Lucy Tanja Fricke (* 1974 in Hamburg) ist eine deutsche Autorin, die seit dem Jahr 2000 in Berlin lebt und arbeitet.

Leben Fricke arbeitete an zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit, zunächst als Schnittassistentin, überwiegend jedoch als Script/Continuity, unter anderem für die Filme Kurz und schmerzlos und Absolute Giganten, bevor sie ab 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte.

Noch vor Abschluss ihres Studiums gewann sie 2005 mit der Kurzgeschichte Winken bis nach Buenos Aires den 1. Preis beim Open-Mike-Wettbewerb für junge Literatur.

Werk 2007 erschien ihr Debütroman Durst ist schlimmer als Heimweh im Piper Verlag. 2010 wechselte sie mit dem zweiten Roman, Ich habe Freunde mitgebracht, zum Rowohlt Verlag. (PDF; 8,5 MB, S. 22) 2018 erschien ihr vierter Roman Töchter, der mit über 100.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller avancierte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Die französische Übersetzung unter dem Titel Les occasions manquées von Isabelle Liber wurde 2021 für den Prix Femina nominiert und stand auf der Shortlist für den Prix Medicis. Die Verfilmung mit Birgit Minichmayr, Alexandra Maria Lara und Josef Bierbichler in den Hauptrollen kam 2021 in die deutschen Kinos. Für die deutsch-griechisch-italienische Koproduktion schrieb Fricke gemeinsam mit der Regisseurin Nana Neul das Drehbuch. Außer Töchter waren auch die Romane Die Diplomatin und Das Fest auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Das Werk von Lucy Fricke umfasst Romane, Drehbücher sowie Kurzgeschichten, Reiseberichte und journalistische Texte. In Online-Ausgabe von Die Zeit erschien Frickes Reisebericht aus Georgien mit dem Titel Don’t smoke on the horse! der später auch in der Anthologie Georgien – eine literarische Reise abgedruckt wurde. Aus Vietnam berichtete sie ebenfalls für Die Zeit. Für die Literaturzeitschrift Akzente verfasste sie einen Reisebericht aus dem Sudan mit dem Titel Frühling in Khartum.

Seit 2011 besteht ein Stipendiatenprogramm des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa in Kyōto. Die erste Stipendiatin dieses Programms von April bis Juli 2011 war Lucy Fricke. Während des Aufenthalts dort war Fricke direkt konfrontiert mit den Folgen der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Dieser Aufenthalt hat sich auf den Roman Takeshis Haut ausgewirkt, was auch in der Deutschen Presse von mehreren Zeitungen thematisiert wurde. Aus dieser Zeit stammen auch Reiseberichte über das von der Nuklearkatastrophe und dem Erdbeben erschütterte Japan. Diese Reiseberichte erscheinen in der Wochenzeitung der Freitag, in der Taz, in der Berliner Morgenpost sowie beim Online-Portal des Senders Deutsche Welle.

Rezeption Die autobiografische Kurzgeschichte Fischfabik erschien 2021 in der Anthologie Klasse und Kampf, herausgegeben von Maria Barankow und Christian Baron. Auf Grundlage dieser Geschichte entwickelte der Choreograf David Kwiek eine Hip-Hop-Performance mit dem Titel Frutti di Mare. Frickes Roman Töchter war Gegenstand des Toledo-Programms des Deutschen Übersetzerfonds. Aus der Arbeit an der Übersetzung ging ein viersprachiges Online-Journal hervor, in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Der Roman Das Fest wurde auf der SWR-Bestenliste im Januar 2025 auf den dritten Platz gewählt.

Lehre Gastprofessur Deutsches Literaturinstitut Leipzig Wintersemester 2023/24. Online-Schreibwerkstatt Literaturhaus München.

