mini|Lucky Luciano, Foto aus den 1930er Jahrenrahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image| Unterschrift Charles „Lucky“ Luciano, eigentlich Salvatore Lucania (* 24. November 1897 in Lercara Friddi auf Sizilien; † 26. Januar 1962 in Neapel), war ein italoamerikanischer Mobster.
In den 1920er Jahren, während der Prohibition in den Vereinigten Staaten, stieg er mit Alkoholschmuggel, Prostitution, Drogenhandel und Glücksspiel zu einem der Bosse der US-amerikanischen Mafia auf. Luciano errichtete innerhalb dieser 1931 das sogenannte National Crime Syndicate, angeführt von der sogenannten Kommission, einem Gremium in der Art eines Aufsichtsrats in Unternehmen, das das organisierte Verbrechen in den gesamten USA koordinierte und mindestens bis Mitte der 1980er Jahre existierte.
1936 wurde er vor Gericht gestellt und wegen Förderung der Prostitution zu mindestens 30 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ab 1942 setzte er sich, mutmaßlich im Auftrag der US-Regierung, für Sicherheit in den Häfen der Ostküste ein, in denen es zuvor zu Sabotage gekommen war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er wegen seiner „Verdienste um das amerikanische Volk“ vorzeitig aus der Haft entlassen – aber nach Italien abgeschoben. Er war mutmaßlich auch von dort aus noch Jahrzehnte lang in den internationalen Drogenhandel verwickelt.
Das Nachrichtenmagazin Time listet ihn in der Time 100: Most Important People of the Century auf und zählt ihn zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er ist dabei als einer von 20 Vertretern der Kategorie „Macher und Titanen“ aufgeführt. von Edna Buchanan auf time.com (englisch)
Leben
Frühe Jahre Salvatore Lucania wurde als Sohn von Antonio und Rosalia Lucania (geb. Cafarella) im etwa 25 km östlich von Corleone auf Sizilien gelegenen Dorf Lercara Friddi geboren, das für seinen Schwefel-Abbau bekannt war. Er hatte zwei Brüder (Bartolomeo, * 1890, und Giuseppe, * 1898) und zwei jüngere Schwestern (Filippia, * 1901, und Concetta, * 1903). Im November 1906 wanderte die Familie in die USA aus. Bei der Ankunft in Ellis Island wurden bei Salvatore die Pocken diagnostiziert; die zurückbleibenden Narben im Gesicht zeichneten ihn fürs Leben. Die Familie siedelte sich in New York City in der Lower East Side, einem überwiegend von Juden bewohnten Viertel, an.
Bereits im Folgejahr 1907 wurde Luciano wegen Ladendiebstahls festgenommen. Danach soll er bereits Schutzgeld von Schülern eingetrieben haben. Wer nicht täglich ein oder zwei Cent zahlte, wurde zusammengeschlagen. Hier ist auch die erste, heute als zweifelhaft geltende Anekdote über Luciano angesiedelt. Demnach soll er sich mit Meyer Lansky deshalb angefreundet haben, weil dieser sich weigerte, zu bezahlen, und in Folge einen guten Kampf abgeliefert haben soll. Jedenfalls stammen aus dieser Zeit die freundschaftlichen Kontakte zwischen Luciano, Meyer Lansky und dessen Freund Dutch Schultz.
Im Alter von 14 Jahren gewann er in einer Spielhalle überraschend 244 US-Dollar und war darüber so glücklich, dass er sich den Beinamen „Lucky“ (engl. der Glückliche) zulegte; so die erste These zur Entstehung seines Spitznamens.Dieter Sinn: Das große Verbrecher-Lexikon. Lizenzausgabe 1984. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH. S. 188f. ISBN 3-88199-146-8. 1911 wurde er wegen Schulverweigerung für vier Monate in eine Besserungsanstalt in Brooklyn eingewiesen. Er lernte Frank Costello 1915 in derselben Nacht kennen, als er mit seiner Gang wegen Rowdytums aus einem Theater geworfen worden war. 1916 wurde Luciano zu sechs Monaten verurteilt, da er mit Heroin und Morphin gehandelt hatte; er verbüßte sie in der Haftanstalt Hampton Farms. Nach der Freilassung schloss er sich mit seinem Freund Frank Costello der Five Points Gang an. Dort lernte er u. a. Al Capone, Frankie Yale und Johnny Torrio kennen. Um seiner Familie die Schande zu ersparen, wechselte er seinen Vornamen von Salvatore zu Charles.
