Um die Struktur des heutigen Feuerwehrwesens in Österreich besser zu verstehen, ist es notwendig, einen Blick in die Vorzeit der Feuerwehr auf heutigem Staatsgebiet, sowie auf die Feuerwehr in Altösterreich insgesamt zu werfen. Unabhängiger davon entwickelte sich das Feuerwehrwesen im ungarischen Teil der Monarchie, in Transleithanien.
Feuerlöschwesen von der Antike bis in die Neuzeit Das Feuerlöschwesen ist auf dem Gebiet des Kaisertums Österreich schon lange vor der Existenz von organisierten Feuerwehren in der heutigen Form nachweisbar. So fand man in Carnuntum einen Stein aus dem Jahr 150 n. Chr., dessen Aufschrift das Vorhandensein einer Löschtruppe beweist. Ähnliches, wenn auch etwas jünger, fand man in Flavia Solva und Vindobona. Während man hier schon von einer Form der Organisation sprechen kann, verloren sich die Institutionen wieder und im Mittelalter gab es nur unorganisierte Nachbarschaftshilfe. Erst mit dem späteren Mittelalter gab es die ersten Feuerlöschordnungen. Aus Wien kennt man die ältesten aus 1221, aus Enns von 1222. Für Bozen erließ Herzog Sigismund von Tirol-Österreich detaillierte städtische Feuerlöschordnungen in den Jahren 1461 und 1470.Franz Huter: Das ältere Bozner Feuerlöschwesen bis zur Einführung der Feuerspritze. In: Tiroler Heimat, N.F. 2 (1929), S. 127–143. Mit Beginn der Neuzeit wurden Brandbekämpfungsaufgaben in den Städten den Zünften übertragen. Geregelt wurde es von den Städten oder der Grundherrschaft. So wurden Turmwächter eingesetzt, um die Früherkennung und Alarmierung durchzuführen. Hausherren waren zur Vorhaltung von Löschgeräten verpflichtet.
Als ersten ständigen Brandwachdienst kann man die vier Feuerknechte der Stadt Wien, die 1685, knapp nach der Zweiten Türkenbelagerung, eingeführt wurden, bezeichnen. 1688 wurde von Kaiser Leopold I. für Wien bereits eine Erneuerte Leopoldinische Feuerordnung erlassen, in der er eine vierteljährliche Überprüfung und Feuerbeschau der Gebäude vorschrieb.
mini|Landfahrspritze aus dem Jahr 1786 aus Perchtoldsdorf Im Jahr 1722 erließ Kaiser Karl VI. die Löschordnung für das Herzogtum Steiermark und die innerösterreichischen Lande. Während die Theresianische Feuerordnung sich wieder hauptsächlich auf Wien bezog, gab ihr Sohn Joseph II. 1782 die Josephinische Feuerordnung für die Landstädte und für das offene Land in Niederösterreich heraus, die später auch für alle Kronländer galt.
Aber nach wie vor war das Löschwesen eine Verpflichtung der Bürger und Handwerker, die weder eine Ausbildung noch eine besondere Motivation zur Brandbekämpfung hatten.
Erst im 19. Jahrhundert kam es vorerst nach den Franzosenkriegen und später durch verschiedene politische und soziale Entwicklungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zur Entwicklung von organisierten Feuerwehren in größeren Rahmen.
Feuerwehrgründungszeit im 19. Jahrhundert
In den 1840er Jahren organisierten sich in Deutschland die ersten Feuerwehren, unter anderem nach französischem Muster. Pionier war dabei unter anderem Carl Metz, der selbst Feuerlöschgeräte herstellt. Ein Meilenstein war das Jahr 1847, in der die Feuerwehr ihre Bezeichnung bekam, die heute noch in Verwendung ist (siehe: Geschichte der Feuerwehr). In Cisleithanien war die Gründung der Feuerwehr in Reichstadt im heutigen Tschechien der Startschuss für eine Entwicklung, die bis jetzt im heutigen Österreich das Rückgrat der Brandbekämpfung bildet.
Erste Freiwillige Feuerwehr in Reichstadt
mini|hochkant|Ferdinand Leitenberger, der Gründer der ersten österreichischen Feuerwehr Der pensionierte k.k. Rittmeister Ferdinand Leitenberger wollte auf Grund seiner Erlebnisse bei verschiedenen Bränden eine geschulte Einheit Freiwilliger organisieren. Dazu studierte er verschiedene Pompiers-Corps im Ausland, sowie verschiedene Fachzeitschriften. Bei Erzherzog Ferdinand, der seit seiner Abdankung in seiner Sommerresidenz in Reichstadt lebte, fand er Gehör für seine Ideen. So berief 1850 der Gemeindevorstand eine Bürgerversammlung ein, bei der Leitenberger seine Ideen vortragen durfte. Von nicht ganz 2.000 Einwohnern von Reichstadt meldeten sich sofort 144 Freiwillige zum Eintritt in das Pompiers-Corps. Die vorerst als freiwillige Bürgerwehr benannte Gruppe änderte die Bezeichnung bereits im Folgejahr auf Feuerwehr.
