mini|250x250px|Die Künstler nach der Aufführung des Konzertes Symphonic Fantasies Die Symphonischen Spielemusikkonzerte (verkürzt: Spielekonzerte bzw. international Game Concerts) sind eine von Thomas Böcker produzierte Reihe von Konzertproduktionen mit orchestraler Computerspielmusik, die 2003 im Gewandhaus zu Leipzig ihren Anfang nahm. Das Auftaktkonzert gilt als erstes Orchesterkonzert mit Spielemusik außerhalb Japans.

In Leipzig wurde die Spielekonzerte-Reihe unter dem Titel GC in Concert von 2003 bis 2007 als offizielle, jährliche Eröffnungszeremonie der GC – Games Convention abgehalten. Ab 2008 folgte eine Kooperation mit dem WDR und dem WDR Funkhausorchester in Köln, in deren Rahmen mehrere Konzertprogramme entstanden. Seit 2013 werden Produktionen international aufgeführt, unter anderem mit dem London Symphony Orchestra.

Konzerte in Leipzig (2003–2007) Entwicklung Inspiriert von japanischen Konzerten mit Musik aus Videospielen, insbesondere den Orchestral Game Music Concerts aus den Neunzigern, entwickelte Thomas Böcker das Konzept für die erste Veranstaltung dieser Art außerhalb Japans. Um möglichst viele Menschen der Zielgruppe zu erreichen, plante er das Konzert nebst einer etablierten Veranstaltung der Spieleindustrie. 2002 stellte er seine Idee der Leipziger Messe vor, die zustimmte, ein Spielekonzert während der GC – Games Convention zu präsentieren. Die Leipziger Messe veranstaltete GC in Concert, während Böcker als künstlerischer Leiter und Produzent tätig war. Damit verbunden war das Aufstellen eines Konzertprogramms; zudem musste das Einverständnis einzelner Publisher eingeholt werden, um Musik aus den von ihnen veröffentlichten Spielen nutzen zu dürfen.

GC in Concert

Am 20. August 2003 fand das erste Spielekonzert statt, aufgeführt vom Tschechischen Nationalen Symphonieorchester im Gewandhaus zu Leipzig. Bis 2007 folgten vier weitere jährliche Konzerte mit unterschiedlichen Programmen, fortan dargeboten vom FILMharmonic Orchestra Prague. Böcker wollte bei den Spielekonzerten in Leipzig die Auswahl der Kompositionen nicht auf europäische Spiele beschränken und stellte deshalb asiatische, amerikanische und europäische Titel unterschiedlicher musikalischer Stilrichtungen gegenüber. Beim ersten Konzert lag der Schwerpunkt auf Musik von Spielen, für die bereits zuvor mit Live-Orchestern aufgenommen worden war. Die Organisation begann Mitte April 2003 und umfasste damit rund vier Monate.

Nach Auswertung von Rückmeldungen der Besucher fand schließlich mehr Musik von Spieleklassikern Eingang in die Programme. Die folgenden Konzerte beschäftigten Böcker je ein Jahr mit der Planung und enthielten zunehmend neu geschriebene und experimentellere Arrangements, die über einfache Orchesterversionen der Ausgangsstücke hinausgingen und persönliche Interpretationen der Arrangeure darstellten.

Das erste Konzert war mit rund 2000 Besuchern ausverkauft, wie auch die vier folgenden Leipziger Veranstaltungen. In ihrer Rolle als offizielle Eröffnungszeremonien der GC – Games Convention umfassten sie von 2003 bis 2006 auch verschiedene Reden und Präsentationen deutscher Industrievertreter und Politiker, so zum Beispiel von Wolfgang Tiefensee. Daneben nahmen zahlreiche Komponisten teil, darunter Nobuo Uematsu, Yuzo Koshiro, Chris Hülsbeck, Rob Hubbard und Allister Brimble. Konzerte in Köln (2008–2012) Einer Einladung Thomas Böckers folgend, nahm Winfried Fechner, der Manager des damaligen WDR Rundfunkorchesters Köln, am fünften Spielekonzert in Leipzig teil. Fechner zufolge führte der Besuch zu der Entscheidung, Spielemusik mit dem WDR Rundfunkorchester aufzuführen. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit Böckers Merregnon Studios. Das Orchester wirkte zunächst an der CD-Produktion drammatica – The Very Best of Yoko Shimomura mit; außerdem wurde Computerspielmusik in dem WDR-Konzert PROMS – That’s Sound, that’s Rhythm aufgeführt. links|mini|200x200px|Das WDR Rundfunkorchester Köln und der FILMharmonic Choir führen Symphonic Shades auf

