Winterhude ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Nord der Freien und Hansestadt Hamburg.

Geografie Grenzverlauf Die Grenze Winterhudes folgt fast vollständig der Güterumgehungsbahn Hamburg (im Norden und Osten), dem Osterbekkanal (im Süden) und der Alster (im Westen). Die einzige größere Ausnahme ist der Verlauf im Südosten: Hier biegt die Grenze von der Güterumgehungsbahn zunächst in die Hellbrookstraße und an deren Ende bis zum Osterbekkanal in die Saarlandstraße ab.

Innere Gliederung Winterhude, der Bevölkerungszahl nach der drittgrößte Stadtteil Hamburgs (Stand: 2023), ist administrativ in sechs Ortsteile untergliedert, die die Nummern 408 bis 413 tragen. Stadtgeographisch lässt es sich in vier verschiedene Zonen gliedern:

Winterhude Süd (Außenalster, Mühlenkamp, Gertigstraße, Barmbeker Straße, südlicher Stadtpark)Dieser Bereich ist wesentlich geprägt durch die in Alsternähe gelegene Villenbebauung. Die Barmbeker Straße in östlicher Richtung kann als Grenze angesehen werden. Hier erschließt sich rund um den Schinkelplatz eine klassische Mehrfamilienhaus-Blockbebauung mit Häusern aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Das Zentrum des südlichen Winterhudes bilden der Bereich um den Mühlenkamp mit seinen vielen Geschäften und die Gertigstraße mit vielen Kneipen bzw. Lokalen.

mini|hochkant|Wohngebäude am Lattenkamp in Winterhude-Nord Winterhude Nord (Winterhuder Marktplatz, Alsterdorfer Straße, Carl-Cohn-Straße, nördlicher Stadtpark)Das nördliche Winterhude erschließt sich nördlich des Winterhuder Marktplatzes. Das geschäftliche Zentrum bilden der Marktplatz selbst, um den vier Kreditinstitute angesiedelt sind, sowie die Hudtwalckerstraße und die südliche Alsterdorfer Straße, die mit vielen kleinen Geschäften aufwarten. Die Häuser dieses Gebietes stammen zum Teil noch aus der Zeit der Jahrhundertwende, zum Teil aus der Zwischenkriegszeit.

Jarrestadt (Barmbeker Straße, Saarlandstraße, Weidestraße, Jarrestraße)Die Jarrestadt kann als eigenständiges Viertel angesehen werden. Es war eines der größten sozialen Wohnungsbauprojekte des 20. Jahrhunderts in Hamburg. Diese Siedlung wurde am Reißbrett geplant und ab 1926 mit den für diese Zeit typischen dunkelroten Ziegelsteinen gebaut. Vom Feuersturm 1943 blieb die Jarrestadt weitgehend verschont, obwohl die Werksanlagen von Kampnagel (Herstellung von Kränen und Ladegeschirr) unmittelbar südlich an die Jarrestadt grenzten. Nach inzwischen freigegebenem Archivmaterial fiel ein geplanter Bombereinsatz wegen Schlechtwetters aus.

mini|Ehemalige HEW-Hauptverwaltung in der City Nord City NordWährend der wirtschaftlichen Blüte der Bundesrepublik in den 1960er Jahren bestand ein großer Bedarf an Büroflächen, und so entstand die fast ausschließlich von Großraumbüros in modernen, durch Architektur-Wettbewerbe gestalteten Gebäuden geprägte „Geschäftsstadt Nord“, seit den 1970er Jahren City Nord genannt. In den 1990er Jahren schreckte dieses Konzept Interessenten ab und führte zum Abriss einiger Gebäude. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts versucht die Stadt, die „CiNo“ wiederzubeleben. Ein markantes Gebäude der City Nord ist die Hauptverwaltung der Hamburgischen Electricitäts-Werke (heute Vattenfall Europe), das 1967 nach Plänen von Arne Jacobsen erbaut wurde.

Östliches Winterhude mit Pergolenviertel

Ein weiterer Teil von Winterhude entsteht seit einigen Jahren am Rand des Stadtteils, östlich der Saarlandstraße, an der Grenze zu Barmbek-Nord auf Konversionsflächen. Auf dem Gelände eines alten Güterbahnhofes zwischen Hellbrookstraße und Alte Wöhr ist das Wohngebiet „Alter Güterbahnhof“ entstanden, auf umgewidmeten Kleingartenflächen im direkten nördlichen Anschluss, zwischen Alte Wöhr und Hebebrandstraße, entstand ab 2016 das Pergolenviertel. Auf 8 Hektar der Fläche wurden drei- bis achtgeschossige Wohnhäuser mit insgesamt 1.400 Wohnungen errichtet, 7 Hektar sind für Park-, Spiel- und Bolzflächen vorgesehen, 6 Hektar sollen Platz für etwa 150 Kleingärten bieten.