Nach der Idee Leitenbergers wurde die Feuerwehr von Beginn an in verschiedene Gruppen gegliedert. So waren folgende Gruppen vorgesehen: Lebens- und Güterrettungs-Abteilung Abteilung zur Bedienung der Feuerspritzen Wasserleitungs-Abteilung Abteilung für Feuerhaken und Leitern
Die Mitglieder der einzelnen Abteilungen wählten ihre Führer und Stellvertreter, womit eine Zusammenarbeit, die auf Vertrauen basiert, erreicht werden sollte. Diese Kommandanten leisteten ihrerseits wieder einem gemeinsamen Kommandanten ein Gelöbnis des Gehorsams.
Im Jahr 1851 war diese Feuerwehr gut organisiert, ausgerüstet und geschult, sodass sie offiziell gegründet werden konnte. Nachdem diese Einrichtung in dieser Form Schule machte und bei verschiedenen Bränden ihr Können unter Beweis stellen konnte, werden die gesamte Vorbereitung und Organisation von Leitenberger aufgezeichnet. 1855 wurde eine Broschüre mit dem Titel Das freiwillige Pompiers-Corps oder Anleitung wie in jeder Provinzial-Stadt oder in jedem größeren Dorfe mit unbeträchtlichen Auslagen eine Feuerwehr gegründet werden kann. herausgegeben. Auch zahlreiche Abbildungen erläuterten die Beschreibung. Im Folgejahr erschien diese Anleitung auch in tschechischer Sprache.
Als nächste Feuerwehr, die 1856 gegründet wurde, ist Böhmisch Kaunitz dokumentiert.Manfred Mischinger: Die österreichischen Feuerwehrhelme. Adjutum-Verlag, 2006, ISBN 3-200-00574-2, S. 129.
Erste Feuerwehren im heutigen Österreich Belegt sind Löscheinrichtungen bereits in den beiden k.k. Tabakfabriken in Fürstenfeld aus den Jahren 1813 und Schwaz 1831. Allerdings sind deren Strukturen und Organisationen nicht ausreichend bekannt, sodass man sie nicht ohne Weiteres als Feuerwehr klassifizieren kann. Weitere ähnliche Einrichtungen kennt man aus Hallein in der Brauerei Kaltenhausen aus dem Jahr 1825, sowie im Stift St. Florian.
mini|Feuerwehr in Klamoš, einem kleinen Ort in Tschechien in historischen Uniformen Fast zeitgleich mit Reichstatt wurde in Linz eine Freiwillige Feuerwehr gegründet, nachdem eine Berufsfeuerwehr nicht finanzierbar war. Auf einen Aufruf von Bürgermeister Reinhold Körner meldeten sich Ende 1850 29 Linzer Bewohner als Freiwillige. Sie verpflichteten sich, mindestens drei Jahre sowohl an Übungen als auch an Einsätzen teilzunehmen. Durch die geringe Mitgliederanzahl, musste man trotzdem auf die Handwerker, wie sie bereits bisher verpflichtet wurden, zurückgreifen. Das Kommando dieser Feuerwehr führte der Bürgermeister selbst. Da die Feuerwehr gesellschaftlich nicht voll anerkannt wurde, schrumpfte die Mitgliederzahl wieder. Im Jahr 1866 wurde die Feuerwehr neu gegründet und das Kommando an Josef Hafferl übertragen.
mini|hochkant|August Jakob Augustin (1818–1902), Gründer der BF Graz In Graz wurde im Jahr 1853 nach Erkundungen des Turnlehrers August Jakob Augustin in Deutschland nach Ulmer Vorbild ein Städtisch besoldetes Pompiers-Corps beschlossen und mit 24 Mann, bestehend aus verschiedenen Handwerkern, errichtet. Ab dem Jahr 1861 bestand das Corps, das jetzt Städtische Feuerwehr genannt wurde, aus 36 Mann. Die Berufsfeuerwehr Graz war damit nach Wien die zweite in Österreich.
In Tirol war der 1828 geborene Franz Thurner die Triebfeder, eine Feuerwehr zu gründen. Er wurde durch die Ereignisse von 1848 geprägt, bei denen Kaiser Ferdinand im Zuge der Revolution nach Innsbruck fliehen musste. Nach der Revolution lernte er auf der Walz, die ihn als Seiler durch verschiedene deutsche Städte führte, geordnete Brandbekämpfung. Um körperlich fit zu sein, machte er die Ausbildung zum Turnlehrer und versuchte auch junge Männer zu begeistern. Auch der Tiroler Landtag unterstützte ihn dabei. In den Ferien machte er in Deutschland die Ausbildung zum Feuerwehrmann. Es bestand zwar bereits seit dem Jahr 1826 ein verordnetes Löschsystem, das aus Turnern bestand, aber nicht effektiv funktionierte. So gründete er im Jahr 1857 ein freiwilliges Rettungskorps. Vorerst von den Turnern angefeindet, bestand es aber schon 1858 seine Feuertaufe und wurde dementsprechend vom Gemeinderat finanziell auch unterstützt. 1864 wurde schließlich die neue Freiwillige Feuerwehr von der Feuerwehr mit dem Brandschutz betraut und die Bürgerwehr aufgelöst. Thurner wurde der erste vom Gemeinderat ernannte Kommandant.
