Stadt Radegast ist ein Ortsteil der Stadt Südliches Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Bis zur Neubildung der Einheitsgemeinde Südliches Anhalt am 1. Januar 2010StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010 war die Landstadt Radegast eine selbstständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Anhalt. Sie war – gemessen an der Fläche – die kleinste Stadt in Sachsen-Anhalt und der Einwohnerzahl nach eine der kleinsten Städte Deutschlands.

Geografie Geografische Lage Radegast liegt zwischen der Kreisstadt Köthen (Anhalt) und der Stadt Bitterfeld-Wolfen. Die Gemarkung grenzt im Südosten an das Naturschutzgebiet „Cösitzer Teich“ und im Süden an das Landschaftsschutzgebiet Fuhneaue.

mini|Niederschlagsdiagramm Klima Der Jahresniederschlag liegt bei 515 mm und ist damit extrem niedrig, da er in das untere Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 5 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen zwei Mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 44 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geologie Radegast liegt am Rand der Köthener Kulturebene. Dieser Rand steigt unvermittelt aus der Fuhneniederung auf, so dass der Höhenunterschied in Radegast zwischen Wiesengrund und höchstem Punkt auf kurzer Entfernung etwa sechs Meter beträgt. Die Stadt liegt inmitten einer weitläufigen früheren Moor- und Sumpflandschaft, deren Oberland bereits früher sehr fruchtbar war. In der Radegaster Chronik ist dazu vermerkt: „Der Unterboden dieser Gegend ist nicht schlecht, aber sein Wert wird durch die große Nässe herabgemindert. Die obere, etwa fußtiefe Schicht ist ein Wiesenmergel, der durch die üppige Gras- und Sumpfvegetation sehr humos und durch die Kalkabscheidungen des stehenden Wassers stark kalkhaltig geworden ist. Dann folgen Moor und vielfach Torf, der früher weiter nach Osten zu, in der Vogtei, in großen Mengen zur Verwendung als Heizmaterial gestochen wurde. Den Abschluß der Oberschicht nach unten bildet wasserundurchlässiger Ton. Starke Gerölleinmischungen, die sich schon in geringer Tiefe finden, sind die Hinterlassenschaft eines Urstromes, der sich zur Eiszeit hier breit, seicht und träge am Südrand der abschmelzenden Gletscher hinschob. Die Bodenverhältnisse sind auch bis heute noch so, obwohl die Kulturarbeit den Boden im Fuhnetal wesentlich verbessert haben. Der tief liegende Lößboden trägt Zuckerrüben und Weizen in reicher Fülle. Unten ist das Land moorig, kiesig, feucht.“Chronik der Stadt Radegast, 1989 (Kapitel „Zur Lage des Ortes Radegast“)

Nachbarorte Nachbarorte von Radegast sind Weißandt-Gölzau im Norden, Zehbitz im Osten, Zörbig im Süden und Cösitz im Westen.

Ortsgliederung Neben dem historischen Ortskern umfasst Radegast die in den 1930er Jahren errichtete Siedlung (früher „Siedlung Heimat“), die – abgetrennt durch den Sportplatz und den Reitplatz – in östlicher Richtung an den historischen Ortskern anschließt. Sie erstreckt sich bis zum Bürgerpark und umfasst etwa die Hälfte des Ortsgebietes. Das gesamte Gebiet von Radegast ist im Laufe der Jahrhunderte historisch gewachsen und wurde bis 2010 nicht durch Eingemeindungen oder Zusammenschluss mit anderen Gemeinden vergrößert – angesichts mehrerer Gebietsreformen in Sachsen-Anhalt, bei denen kontinuierlich kleinere Gemeinden aufgelöst oder zusammengelegt worden sind, bis dahin eine Besonderheit.

Geschichte Der Name Radegast ist wahrscheinlich ein Toponym aus der Sprache der Elbe-Saale-Slawen, dort wurde eine heidnische Gottheit namens Radegasthttps://deutsch.radio.cz/die-slawische-gottheit-radegast-das-symbol-der-beskiden-8721947 verehrt, dessen begleitendes Symbol auch das weiße Pferd ist, das den Willen seines Gottes kundtuthttps://www.google.de/books/edition/Universum/I_K8Qg4iBc4C?hl=de&gbpv=1&dq=gott+radegast+wei%C3%9Fes+pferd&pg=PA883&printsec=frontcover. Der Ort lag im 7. Jahrhundert im Grenzgebiet zu den ehemals fränkischen Königen und war durch seine ostseitige Lage der Saale slawisch besiedelt. Zahlreiche weitere Ortsnamen rund um Radegast sind ebenso slawischen Ursprungs wie Zörbig oder Cösitz. In der slawischen Wallanlage westlich von Radegast wurden Gefäßkeramiken mit Mustern aus dieser frühslawischen Zeit gefunden. Zur Entwicklung der slawischen Keramik im Elbe-Saale-Gebiet Brachmann, Hansjürgen. (1994) – In: Slawische Keramik in Mitteleuropa vom 8. bis zum 11. Jahrhundert (1994) S. 93–110 Diese Gefäße sind ein wichtiges Indiz in einer relativ geringe Quellenlage, wie die Besiedlung im 7. bis 10. Jahrhundert ausgesehen hat.