Das östliche Winterhude ist gut an das Hamburger Schnellbahnnetz angebunden, es liegt fast vollständig im fußläufigen Einzugsgebiet der Stationen Saarlandstraße, Alte Wöhr oder Rübenkamp.

Geschichte mini|Karte der Vogtei Winterhude 1867 mini|Agnesstraße 1903

Die Bezeichnung „Winterhude“ wird in einer einfachen Deutung auf einen Besitzer namens „Winter“ zurückgeführt, wobei die Endung -hude einen Landungsplatz für Boote und Lastkähne bezeichnet. Eine gängigere Darstellung geht davon aus, dass es sich um einen Platz handelte, an dem die Alsterschiffer ihre Boote zur Überwinterung auf den seichten Alsterwiesen an Land zogen.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 134.

Im Jahr 1250 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte Winterhude Anfang des 14. Jahrhunderts den Knappen Marquard und Johannes Stake, die es 1323 an den Hamburger Bürger Johann van dem Berge verpfändet haben. Dessen Witwe verkaufte es 1357 dem Hamburger Bürger Heino mit dem Bogen.„Kleine Liebeserklaerung an Winterhude“ in Hamburger Abendblatt vom 19. August 1950, abgerufen am 25. Dezember 2021. Von dort fiel Winterhude 1365 an das Kloster Harvestehude und blieb auch nach der Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation Besitz der Klosterstiftung, die erst 1830 an die Stadt Hamburg fiel. Kirchlich gehörte Winterhude bis 1922 zur Kirchengemeinde St. Johannis-Eppendorf. Im englisch-dänischen Krieg besetzten die Dänen 1801 das Dorf. 1811 hatte Winterhude erst 238 Einwohner. Als die Franzosen 1813 Winterhude besetzten, drohen sie es abzubrennen.

Winterhude war über Jahrhunderte ein kleines Bauerndorf, das erst Mitte des 19. Jahrhunderts erschlossen wurde. 1841 wurde die erste befahrbare Brücke über die Alster erbaut. Maßgeblich an der Erschließung beteiligt waren im Norden Winterhudes Adolph Sierich, der 1854 einen Hof an der Barmbeker Straße und in den 1860er Jahren den Großteil der Weiden von sechs Hufnern kaufte, und im Süden Julius Gertig, ein Hamburger Lotteriebetreiber vom Großen Burstah, der 1858 das Gehöft Mühlenkamp erwarb. Beide waren Namensgeber für heutzutage bekannte Straßen in Winterhude. 1859 wurde Winterhude mit einer Brücke über den Langen Zug mit der Uhlenhorst verbunden. Aber erst die Aufhebung der Hamburger Torsperre Ende 1860 leitete den Aufschwung Winterhudes ein. Auch die ab den 1860er Jahren im Liniendienst zwischen dem Hamburger Jungfernstieg und Winterhude verkehrenden Alsterdampfer hatten einen Anteil an der Entwicklung. Sie standen anfangs nur in Konkurrenz zu Kutschen und Pferdebahnen und entwickelten sich daher zu einem leistungsfähigen und für damalige Verhältnisse schnellen Nahverkehrsmittel In diesem Zusammenhang wurde 1865 auch das Winterhuder Fährhaus errichtet. 1874 wurde Winterhude zu einem Hamburger Vorort erklärt, die endgültige Eingemeindung fand 1894 statt. Die ersten Industriebauten wurden 1875 errichtet. Die Reismühlenfabrik „Nagel & Kaemp“, die später Hafenkräne herstellte, siedelte sich am Osterbekkanal an. 1982 wurde diese Fabrik zur Kulturfabrik Kampnagel, die insbesondere als Theaterveranstaltungsort über Hamburg hinaus bekannt ist. Nach dem Rückzug der Industrie Mitte der 1970er Jahre wurde Winterhude zu einer beliebten Wohngegend, einige moderne Bürobauten entstanden neu.

Am 1. August 1886 eröffnete die „Rennbahn am Mühlenkamp“ für Trabrennen, die der „Hamburger Renn- und Traber-Club“ betrieb.Sport-Nachrichten. In: Hamburger Nachrichten. 2. August 1886, Abend–Ausgabe, Beilage, S. , Digitalisat Die Bahn in Form eines Ovals hatte eine Länge von 870 m. Diese Länge entsprach in etwa der Hälfte von anderen Trabrennbahnen. Sie lag zwischen dem Mühlenkamp und der heutigen Gertig-, Geibel- und Semperstraße. In der Regel wurden an 4–6 Tagen im Jahr Rennen ausgetragen, 1891 waren es 10. Hier wurden am 4. September 1898 die ersten Deutschen Meisterschaften im Laufen über 100 m ausgetragen. Der Innenraum der Rennbahn wurde ab 1899 von verschiedenen Sportvereinen als Sportplatz genutzt.Hockey. In: Hamburger Nachrichten. 5. Beilage, 4. Juni 1899, S. 22, Digitalisat. Ende des Jahres 1901 wurde der Rennbetrieb eingestellt. Im April 1904 fand auf dem Sportplatz ein Vorrundenspiel um die deutsche Fussball–Meisterschaft zwischen einer Mannschaft aus Hannover und dem „Sport–Club Germania“ statt.Ball-Sport. Fussball–Wettspiele. In: Neue Hamburger Zeitung. 25. April 1904, Abend–Ausgabe, S. , Digitalisat Der SC Germania nutzte den Platz für seine Spiele bis Mitte 1905. Ab 1906 wurden auf diesem Gelände neue Straßen angelegt und Häuser gebaut.