1917 sollte Luciano zum Militärdienst eingezogen werden, um im Ersten Weltkrieg in der US Army zu kämpfen, entzog sich der Einberufung aber durch eine absichtliche Infektion mit Chlamydien.
Kriminelle Karriere Obwohl Luciano – wie Costello – Mitglied in der italienischen Five Points Gang war, die sich mit der Eastman Gang spektakuläre Massenschießereien geliefert hatte, unterhielten sie weiterhin Kontakt zu Lansky, der mit Bugsy Siegel inzwischen als „Bugs and Meyer Mob“ bekannt geworden war. Allerdings ging das klassische Bandenwesen in New York City ohnehin seinem Ende entgegen, und in den zunächst ethnisch orientierten Banden hatten sich bereits übergreifende Zusammenarbeiten angedeutet.
Als Capo di tutti i capi (it.: Boss aller Bosse) über die sizilianischen Gangster von New York kann zum damaligen Zeitpunkt Joe „The Boss“ Masseria angesehen werden. Er hatte sich innerhalb der Morello-Familie, des Vorläufers der späteren Genovese-Familie, als Oberhaupt durchgesetzt, und sogar der aus der Haft entlassene Peter Morello hatte sich ihm untergeordnet. Auch Luciano war diesen Machtverhältnissen unterworfen. Er war 1920 Fahrer und Leibwächter von Masseria geworden und hatte diesen bei der Vorherrschaft im Morello-Terranova-Clan tatkräftig unterstützt: Luciano gilt als mutmaßlicher Mörder von Umberto Valenti, der am 11. August 1922 ermordet wurde. auf www.onewal.com (englisch)
Im Gegensatz zur Mafia auf Sizilien besaß die amerikanische Cosa Nostra nicht das illegale „Gewaltmonopol“, sondern konkurrierte und kooperierte zwangsläufig mit anderen Gruppen. Zwar agierte Luciano nach der Einführung der Alkoholprohibition im Januar 1920 zunächst als unabhängiger Schmuggler, wodurch er u. a. Vito Genovese und Joe Adonis kennenlernte, aber letztlich wurde die Organisation des illegalen Alkoholhandels durch organisierte Banden abgewickelt und nicht durch Einzelpersonen. Im Stadtgebiet von New York City beherrschten die US-amerikanische Cosa Nostra 25 % und sogenannte Kosher Nostras 70 % des Schwarzmarktes;John Dickie: Cosa Nostra: Die Geschichte der Mafia, Frankfurt a. M. 2006, Fischer Verlag, S. 265, 265, 273ff, 279ff, 291ff, 351, 358, 362ff, 381ff, 419. ISBN 978-3-596-17106-4. den Rest teilten sich Iren und andere Gruppierungen.
Als Mentor von Luciano fungierte Arnold Rothstein; den Kontakt hatte Frank Costello hergestellt. Die ethnisch gemischte Gruppierung wurde auch als Broadway Mob bezeichnet, der bei dem überregional organisierten Alkoholschmuggel ein Teil der Seven Group war. Bereits im Jahr 1925 soll Luciano ein Jahreseinkommen von rund 300.000 US-Dollar erzielt haben, was ihn in die Lage versetzte, Politiker wie Big Bill Dwyer zu bestechen. Frank Costello fungierte, obwohl älter, als sein zweiter Mann.
Krieg von Castellammare Die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in New York City gingen weiter. Salvatore Maranzano war mit mehreren Männern von Sizilien entsandt worden, um für Don Vito Cascio Ferro die Kontrolle der US-amerikanischen Cosa Nostra zu übernehmen. Maranzano gewann die Unterstützung der ansässigen Leute aus Castellammare del Golfo, weshalb die Auseinandersetzung mit Masseria als der „Krieg von Castellammare“ bekannt wurde.
