mini|Der Indische Ozean, Einsatzgebiet der Monsun-U-Boote Die Gruppe Monsun war eine Gruppe deutscher U-Boote, die im Zweiten Weltkrieg in den Indischen Ozean und das Arabische Meer gesendet wurden, um Schiffe der Alliierten anzugreifen. Sie operierten von Häfen aus, die von Japan besetzt worden waren. Für Versorgungszwecke kamen auch italienische U-Boote zum Einsatz. Der Deckname „Monsun“ ging auf die Planung zurück, die U-Boote gegen Ende des sommerlichen Monsunregens das vorgesehene Einsatzgebiet erreichen zu lassen.Clay Blair: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Die Gejagten, 1942–1945. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-16059-2, S. 475–479.

Handelskrieg im Indischen Ozean Während die alliierten Schiffe im Rahmen des etablierten Geleitzug- oder Konvoi-Systems im Nordmeer, im Atlantik und im Mittelmeer durch Seestreitkräfte gut gesichert waren,Siehe z. B. HX-Geleitzüge. standen für den Schutz der Schifffahrt zwischen Afrika und Australien nur geringe Kräfte zur Verfügung. Daher bestanden in diesen Gewässern auch keine Geleitzugrouten und die Schiffe versuchten, ihre Zielhäfen als Einzelfahrer zu erreichen. Neben vereinzelten kleineren Kriegsschiffen sicherten lediglich dreizehn britische Staffeln mit jeweils 15–25 Flugzeugen diese Seegebiete. Die Operationen der Kriegsmarine gegen den alliierten Schiffsverkehr im Indischen Ozean und im südlichen Pazifik beschränkten sich ihrerseits auf den Einsatz von sogenannten Hilfskreuzern wie der, auch Schiff 28 genannten, Michel und der Thor (auch Schiff 10) sowie dem Hilfsminenleger Doggerbank, die durch speziell in diesen Seegebieten stationierte Tankschiffe, wie beispielsweise der Charlotte Schliemann versorgt wurden. In den Jahren 1942 und 1943 versenkten die drei deutschen Schiffe insgesamt 11 Schiffe mit 71.975 BRT.Elmar B. Potter, Chester W. Nimitz: Seemacht. Eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Lizenzausgabe. Manfred Pawlak, Herrsching 1982, ISBN 3-88199-082-8, S. 855. Im Rahmen der U-Bootgruppe Eisbär operierten Ende 1942 erstmals vier deutsche U-Boote im Indischen Ozean und versenkten 25 Schiffe mit 182.075 BRT. Nachfolgende Boote, bsp. die U-Bootgruppe Seehund, versenkten bis April des folgenden Jahres 43 weitere Schiffe. Diese Erfolge und der zu diesem Zeitpunkt einsetzende Aufbau eines britischen Konvoi-Systems im Indischen Ozean führten auf deutscher Seite zur Konzeption einer U-Bootgruppe, die permanent in diesem Seegebiet eingesetzt werden, durch U-Tanker versorgt und von U-Bootstützpunkten aus operieren sollte: Gruppe Monsun.

Monsun – die „Erste Welle“ Zunächst kamen für den Einsatz lediglich große U-Boote der U-Bootklasse IX D infrage, die über eine entsprechende Reichweite verfügten. Nach Einrichtung eines U-Boot-Stützpunktes im malayischen Penang war es darüber hinaus möglich, kleinere Boote vom Typ IX C in dieses Seegebiet zu entsenden. Die ersten Boote dieser Monsun-Gruppe machten sich zwischen dem 30. Juni und dem 7. Juli 1943, größtenteils vom nordfranzösischen Marinestützpunkt Lorient aus, auf den Weg nach Südostasien. Am 30. Juni brach U 188 auf, einen Tag später folgte U 514. Am 3. Juli liefen U 168, U 183, U 509, U 532 und U 533 aus.U 533 musste die Fahrt kurz nach dem Auslaufen abbrechen, kehrte nach Lorient zurück und lief am 5. Juli erneut aus. Am 6. Juli verließ U 506 und zwei Tage später U 516 den Stützpunkt Lorient.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, S. 455 ff. U 200 war bereits am 12. Juni in Kiel ausgelaufen. Das Boot hatte einen Trupp der "Brandenburger" genannten Sabotagetruppe der Wehrmacht an Bord, die in Südafrika an Land gesetzt werden sollten, um die Buren zum Kampf gegen die Briten zu motivieren.Clay Blair: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Die Gejagten, 1942–1945. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-16059-2, S. 427. Fünf der in Marsch gesetzten Boote gingen verloren, lange bevor sie den Atlantik passieren konnten: U 200 wurde südöstlich Islands, U 506 vor Spanien, U 509 bei Madeira und U 514 bereits kurz nach dem Auslaufen in der Biskaya durch Luftangriffe vernichtet.U 847, das am 6. Juli von Kiel ausgelaufen war, brach den Anmarsch nach einer Kollision mit einem Eisberg in der Dänemarkstraße ab und wurde fortan als Versorgungsboot verwendet.

