Stadtaffe ist das Debütalbum des Berliner Musikers Peter Fox, Mitglied der Dancehall-Band Seeed. Veröffentlicht wurde es am 26. September 2008 vom Musiklabel Downbeat Records. Der Klang des Albums wird durch Streich- und Perkussionsinstrumente dominiert. Fox’ Texte drehen sich überwiegend um die eigene Reflexion und das Leben in seiner Heimatstadt.
Stadtaffe erwies sich sowohl in kommerzieller als auch in künstlerischer Hinsicht als Erfolg. Das Album erreichte Platz eins der deutschen und österreichischen Charts, insgesamt drei Singles waren in den Top 10 vertreten und auch im näheren europäischen Ausland erfolgreich. Von den meisten Kritikern wurde Stadtaffe überschwänglich gelobt, führende Medien analysierten das Album vor allem inhaltlich detailliert.
Aufgrund der unerwartet hohen Aufmerksamkeit, die Stadtaffe und damit auch er selbst erhielten, plante Fox zunächst, voraussichtlich kein weiteres Soloalbum zu veröffentlichen.RP Online: „Peter Fox will Solo-Karriere beenden“, 6. Juli 2009 (abgerufen am 4. Januar 2010)Welt Online: „Seeed-Sänger Peter Fox beendet Solo-Karriere“, 8. Juli 2009 (abgerufen am 9. Januar 2010) Der Nachfolger Love Songs erschien erst vierzehneinhalb Jahre später.
Entstehung mini|hochkant|Peter Fox bei einem Auftritt, 2009 Peter Fox hatte ursprünglich geplant, während der Pause, die Seeed ab Ende 2007 einlegte, ein Album für einen anderen Künstler zu produzieren. Sein Wunschpartner CeeLo Green, der bereits 2005 an der Seeed-Single Aufstehn! mitwirkte, war aber aufgrund des unerwarteten Erfolges mit Gnarls Barkley nicht mehr abkömmlich. Andere Sänger stellten Fox nicht zufrieden, daher nahm er, „aus der Not heraus“,Juice, Ausgabe Oktober 2008, Seite 64 zusammen mit dem aus DJ Illvibe und David „Monk“ Conen bestehenden Produzentenduo The Krauts ein eigenes Album auf. Sein Anspruch war dabei „mit deutscher Sprache eine Pop-Platte zu machen, die in allen Belangen cool ist“ und „im Seeed-Kontext nicht möglich gewesen wäre“. Dafür arbeitete er mit dem 40-köpfigen Babelsberger Filmorchester zusammen. Dessen musikalische Umsetzung orientierte sich an den vom Arrangeur Gunter Papperitz in Partitur notierten Melodien der drei Produzenten – als Inspiration dienten „auch hunderte von alten Platten“ – und baute auf Fox’ vorher in einer dreiwöchigen Session in Avignon (Frankreich) mit zwei Schlagzeugern produzierten Beats auf.Myspace: , 30. Januar 2008 (abgerufen am 4. Januar 2010)peterfox.de: (abgerufen am 4. Januar 2010)Focus Online: „Ich mache tanzbare Filmmusik“, 4. Oktober 2008 (abgerufen am 4. Januar 2010) Die Texte schrieb Peter Fox zusammen mit seinem Freund und Produzenten Daffy alias David Conen zumeist, nachdem die Musik des jeweiligen Stückes bereits fertig produziert war – allerdings nicht in linearer Abfolge, sondern teilweise durcheinander. Viele der Texte beendeten Fox und Conen in einem Biergarten oder auf einer Mauer des Landwehrkanals am Paul-Lincke-Ufer.de.redbulletin.com: , 8. Oktober 2008 (abgerufen am 9. Januar 2010)
Nachdem die Arbeiten am Album bereits im Oktober 2006 begonnen hatten, war seit November 2007 das Stück Fieber, eine Kollaboration mit der Berliner Hip-Hop-Gruppe K.I.Z, als Download erhältlich. Zu dem Zeitpunkt war die Veröffentlichung von Stadtaffe für Anfang 2008 geplant. Die Produktionskosten in Höhe von 150.000 bis 170.000 Euro übernahm Fox selbst, das fertige Produkt verkaufte er nach einem Jahr Arbeit im Tonstudio dann schließlich seiner Plattenfirma Warner. Noch zwei Wochen vor der Veröffentlichung des Albums im September 2008 lautete der Arbeitstitel „Hunde, Tauben und Stadtaffen“. Dieser hätte sich aus den auf dem Album angesprochenen Themen ergeben.laut.de: „Das Alte radikal zerstören!“, 14. August 2008 (abgerufen am 4. Januar 2010)
Abgemischt wurde Stadtaffe größtenteils von Olsen Olic sowie von Peter Fox und Peter Schmidt; das Mastering wurde von Sascha „Busy“ Bühren, der unter anderem auch mit Silbermond und Curse zusammenarbeitete, bewerkstelligt.Booklet des Albums
Affenmotiv Das von Peter Fox für das Album gewählte Motiv des Affen lässt sich in sämtlichen Belangen des Werkes finden. Im Song Stadtaffe wird eine „Stadt voller Affen“ beschrieben. Optisch realisiert wurde diese erstmals in für MTV zu Promotionzwecken gedrehten Videos,MySpace: (abgerufen am 4. Januar 2010) später dann im Artwork des Albums sowie in den Musikvideos zu den Stücken Alles neu und Schwarz zu blau. Auch bei öffentlichen Auftritten trugen einige von Fox’ Mitmusikern gelegentlich Affenmasken. Einen Preis bei der Cometverleihung 2009 nahm er per Videobotschaft ebenfalls mit Maske und affenähnlicher Gestik entgegen.