Symphonic Shades – Hülsbeck in Concert Mit Symphonic Shades – Hülsbeck in Concert folgte am 23. August 2008 ein Konzert, das der Musik des deutschen Spielekomponisten Chris Hülsbeck gewidmet war. Das Programm enthielt unter anderem Arrangements aus The Great Giana Sisters, Turrican II, R-Type und Apidya. Beide Aufführungen waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Die erste Aufführung mit dem WDR Rundfunkorchester Köln wurde live auf WDR4 gesendet und war damit das erste Spielemusikkonzert mit einer Radioübertragung.

Ende 2008 erschien eine Aufnahme des Konzertprogramms als Musikalbum. Die zunächst auf 1000 Exemplare limitierte Erstauflage war kurz nach der Veröffentlichung vergriffen.

Im August 2009 wurde Musik aus Symphonic Shades vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra im Stockholmer Konzerthaus im Rahmen des Konzerts Sinfonia Drammatica aufgeführt, gemeinsam mit Musik aus drammatica von Yoko Shimomura. Symphonic Fantasies – music from Square Enix mini|Uematsu, Mitsuda, Shimomura und Kikuta bei der Autogrammstunde vor Symphonic Fantasies Symphonic Fantasies – music from Square Enix fand am 12. September 2009 in der Kölner Philharmonie statt. Die Karten für die Veranstaltung waren schnell ausverkauft, woraufhin ein zusätzliches Konzert am 11. September 2009 in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen angesetzt wurde. Die Kölner Aufführung wurde auf WDR4 übertragen und zugleich als Live-Videostream im Internet gezeigt. Es war die erste weltweite Online-Videoübertragung eines Spielemusikkonzerts.

Symphonic Fantasies ist der Musik des japanischen Spieleherstellers Square Enix gewidmet. Das Programm umfasst Arrangements aus Kingdom Hearts, Secret of Mana, Chrono Trigger und Chrono Cross sowie Final Fantasy. Die Musik wurde in vier bis zu 18 Minuten lange Partituren verarbeitet. Böcker erklärte, mit diesem Format mehr Raum für musikalische Entwicklung und eigene Ideen der Arrangeure schaffen zu wollen. Zur Auswahl der verwendeten Musik wurden auch die ursprünglichen Komponisten gebeten, Listen ihrer bevorzugten Stücke zusammenzustellen.

2012 folgten weitere Aufführungen in Tokio, Stockholm und Köln. 2016 wurde das Programm im Barbican Centre in London vom London Symphony Orchestra aufgeführt. Aufnahmen der Konzerte in Köln und Tokio wurden als Musikalben veröffentlicht. Symphonic Legends – Music from Nintendo Symphonic Legends – Music from Nintendo fand am 23. September 2010 in der Kölner Philharmonie statt. Das ausverkaufte Konzert war der Musik von Nintendo gewidmet und umfasste unter anderem Arrangements aus Super Mario Bros., Super Mario Galaxy, Donkey Kong Country, Metroid, F-Zero und The Legend of Zelda. Wie bereits bei den vorangegangenen Kölner Produktionen wurde das Konzert erneut live auf WDR4 sowie weltweit per Video- und Audio-Livestream im Internet übertragen.

Das Programm setzte die Entwicklung hin zu umfangreicheren und eigenständigeren Arrangements fort. Die Musik aus Metroid wurde in einem zeitgenössisch geprägten Stil verarbeitet, während die komplette zweite Hälfte des Konzerts aus einer rund 35-minütigen Tondichtung zu The Legend of Zelda bestand. Diese war in die fünf Abschnitte Hyrulian Child, Dark Lord, Princess of Destiny, Battlefield und Hero of Time gegliedert.

Die Aufführung LEGENDS am 1. Juni 2011 mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra griff teilweise auf Arrangements aus Symphonic Legends zurück. Am 13. Juli 2014 führte das London Symphony Orchestra die Tondichtung zu The Legend of Zelda im Barbican Centre in London auf. Symphonic Odysseys – Tribute to Nobuo Uematsu Symphonic Odysseys – Tribute to Nobuo Uematsu war der Musik des japanischen Komponisten Nobuo Uematsu gewidmet. Das Programm mit Musik unter anderem aus Final Fantasy, Blue Dragon, Lost Odyssey und The Last Story wurde am 9. Juli 2011 vom WDR Rundfunkorchester Köln und dem WDR Rundfunkchor Köln in der Kölner Philharmonie aufgeführt. Nachdem die ursprünglich angesetzte Abendvorstellung innerhalb von zwölf Stunden ausverkauft war, wurde für denselben Tag ein zusätzliches Konzert am Nachmittag angesetzt. Wie bei den vorangegangenen Kölner Produktionen wurde auch das Abendkonzert live auf WDR4 und per Livestream im Internet übertragen.