Die Turnvereine, die in den 1840er Jahren nach deutschen Vorbildern gegründet, wie beispielsweise in Salzburg, Hermannstadt, Asch oder Bregenz, wurden und teilweise auch Löschdienste durchführten, mussten als Folge der Revolution ihre Tätigkeit aus politischen Gründen einstellen. Erst 1861 durften wieder Vereine gegründet werden.
Die ersten Turner-Feuerwehren gründeten sich zwischen 1848 und 1851 in Bregenz, Dornbirn und Feldkirch. Im Jahr 1852 wurden diese aus politischen Gründen wieder aufgelöst und 1861 neu gegründet. Ab dieser Zeit findet man erstmals die beiden heute noch gebräuchlichen Wahlsprüche Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr, sowie Einer für Alle, Alle für Einen.
Im Jahr 1862 entstanden zahlreiche weitere Turner-Feuerwehren in Wiener Neustadt, Hainburg und Leobersdorf.
mini|hochkant|Ferdinand Jergitsch, der Gründer Feuerwehr Klagenfurt In den Folgejahren entstanden immer mehr Feuerwehren im ganzen Reich. In Klagenfurt war der Siebmacher Ferdinand Jergitsch die treibende Kraft, dass in Klagenfurt im Jahr 1864 unter Leitung von Carl Metz persönlich eine Gründungsversammlung stattfand und Jergitsch der erste Kommandant wurde. In der Folge vertrieb Jergitsch die Geräte von Metz und betrieb weitere Gründungen in Kärnten.
Ebenfalls 1864 entstand in Tirol bereits als zweite Feuerwehr der Turn-Feuerwehr-Verein Bruneck. In Salzburg war es Karl Billerhart, der als Gerbermeister auf seiner Wanderschaft bereits Mitglied bei der 1853 gegründeten Prager Feuerwehr war und jetzt in Oberndorf bei Salzburg eine Feuerwehr gründete. Unterstützt wurde er dabei durch die bayerische Nachbarfeuerwehr in Laufen, die auch schon seit 1860 bestand.
In Graz wollte man bereits 1862 zusätzlich zur bestehenden Berufsfeuerwehr mit der Gründung des Turnvereins auch eine Freiwillige Feuerwehr schaffen. Das verzögerte sich allerdings aufgrund der Bürokratie bis 1865. Bis zu diesem Zeitpunkt war nämlich das Tragen von Feuerwehrbeilen und Karabinerhaken als Bewaffnung verboten. Im Jahr 1865 wurden noch die Feuerwehren Gloggnitz, die Turner-Feuerwehr Baden, Bad Vöslau, Ried, Stadt Salzburg und Villach gegründet.
In der Zwischenzeit wurde aber auch in Westungarn, das ja nicht zu Cisleithanien gehörte, die Idee der Turnerfeuerwehren weitergetragen und in Ödenburg im Jahr 1863 die freiwillige Turner-Feuerwehr gegründet, allerdings erst 1866 offiziell anerkannt. In der Folge wurden Pinkafeld (1871), Eisenstadt (1874), Mattersburg und Kittsee (1875) gegründet. 1870 wurde auch der ungarische Landesfeuerwehrverband gegründet.
Die Entwicklung der Feuerwehren im österreichischen Teil der Monarchie nahm durch zahlreiche Gründungen einen ungeahnten Aufschwung.
Mit dem Ersten Weltkrieg setzte auch die Motorisierung der Feuerwehren ein. So nahm man am 10. Mai 1914 im Bundesland in Marburg an der Drau, das damals zur Steiermark gehörte, in Betrieb. Abgerufen am 11. Februar 2017.
Anzahl der Feuerwehren zwischen 1865 und 1901
Kronland1865187018801890190150pxHerzogtum Kärnten2186316129050pxErzherzogtum Österreich unter der Enns1368408884124650pxErzherzogtum Österreich ob der Enns32411327047550pxHerzogtum Salzburg25274810450pxHerzogtum Steiermark31712224037850pxGefürstete Grafschaft Tirol2106912932250pxLand Vorarlberg1514516750px50px50pxKönigreich BöhmenMarkgrafschaft MährenÖsterreichisch-Schlesien81234114732945689
Österreichische Feuerwehren im deutschen Feuerwehrausschuss