nord-Süd-Richtung durchquert. Im Norden der Gemeinde bildet die L 98 eine Verbindung zu Route nationale 353 und Bundesautobahn 5. Letztere tangiert im Bereich Schutterzell das Gemeindegebiet.

Durch Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de sind Altenheim, Dundenheim und Ichenheim mit Kehl (über Goldscheuer und Marlen) und mit Lahr verbunden. Die Route nach Lahr führt auch an Kürzell und Allmannsweier vorbei.

Neuried liegt an der rechtsrheinischen Variante Teil des Rheinradwegs, der von der Quelle des Rheins am Oberalppass im Schweizer Kanton Graubünden bis zur Mündung bei Rotterdam führt. Er verläuft über Meißenheim in das Gemeindegebiet, streift Ichenheim und führt dann bis Kehl dicht am Rhein entlang. Kurz vor dem Ende des Gemeindegebiets verläuft er aber mit Stufen über eine sehr schmale Brücke ("Steinsporebrugg"). Der Radfernweg ist als Eurovelo-Route 15 (Rheinradweg)Eurovelo 15 Basel bis Karlsruhe auf de.eurovelo.com und als D-Route 8 (Rhein-Route)D-Netz auf dem Radroutenplaner Deutschland ausgewiesen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde Ernst Friedrich Kärcher (1789–1855), klassischer Philologe und Pädagoge Klaus Wurth (1861–1948), Theologe und Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche in Baden Erwin Baur (1875–1933), Genetiker Brigitte Tast (* 1948), Künstlerin Kerstin Scheidecker, Journalistin

Weitere Persönlichkeiten

Hans Voß (1783–1849), Architekt, Architekt der St. Nikolaus-Kirche in Ichenheim Wilhelm Ludwig Frommel (1795–1869), Geistlicher, lebte in Ichenheim Ludwig Leiner (1830–1901), Apotheker, absolvierte in Ichenheim eine Ausbildung