Den Begriff „Stadtaffe“ bezieht Peter Fox auf Menschen in seinem Alter, die „nicht mehr Teenie, aber immer noch mehr jung als alt“ seien und sich „oft ganz schön affig“ benehmen. Dieses „affige“ Benehmen äußere sich etwa in der Widersprüchlichkeit ihrer Handlungen: Stadtaffen seien „Menschen, die vom Lärm genervt sind, aber selber Krach machen. Leute, die der Dreck nervt und die selbst Sachen auf die Straße schmeißen.“Spiegel Online: „Pop: Krise? Welche Krise?“, 11. April 2009 (abgerufen am 4. Januar 2010) Er selbst bezeichnet sich aufgrund seiner Affinität zu Berlin als „Großstadtaffe“.
Gestaltung mini|Das Kottbusser Tor ist auf dem Cover von Stadtaffe zu sehen. Das visuelle Konzept von Stadtaffe und seine Ausgestaltung übernahm die Berliner Designfirma Gestalten. Ihr erklärtes Ziel war es, „ein emotionales und authentisches Artwork zu schaffen, das den Geist Berlins hervorruft“ („create an emotional and authentic artwork that breeds the spirit of Berlin“).gestalten.com: , 18. Februar 2009 (abgerufen am 4. Januar 2010) Dazu arbeitete sie mit den Fotografen Erik Weiss und Felix Broede zusammen, die die im Booklet zu sehenden Bilder machten. Dieses ist fast durchgängig schwarz-weiß in Verbindung mit Neongrüntönen gehalten und zeigt den Musiker in seiner Heimatstadt.
Auf dem Cover steht Peter Fox mittig in Geschäftskleidung. Rechts von ihm steht ein Antennenmast; auf der linken Seite ist das Kottbusser Tor zu sehen, in dessen Nähe er wohnt. Das dort herrschende Klima beschreibt Fox als „ziemlich herb“. Der „Kotti“ taucht auch im Song Schwarz zu blau auf.
Musik Musikalisch basiert Stadtaffe auf einem Konzept, das das Album, wenn auch nicht dogmatisch, vom Klang der Seeed-Alben abgrenzt, aber auch vom musikalischen Mainstream. Peter Fox vermischt dabei Merkmale von Hip-Hop, Dancehall und Klassik, er selbst kategorisiert die Musik schlicht als Pop. Ein hervorgehobener Rhythmus verbindet sich auf dem Album mit orchestraler Instrumentierung, die zumeist aber eher dezent eingesetzt wird. Fox’ eigene Beschreibung des Sounds als „Filmmusik zum Tanzen“ wurde von der Presse häufig aufgegriffen.Juice, Ausgabe Januar/Februar 2008, Seite 271 Live: „Filmmusik zum Tanzen“, 30. September 2008 (abgerufen am 4. Januar 2010)
Fox komponierte die Musik zusammen mit The Krauts, an einigen Stücken wirkten darüber hinaus Ruth-Maria Renner alias Miss Platnum und Grace Risch mit. Neben dem Schlagzeug und den Blechblas- und Streichinstrumenten des Babelsberger Filmorchesters wurden bei den Aufnahmen Keyboards, Gitarren, eine Posaune und eine Trompete verwendet. Einige Instrumente spielte Peter Fox selbst ein. Das Streicherarrangement des Songs Alles neu entstammt den Takten vor und nach Übeziffer 177 des 4. Satzes der 7. Sinfonie des russischen Komponisten Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch. Für das Lied Schüttel deinen Speck sampleten die Produzenten einen Ausschnitt aus dem von Nacio Herb Brown und Arthur Freed geschriebenen Lied Temptation in der Version des Blues-Sängers Screamin’ Jay Hawkins. Die Horn-Sektion des Stückes stammt von Oliver Oltersdorf, Patrick Braun, Simon Harrer, Iven Hausmann, Nikolaus Neuser, Jörg Huke und Martin Gerwig.