Am 16. Oktober 1929 wurde Luciano von drei bewaffneten Männern entführt, zusammengeschlagen, niedergestochen und, an einen Balken gefesselt, in einem verlassenen Lagerhaus auf Staten Island zurückgelassen. Er überlebte nur knapp, konnte sich selbst befreien und bis zum Hylan Boulevard schleppen, wo man ihn fand. Die Polizei soll dies als „glücklich“ bezeichnet haben, woraus die zweite These für das Entstehen seines Beinamens „Lucky“ hergeleitet werden kann. Zu seinen Pockennarben kamen nun solche von den Messerstichen. Über seinen Freund Meyer Lansky erfuhr er, dass nicht Maranzano, sondern Joe Masseria den Mordauftrag gegeben hatte. Masseria war ein „Mustache Pete“ der alten Schule. Die Auffassungen zwischen den alten „Greaseballs“ (engl. Fettklöße), wie Personen wie Masseria auch genannt wurden, und den „Young Turks“ (engl. für Jungtürken) wie Lucky Luciano klafften weit auseinander. Allein schon die Zusammenarbeit von Luciano mit dem Nicht-Sizilianer Frank Costello, einem Mann aus Kalabrien, dürfte Masseria suspekt gewesen sein. Offenbar wollte sich Masseria eines – aus seiner Sicht – potenziellen Risikos entledigen. Allerdings hält sich bis heute auch die ursprüngliche These, Maranzano sei der Anstifter gewesen.Lucky Luciano auf www.italien-inseln.de
Am 15. August 1930 wurde Peter Morello, ein wichtiger Mann Masserias, ermordet; im dadurch offenkundigen Konflikt wechselte Luciano auf die Seite von Maranzano. Am 15. April 1931 wurde Masseria in Scarpato's Restaurant auf Coney Island erschossen. Nach einer heute als Legende bezeichneten Version handelte es sich um ein Treffen zwischen Luciano und Masseria. Demnach befand sich Luciano gerade im Waschraum, als vier Männer, angeblich Albert Anastasia, Joe Adonis, Bugsy Siegel und Vito Genovese, die Tat verübten. Der Fluchtfahrer soll Ciro Terranova gewesen sein.Martin A. Gosch, Richard Hammer: Last Testament of Lucky Luciano. Dell Pub Co. Reissue Edition Juni 1981. ISBN 0-440-14705-0.
Die Verantwortung seiner Organisation für den Mord an Maranzano am 10. September 1931 gilt dagegen als unstrittig. Als dieser Luciano, Genovese, Costello und Al Capone schnell ausschalten wollte, um endlich selbst „Capo di tutti i capi“ zu werden, bediente sich Luciano seines Kontaktes zu Meyer Lansky. Vier Männer Lanskys kamen als Steuerfahnder verkleidet in Maranzanos Büro und töteten ihn.
National Crime Syndicate Auch auf Sizilien hatte es schon immer Absprachen zwischen verschiedenen Clans der Mafia gegeben. Überlegungen einer allgemeinen Ordnung in den USA waren bereits durch Johnny Torrio entwickelt worden, den Luciano noch als Mitglied der Five Points Gang kannte, bevor dieser nach Chicago gegangen war. Auch Maranzano war letztlich mit entsprechenden Vorstellungen aus Sizilien gekommen. Allerdings wollte dieser die Fünf Familien von New York und das Chicago Outfit unter seine Herrschaft als Oberboss bringen, während Meyer Lansky und Luciano, auf Ratschlag von Torrio, ein modernes kooperatives Führungssystem, wie in der legalen Wirtschaft auch, vorschwebte.
In dem National Crime Syndicate waren neben den Italienern auch Kosher Nostras vertreten; an die Stelle eines Oberhauptes trat ein Exekutiv-Ausschuss der Familienbosse, die „Commission“, der auch Meyer Lansky angehörte, und in der Luciano als eine Art Vorstandsvorsitzender fungierte. Blutige Familienkriege konnte diese Organisationsform zwar auch nicht verhindern, aber diese Konflikte wurden dadurch in der Regel eingedämmt.
Durch diesen Frieden wurde auch die öffentliche Aufmerksamkeit reduziert, die durch Bandenkriege aufgeschreckt wurde und den Fahndungsdruck der Polizei auf das Organisierte Verbrechen bisher immer erhöht hatte, was z. B. in der Vergangenheit letztlich zur Inhaftierung von Monk Eastman geführt hatte. Geschützt durch korrupte Politiker, Richter und Polizisten würden die Familien des „National Crime Syndicate“ praktisch ungestört ihren Geschäften nachgehen können; zumindest war das die Vorstellung von Lansky und Luciano.
Die Verurteilung