Liebenbergit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silicate und Germanate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Ni2[SiO4] und ist damit chemisch gesehen ein Dinickelorthosilicat. Strukturell gehört Liebenbergit zu den Inselsilikaten (Nesosilikaten).
Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und findet sich ausschließlich in Form gelblichgrüner, körniger Mineral-Aggregate bis etwa einem Millimeter Durchmesser oder als Fugenfüllung zwischen Trevorit-Körnern. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind typischerweise von olivgrüner bis gelblichgrüner Farbe. In dünnen Schichten kann Liebengergit aber auch farblos bis hellgrün sein. Seine Strichfarbe ist dagegen immer weiß.
Etymologie und Geschichte Erstmals entdeckt wurde der Liebenbergit 1973 in der „Scotia Talk Mine“ bei Barberton in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga. Analysiert und wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral durch Sybrand A. de Waal und Lewis C. Calk, die das Mineral nach William Roland Liebenberg (1919–1988), dem stellvertretenden Generaldirektor des Nationalinstituts für Metallurgie von Südafrika, benannten.
Typmaterial des Minerals wird in Kanada im Royal Ontario Museum in Toronto unter der Katalog-Nr. M33443 sowie in den USA in der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) unter der Katalog-Nr. 133404 und im National Museum of Natural History in Washington D.C. unter der Katalog-Nr. 132463 aufbewahrt.
Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Liebenbergit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/A.04-040. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate mit [SiO4]-Gruppen“, wo Liebenbergit zusammen mit Fayalit, Forsterit, Laihunit und Tephroit die „Olivingruppe“ mit der Systemnummer VIII/A.04 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Liebenbergit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne zusätzliche Anionen; Kationen in oktaedrischer er-Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Fayalit, Forsterit, Glaukochroit, Kirschsteinit, Laihunit und Tephroit die „Olivingruppe“ mit der Systemnummer 9.AC.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Liebenbergit die System- und Mineralnummer 51.03.01.03. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Insulare (SiO4) Gruppen“. Hier findet er sich in der „Olivingruppe“, in der auch Fayalit, Forsterit, Tephroit und Laihunit eingeordnet sind.
Chemismus Die idealisierte Formel für Liebenbergit Ni2[SiO4], allerdings enthielten die von de Waal und Calk analysierten Proben als Fremdbeimengungen von Magnesium, Cobalt und Eisen. Die tatsächliche Formel des Typminerals wird daher mit (Ni1,25Mg0,33Co0,05Fe0,12)Si0,99O4 angegeben. Da alle Kationen zusammen einen Gewichts-%-Anteil von 1,75 % ausmachen, kann die gerundete Formel auch mit (Ni,Mg,Co,Fe)2SiO4 angegeben werden.
Einer neueren Studie von S. Akimoto, Y. Matsui und Y. Syono aus dem Jahre 1976 zufolge besteht eine vollständige Löslichkeit zwischen dem nickelreichen und dem magnesiumreichen Endglied der Olivingruppe, entsprechend Ni2SiO4 (= Liebenbergit) und Mg2SiO4 (= Forsterit). Entsprechend wird die Mischkristallformel auch mit (Ni,Mg)2SiO4 angegeben.
Kristallstruktur Liebenbergit kristallisiert orthorhombisch in der mit den Gitterparametern a = 4,73 Å; b = 10,19 Å und c = 5,95 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Bildung und Fundorte Liebenbergit bildet sich durch Kontaktmetamorphose in kleinen Nickel-Lagerstätten in der Kontaktzone zwischen Quarzit und serpentinisierten Ultramafiten bei etwa 730 °C und einem Druck von knapp 2 kbar oder in nickelreichen Meteoriten.
Neben seiner Typlokalität, der „Scotia Talk Mine“ in Mpumalanga trat das Mineral in Südafrika noch am Morokweng-Krater in der Provinz Nordwest auf.
In Deutschland konnte das Mineral bisher nur in der Kochhütte (August-Bebel-Hütte) bei Helbra und am Lichtloch 25 in der Kupfer-Silberhütte „Gottesbelohnung“ bei Hettstedt in Sachsen-Anhalt gefunden.
Der einzige weitere bekannte Fundort liegt in der griechischen Region Attika, wo das Mineral auf Schlackenhalden bei Agios Konstantinos (Kamariza) in der Gemeinde Lavrio entdeckt wurde.
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Hans Annersten, Tore Ericsson. Anestis Filippidis: Cation ordering in Ni-Fe olivines In: American Mineralogist Band 67, 1982, S. 1212–1217 (PDF 517,2 kB)
Sybrand A. de Waal, Lewis C. Calk: Nickel Minerals from Barberton, South Africa: VI. Liebenbergite, a Nickel Olivine. In: American Mineralogist Band 58 (1973), S. 734 (PDF 307 kB) Fundortliste für Liebenbergit beim Mineralienatlas und bei Mindat
Kategorie:Anerkanntes Mineral Kategorie:Orthorhombisches Kristallsystem Kategorie:Inselsilikate (Strunz) Kategorie:Nickelmineral Kategorie:Siliciummineral