Engagement im Literaturbetrieb Neben dem Schreiben gründete Lucy Fricke 2010 „HAM.LIT – Lange Nacht junger Literatur und Musik“ in Hamburg und kuratierte das erfolgreiche Lesefestival zehn Jahre lang. Laut Der Spiegel ist HAM.LIT „[e]in Lesefestival für Leute, die Lesungen nicht mögen.“ Dieses Festival, das Fricke ins Leben gerufen hat, wurde als „Hamburgs coolste Literatur-Party“ (Mopo) und als „[d]ie sexieste Literaturveranstaltung der Stadt“ (Hamburger Abendblatt) bezeichnet. Sie war und ist auch in verschiedenen Jurys tätig, unter anderem für den Friedrich-Luft-Preis, den Karl-Heinz-Zillmer-Verlegerpreis und für den open mike 2018.

Lucy Fricke ist Gründungsmitglied des Kook-Vereins, eines unabhängigen Netzwerks von Künstlern. Bis zu ihrem Austritt war sie Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und ist Gründungsmitglied des PEN Berlin, dessen Board sie seit 2025 angehört.

Auszeichnungen 2005 1. Preis beim 13. „open mike“ der Literaturwerkstatt BerlinListe der bisherigen Gewinner des „open mike“ Berlin, siehe auch: Winken bis nach Buenos Aires. In: FAZ, 15. November 2005; zum 13. „open mike“ 2005 Stipendiatin 9. Klagenfurter Literaturkurs 2007 Aufenthaltsstipendium in der Villa Decius, KrakauListe der Stipendiaten 2007 auf der Website der Villa Decius 2008 Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop 2008 Arbeitsstipendium Stiftung Preussische Seehandlung 2009 Stipendiatin der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen 2011 Stipendiatin des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa, Kyoto, Japan 2012 Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg 2012 Stipendium des International Writing Program der University of Iowa 2015 Senatsstipendium der Stadt Berlin 2015 2016 Casa-Baldi-Stipendium der Deutschen Akademie Rom 2018 Bayerischer Buchpreis, Kategorie Belletristik für Töchter 2019/2020 Stipendium Kulturakademie Tarabya, Istanbul, Türkei 2021 Stipendium Villa Concordia, Bamberg 2023 Stipendium Deutsches Studienzentrum in Venedig 2024 Roswitha-Preis, Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim 2026 Bonner StadtschreiberWDR 3 (Westdeutscher Rundfunk) Resonanzen vom 8. Juli 2026: Lucy Fricke schreibt in Bonn neuen Roman, abgerufen am 9. Juni 2025

Veröffentlichungen Romane Durst ist schlimmer als Heimweh. Piper Verlag, München 2007, ISBN 978-3-492-05141-5. Ich habe Freunde mitgebracht. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-498-02130-6. Takeshis Haut. Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2014, ISBN 978-3-498-02016-3. Töchter. Roman.Lucy Fricke: "Töchter"Am Rande des Nervenzusammenbruchs, Rezension auf Deutschlandfunk Kultur vom 9. März 2018, abgerufen am 15. März 2018 Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018, ISBN 978-3-498-02007-1. Die Diplomatin. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-8437-2653-5. Das Fest. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-5461-0095-3.

Weitere Veröffentlichungen Sonntags. In: die horen, Nr. 216. Edition Die Horen, Bremerhaven 2004. Winken bis nach Buenos Aires. In: 13. open mike. Allitera Verlag, München 2005. Durst ist schlimmer als Heimweh. In: EDIT, Nr. 41, Papier für neue Texte. Literaturverein EDIT, Leipzig 2006. Null zu Vier. In: BELLA triste Nr. 25. Hildesheim 2009. Tagebuchauszüge. In: „Wenn ich groß bin, werd ich Dichter“ – Frühe Texte bekannter Autoren. Arche, Zürich 2015, ISBN 978-3-7160-2733-2. Frühling in Khartum. In: Akzente, Zeitschrift für Literatur. Hanser, München 2015, ISBN 978-3-446-24891-5. Wer in der Festung sitzt. In: „Wie wir leben wollen“ – Texte für Solidarität und Freiheit. Suhrkamp, Berlin 2016, ISBN 978-3-518-46710-7. Fischfabrik. In: VOLLTEXT Nr.1/2021, S.4-7. Zeitschrift für Literatur, Wien. Fischfabrik. In: Klasse und Kampf – Hrsg. Christian Baron und Maria Barankow, Claassen Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-546-10025-0.

Weblinks

Texte Gewinnertext des 13. open mike. (PDF)

Einzelnachweise

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