Versorgung Zu den Schwierigkeiten der Überfahrt der U-Boote in südostasiatische Gewässer gehörte, neben der Feindlage, vor allem die Treibstoffversorgung. Zur Versorgung der Monsun-Boote auf der Anfahrt zum Einsatzgebiet waren der U-Tanker U 487 und das Tankschiff Brake, das im Indischen Ozean wartete, vorgesehen.Der ursprünglich zur Versorgung mit eingeplante U-Tanker U 462 konnte die Versorgungsaufgaben wegen Gefechtsschäden nicht wahrnehmen. U 487 wurde allerdings am 13. Juli von mehreren Kampfflugzeugen des Geleitflugzeugträgers USS Core versenkt. Ersatzweise beauftragte die U-Bootführung das Typ IX C-Boot U 160, das Ende Juni von Bordeaux ausgelaufen war, damit, das zu diesem Zeitpunkt bereits verlorengegangene U 509 und die weiteren Monsun-Boote U 532, U 533 und U 506 zu versorgen. Vor dem Rendezvous der Boote wurde jedoch U 160 seinerseits versenkt. U 516 konnte die hierdurch entstandene Unterversorgung ausgleichen, denn das Boot musste die Anfahrt wegen technischer Probleme abbrechen und konnte Treibstoff und Versorgung an U 532 und U 533 übergeben, bevor es zum französischen Stützpunkt zurückkehrte. Drei weitere Boote der Gruppe Monsun, U 168, U 188 und U 183 wurden am 22. Juli vom Hilfs-Tank-U-Boot U 155 versorgt.

Erreichen des Einsatzgebietes Von den ursprünglich elf Booten der Gruppe Monsun gelang es lediglich fünf, den Atlantik zu verlassen und das Kap der Guten Hoffnung zu passieren, die sechs anderen wurden versenkt oder brachen die Fahrt ab: U 200, durch Liberator-Bomber am 24. Juni 1943 südwestlich Islands versenkt U 506, am 12. Juli 1943 vor Vigo von US-amerikanischen B-24-Bombern versenkt U 509, nordwestlich von Madeira am 15. Juli 1943 durch Flugzeuge der USS Santee versenkt U 514, nordöstlich von Kap Finisterre am 8. Juli 1943 durch britischen Liberator-Bomber versenkt U 516, Fahrtabbruch wegen technischer Probleme, kehrte am 23. August nach Lorient zurück U 847, Fahrtabbruch, Einsatz als Versorgungsboot und am 27. August 1943 in der Sargassosee durch Kampfflugzeuge der Card versenkt Am 8. September trafen die verbliebenen Monsun-Boote mit dem deutschen Tanker Brake zusammen und übernahmen Treibstoff und Versorgung. Am 12. September erhielten die Kommandanten Befehl, ihre Boote zu den jeweils vorgesehenen Patrouillengebieten zu führen: U 168 fuhr ins Seegebiet vor Bombay und zum Golf von Cambay U 183 suchte erfolglos im Seegebiet vor Kenia nach gegnerischen Schiffen U 188 patrouillierte im Golf von Oman U 532 wurde zur Südspitze Indiens beordert U 533 befuhr den Golf von Aden Durch die erfolgreiche Entschlüsselung des von der Kriegsmarine verwendeten Enigma-Codes, gelang es den US-amerikanischen Streitkräften, jede Bewegung der Monsun-Boote nachzuvollziehen, und den Schiffsverkehr entsprechend zu sichern oder umzuleiten. Dadurch erzielten die deutschen U-Boote nur sehr wenige Versenkungen.