Titelliste* Alles neu (Shostakovitch) – 4:18 Schwarz zu blau (Dreckiges B) – 3:35 Haus am See (Saint Tropez) – 3:36 Kopf verloren (Kafka) – 3:21 Das zweite Gesicht (Der Butcher) – 3:53 Der letzte Tag (Hanaan) – 3:42 Ich Steine, du Steine (Süd Pazifik) – 3:16 Lok auf 2 Beinen (Kleopatra) – 3:44 Stadtaffe (King Kong) – 3:39 Fieber (Sumpf) – 3:32 Schüttel deinen Speck (Speck) – 2:51 Zucker (Gold) – 3:13 – mit Vanessa Mason in Klammern der Name der jeweiligen Instrumentalversion
Neben den Originalversionen wurden auch die Instrumentals der Stücke von Stadtaffe veröffentlicht. Deren Titel unterscheiden sich erheblich von den Originalnamen (siehe Tabelle rechts). Die Instrumentals von Das zweite Gesicht und Der letzte Tag wurden auf einer exklusiv von amazon.de vertriebenen Sonderedition des Albums veröffentlicht. Bei einer Deluxe-Version des Albums, die über ein Jahr später erschien, befinden sich auf einer CD alle Instrumentals.
Lyrik Texte Den Texten räumte Fox bei der Arbeit an Stadtaffe einen hohen Stellenwert ein, da er seine seines Erachtens durchschnittlichen Gesangsqualitäten inhaltlich kaschieren wollte. Zudem sah er in den Texten, in Ermangelung einer fesselnden Stimme, die einzige Möglichkeit, Emotionen beim Zuhörer erzeugen zu können. Sein Ziel war es, dass „die Texte gut fließen, inhaltlich ansprechend und treffend gereimt […], aber trotzdem angenehm simpel gehalten [sind]“. Auch dass die meisten Stücke eher kurz seien, läge an ihrer Textbezogenheit, die den Zuhörer aber nicht langweilen solle. Inhaltlich richteten sich die meisten Stücke an eine Zuhörerschaft in Fox’ Alter. Verglichen mit seiner Anfangszeit bei Seeed sieht Peter Fox in den Texten auf Stadtaffe eine deutliche positive Entwicklung. Das Schreiben mit Conen habe allerdings „ewig“ gedauert.
Viele der Stücke beschäftigen sich inhaltlich mit Peter Fox’ Heimatstadt Berlin, im Grunde könne aber jede größere Stadt gemeint sein.sputnik.de: (abgerufen am 4. Januar 2010) Besonders deutlich geschieht dies in Schwarz zu blau: In dem Stück beschreibt der Protagonist seine Beobachtungen auf dem Heimweg nach einer durchzechten Nacht und zeigt dabei vor allem die negativen Seiten Berlins auf. Die Menschen benähmen sich schlecht und blieben für sich, außerdem sei die Stadt dreckig und unansehnlich („Siehst nicht mal schön von Weitem aus“). Dies sei insbesondere für Kinder schlecht. Allerdings brauche er die Stadt „zum Atmen“, ob er wolle oder nicht.
Ein anderes wichtiges Element, das Fox auf Stadtaffe verarbeitet, ist die Selbstreflexion. In Alles neu beschreibt er einen „Prozess des Häutens“, der ihn dazu treibe, immer neue Dinge zu probieren und nicht in alten, schlechten Gewohnheiten zu verharren. Beispielsweise wolle er nie wieder lügen oder kiffen. Das Motiv des Getriebenseins findet sich auch in Kopf verloren und Lok auf 2 Beinen wieder. In letzterem Song beschreibt der Protagonist seinen inneren Drang, immer in Bewegung sein zu müssen und neue Taten zu vollbringen, anstatt sich einmal ausschließlich um sich selbst zu kümmern („Das Rad muss sich drehen, also dreh ich am Rad“).
Den Gegensatz dazu bildet Haus am See: Das Stück beschreibt ein sesshaftes Leben in einem Familienidyll, nach dem sich der Protagonist sehnt („Ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön/Alle kommen vorbei, ich brauch nie rauszugehen“).
Der Song Das zweite Gesicht beschreibt den Kampf zwischen Gut und Böse, der in jedem Menschen stattfinde. Dabei breche das Böse immer wieder aus, auch wenn es das ganze Leben über („Vom Laufstall bis ins Grab“) unterdrückt werde.
Ich Steine, Du Steine ist die einzige Ballade auf dem Album. Fox singt über eine zum Scheitern verurteilte Beziehung, in der der Protagonist nicht ohne die betreffende Person auskommt, aber auch nicht mit ihr.
Fieber lässt sich als Stück gegen die globale Erwärmung interpretieren. Es beschreibt ein Szenario von unerträglicher Hitze in Berlin. Die Zeile „Wir haben's verzockt, verbockt, der Doktor kommt zu spät“ weist dabei auf eine Mitschuld der Menschen hin.