Das Programm verband kürzere Stücke mit längeren Partituren, darunter ein rund 16-minütiges Klavierkonzert mit Musik aus den ersten sechs Final-Fantasy-Teilen. Böcker beschrieb Symphonic Odysseys als Verbindung unterschiedlicher Ansätze der vorangegangenen Kölner Produktionen. Eine Aufnahme der Kölner Konzerte erschien noch 2011 bei Uematsus Label Dog Ear Records als Doppelalbum.

Im Juni 2017 wurde Symphonic Odysseys vom London Symphony Orchestra und dem London Symphony Chorus erneut aufgeführt, am 18. Juni in der Philharmonie de Paris und am 20. Juni im Barbican Centre in London.

Konzerte weltweit (ab 2013)

Final Symphony – Music from Final Fantasy Final Symphony – Music from Final Fantasy umfasst Musik aus Final Fantasy VI, VII und X von Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu. Die Musik wurde dabei in größere klassische Formen überführt: Final Fantasy VI als sinfonische Dichtung, Final Fantasy X als Klavierkonzert und Final Fantasy VII als Sinfonie in drei Sätzen.

Die Weltpremiere fand am 11. Mai 2013 mit dem Sinfonieorchester Wuppertal in der Stadthalle Wuppertal statt. Am 30. Mai 2013 folgte eine Aufführung mit dem London Symphony Orchestra im Barbican Centre in London. Für das Orchester war es das erste Konzert, das ausschließlich aus Computerspielmusik bestand. Es folgten Aufführungen unter anderem in Japan, Nordamerika, Australien, Neuseeland und weiteren europäischen Ländern.

2015 erschien eine Studioaufnahme mit dem London Symphony Orchestra, aufgenommen in den Abbey Road Studios.

Final Symphony II – Music from Final Fantasy Final Symphony II – Music from Final Fantasy verarbeitet Musik aus Final Fantasy V, VIII, IX und XIII von Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu in umfangreichen zusammenhängenden Arrangements.

Die Weltpremiere fand am 29. August 2015 mit dem Beethoven Orchester Bonn in der Beethovenhalle statt. Es folgten Aufführungen mit dem London Symphony Orchestra in London und Japan. Mit dem Konzert in Osaka am 27. September 2015 wurde es zum ersten ausländischen Orchester, das in Japan ein Spielemusikkonzert aufführte. Weitere Aufführungen folgten unter anderem in Finnland, Schweden und den Niederlanden. 2023 erschien eine Studioaufnahme mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra.

Symphonic Memories – Music from Square Enix Symphonic Memories – Music from Square Enix wurde vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra am 9. Juni 2018 im Stockholmer Konzerthaus uraufgeführt. Das Konzept verbindet Partituren aus früheren Produktionen wie Symphonic Fantasies, Final Symphony und Final Symphony II mit neuen Arrangements. In Stockholm erklang erstmals eine Suite mit Musik aus Final Fantasy XV. Das Repertoire umfasst außerdem neue Arrangements aus Octopath Traveler, Xenogears sowie NieR.

Weitere Aufführungen fanden unter anderem in Finnland, der Schweiz, Japan und Deutschland statt. Eine Aufführung im japanischen Kawasaki wurde aufgezeichnet und 2020 von Square Enix als Doppelalbum veröffentlicht.

Konzertfilme für Bethesda Softworks Für Bethesda Softworks entstanden außerdem zwei Konzertfilme mit dem London Symphony Orchestra. Zum zehnten Jubiläum von The Elder Scrolls V: Skyrim produzierte Thomas Böcker 2021 das Skyrim 10th Anniversary Concert mit dem London Symphony Orchestra und den London Voices im Alexandra Palace in London. Der Konzertfilm wurde am 11. November 2021 veröffentlicht.

2023 folgte Starfield – A Night with the London Symphony Orchestra zur Veröffentlichung des Action-Rollenspiels Starfield. Die Aufnahme entstand mit dem London Symphony Orchestra in St Luke’s, Old Street in London und wurde am 13. September 2023 veröffentlicht.

Schulkonzerte mit Computerspielmusik