Stützpunkt Penang mini|U 511 (Marco Polo) als "RO-500" nach der Übergabe an Japan Mit U 533, das am 16. Oktober im Golf von Aden versenkt wurde, ging ein weiteres Monsun-Boot verloren. Im Herbst des Jahres 1943 erreichten die vier letzten Boote der Gruppe Monsun den Stützpunkt im Hafen von Penang. Malaysia war im Frühjahr 1942 von Japan erobert worden. Ein Teil des Hafens von Penang wurde der Kriegsmarine zur Verfügung gestellt, die hier unter Geheimhaltung einen improvisierten U-Bootstützpunkt einrichtete, dessen Besatzung zur Tarnung größtenteils zivile Kleidung trug und zum Teil aus der ehemaligen Besatzung des Marco Polo genannten deutschen U-Boots U 511 bestand, das der japanischen Marine übergeben worden war. Fritz Schneewind, der ehemalige Kommandant von U 511, löste Heinrich Schäfer auf U 183 ab, der wegen Erfolglosigkeit seines Kommandos enthoben wurde. Befehlshaber des Stützpunktes war Kapitänleutnant Grützmacher, ehemaliger Offizier auf dem Hilfskreuzer Michel. Auch der Ende 1944 eingerichtete "Chef im Südraum", Fregattenkapitän Wilhelm Dommes, ehemaliger Kommandant von U 178, residierte in Penang. Während die Boote nominell weiter ihren heimatlichen Frontflottillen unterstanden, war er verantwortlich für alle U-Bootunternehmungen im Indischen Ozean und den angrenzenden Seegebieten.Gliederung der Führung der U-Boote im sogenannten „Südraum“. Die geringe, behelfsmäßige Besatzung des Stützpunktes konnte eine Instandsetzung der Boote nicht gewährleisten. Der Plan, japanische Fachleute für eventuelle Reparaturen und die allgemeine Instandsetzung der U-Boote zu gewinnen, schlug fehl. Die deutschen U-Boot-Kommandanten setzten also ihre eigenen Besatzungen zur Überholung der Boote ein. Deren Landurlaub, der nach einer Feindfahrt üblicherweise Wochen andauerte, verkürzte sich dementsprechend auf wenige Tage. Auch die Beschaffung von Ausrüstung und Material war nur ungenügend gewährleistet. Nur zweien der Monsun-Boote, die es nach Penang geschafft hatten, U 188 und U 532, gelang es später, wieder europäische Gewässer zu erreichen. Die U-Boote der „Ersten Welle“ der Gruppe Monsun hatten im Verlauf ihres Einsatzes unter großen Verlusten lediglich sechs Schiffe und sechs Daus mit insgesamt 33.800 BRT versenkt. Ihr Einsatz blieb hinter den Erwartungen zurück und gilt als Fehlschlag.

Weitere Stützpunkte Folgende weitere Stützpunkte bzw. Anlegepunkte waren von den Japanern an die Deutschen zur Nutzung übergeben wordenDer Untergang des Dritten Reiches im Spiegel der deutsch-japanischen Kulturbegegnung 1933-1945. Otto Harrassowitz Verlag, 2009, ISBN 3-447-06072-7, S. 74 (): Basis in Singapur Basis in Jakarta (in Indonesien) Basis in Surabaya (in Indonesien) Basis in Kure (in Japan) als Anlegepunkt für deutsche Versorgungs-U-Boote.

Verstärkung – die „Zweite Welle“ Am 18. September 1943 lief U 848 unter dem Kommando von Wilhelm Rollmann von Kiel aus, um die Monsun-Boote in Penang zu verstärken. Bei der Durchquerung des mittleren Atlantik entschloss sich Kommandant Rollmann am 2. November einen britischen Frachter zu versenken, was das Bombergeschwader der US-Navy auf der Insel Ascension alarmierte. Das Boot wurde kurz darauf von zwei B-24-Bombern aufgespürt und versenkt. Auch U 849, das Kiel am 2. Oktober mit Ziel Penang verlassen hatte, gelang es nicht, das vorgesehene Operationsgebiet zu erreichen. Das Boot wurde ebenfalls von Bombern der auf Ascension stationierten Squadron VB 107 entdeckt und versenkt. Zwischen Januar und Juni des Jahres 1944 wurden sechzehn weitere U-Boote in die ostasiatischen Einsatzgebiete entsandt, um Nachschub zum Stützpunkt Penang zu bringen und die dortigen Streitkräfte zu verstärken. Gleichzeitig wurden einige der dort stationierten Boote zurückbeordert, auch um kriegswichtige Güter, wie Zinn, Wolfram, Chinin und Opium nach Deutschland zu bringen.

Aquila mini|UIT 24, ein “Aquila”-Boot