Statistik Anteil der unter 18-Jährigen: 13,8 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)]Minderjährigenquote in den Hamburger Stadtteilen 2023 Anteil der über 64-Jährigen: 13,9 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)]Anteil der 65-Jährigen und Älteren in den Hamburger Stadtteilen 2023 Ausländeranteil: 15,4 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)]Ausländeranteil in den Hamburger Stadtteilen 2023 Arbeitslosenquote: 4,6 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]Arbeitslosenquote in den Hamburger Stadtteilen 2023

Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Winterhude 61.256 Euro jährlich (2023), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023

Politik Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Winterhude zum Wahlkreis Eppendorf – Winterhude. Bei Wahlen zur Bezirksversammlung Hamburg-Nord bildet der Großteil des Stadtteils den Wahlkreis Winterhude, während ein kleinerer Teil an der Alster zum Wahlkreis Eppendorf / Hoheluft-Ost gehört. Bei Bundestagswahlen zählt Winterhude zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Nord.

Wahlergebnisse Bürgerschaftswahl

Wahljahr SPD Grüne1) CDU Linke2) AfD FDP Übrige202530,7 %26,0 %19,5 %9,8 %3,8 %3,3 %6,9 %202034,3 %33,5 %8,9 %8,8 %2,7 %5,7 %6,3 %201543,8 %16,7 %14,2 %8,6 %3,8 %8,6 %4,3 %201147,9 %16,0 %17,8 %5,7 % –7,5 %5,1 %200834,0 %13,8 %40,2 %5,1 % –5,1 %1,8 %200431,6 %18,2 %42,4 % – –3,0 %4,8 %200140,2 %13,9 %23,2 %0,4 % –6,3 %16,0 %3)199735,3 %22,3 %26,3 %0,7 % –4,0 %11,4 %199340,2 %19,9 %21,4 % – –4,9 %13,6 %4)199147,9 %12,5 %29,6 %0,7 % –6,0 %3,3 %198746,7 %11,3 %34,6 % – –6,4 %1,0 %198640,6 %15,9 %37,2 % – –5,4 %0,9 %Dez. 198250,2 %9,7 %36,5 % – –2,8 %0,8 %Juni 198242,2 %10,6 %40,2 % – –5,1 %1,9 %197849,6 %4,9 %37,0 % – –5,5 %3,0 %197443,0 % –42,1 % – –11,0 %3,9 %197053,4 % –34,4 % – –7,2 %5,0 %196655,4 % –32,0 % – –8,2 %4,4 %

1) 1978 als Bunte Liste – Wehrt Euch, 1982 bis 2011 als Grüne/GAL. 2) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste, 2001 als PDS. 3) Darunter 12,3 % für die Schill-Partei. 4) Darunter 5,8 % für die Statt Partei.

Verkehr U-Bahn mini|U-Bahn-Station Borgweg mini|U-Bahn-Station Saarlandstraße mini|U-Bahn-Station Sierichstraße

Der Stadtteil wird von den U-Bahn-Stationen Sierichstraße, Borgweg und Saarlandstraße (U3) sowie Hudtwalckerstraße und Lattenkamp (U1) erschlossen. Wenige Meter von der Grenze nach Winterhude entfernt liegen außerdem die U-Bahnhöfe Alsterdorf und Sengelmannstraße der Linie U1 sowie die Stationen Alte Wöhr und Rübenkamp der S-Bahn-Linie S1. Obwohl U-Bahn genannt, fahren in Winterhude alle Linien von U- und S-Bahn oberirdisch.

Daneben war für die 1970er Jahre der Bau einer U-Bahn-Linie U4 vorgesehen, die den östlichen Teils Winterhudes von Nord nach Süd durchquert hätte. Neue U-Bahnhöfe sollten am südlichen Rand der City Nord, am Borgweg (Umstieg zur U3) sowie am südlichen Rand von Winterhude nahe Kampnagel entstehen. Trotz einiger Vorleistungen (zweiter Bahnsteig und Vorbereitung der Ausfädelung an der Station Sengelmannstraße) für die damalige U4 stoppte der Hamburger Senat den weiteren Bau im Jahr 1974. Inzwischen ist die Planung dieser U-Bahn-Strecke als Linie U5 wieder aktuell.

Busse