Am 2. Oktober 1244 taucht der Ortsname erstmals in zwei Urkunden auf, als die wahrscheinlichen Besitzer des Gutes, die Gebrüder von Radegast (fratres de Radegiz) zwei Rechtsgeschäfte des Grafen Heinrich von Ascharien bezeugen.Codex diplomaticus Anhaltinus (CDA), Teil II, Nr. 160 und 161 In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Ort mehrmals den Besitzer, was urkundliche Erwähnung fand. Im Jahr 1612 wurde Radegast fürstliches Amt. Die Stadt- und Marktrechte wurden dem Ort im Jahr 1727 verliehen. Das Stadtrecht wurde jedoch erst seit 1852 wahrgenommen. Mit der Neubildung der Einheitsgemeinde Südliches Anhalt am 1. Januar 2010 erlosch es, da die Stadt Radegast seitdem als selbständige Gemeinde nicht mehr existiert.

Mit der Sanierung des alten Dammes durch die Fuhneniederung in den Jahren 1686 bis 1688 zwischen Radegast und der Nachbarstadt Zörbig wurde eine wichtige Handelsstraße zwischen Magdeburg und Leipzig geschaffen. 1688 wurde als Grenzstein zwischen den damaligen Ländern Sachsen und Anhalt-Dessau der „Theure Christian“ errichtet. 1702 wurde Radegast zum Marktflecken erhoben. Im selben Jahr begann der Bau der ersten Radegaster Kirche. Der Kirchturm stürzte jedoch bereits im Jahr 1752 wieder ein und wurde noch im selben Jahr neu aufgebaut. Aus dieser Zeit stammen mehrere historische Gasthöfe der Stadt, von denen einer heute noch betrieben wird.

mini|Pferdekoppel in Radegast: Pferde spielen in der Geschichte Radegasts eine große Rolle. In den Jahren um 1780 trieb ein Falschmünzer – der Apotheker Ziervogel – in der Gemeinde sein Unwesen, bis er schließlich im Jahr 1786 verhaftet und im Jahre 1787 in Halle hingerichtet wurde. Der schwedische Kronprinz und Oberbefehlshaber der Nordarmee, Karl-Johann, hatte im Oktober 1813 vor der Völkerschlacht bei Leipzig kurzzeitig sein Hauptquartier in Radegast. 1820 bekam der Ort eine Postanstalt, die zunächst in einem Gasthof untergebracht war. Das „Kaiserliche Postamt“ in der Bahnhofstraße wurde zwischen 1871 und 1874 eröffnet und wickelte die Postgeschäfte für die Orte Radegast, Wehlau, Lennewitz, Riesdorf, Cosa, Fernsdorf, die Station Weißandt (heute alle Ortsteile der Stadt Südliches Anhalt), Priesdorf (Ortsteil von Cösitz) und Cösitz (heute Stadtteil von Zörbig) ab. 1929 wurde im Postgebäude ein Fernmelde-Selbstanschlussamt errichtet und das Postamt in eine Postagentur umgewandelt. Die für den Ort und ihre Umgebung wichtige Institution wurde am 6. April 1999 geschlossen.

Radegast wuchs in den folgenden Jahren immer weiter an. 1867 lebten in der Stadt laut Kirchenregister 885 Einwohner. Bereits seit 1859 gab es die Likörfabrik H. Kahleyß & Co., die mit ihren „Kalcora“-Produkten zeitweise den anhaltischen Hof belieferte. 1864 wurde eine Zuckerfabrik gegründet und 1865 eröffnet. In ihr arbeiteten zeitweilig bis zu 160 Menschen. Ein 120 Meter hoher Schornstein der Fabrik stürzte noch vor seiner Fertigstellung im September 1865 ein. Die Zuckerfabrik wurde im Jahr 1930 abgebrochen, einige der alten Bauten sind aber heute noch erhalten.

1874 wurde das Kirchenschiff neu gebaut. Auch der Kirchturm wurde erheblich aufgestockt. Seine Höhe beträgt seitdem etwa 35 Meter.

mini|Der ehemalige Radegaster Bahnhof, früher Zentrum des Streckennetzes der Dessau-Radegast-Köthener Bahn (DRKB) Die Teilstrecke Köthen–Radegast der Dessau-Radegast-Köthener Bahn wurde am 28. November 1896 eingeweiht, am 9. Dezember 1897 folgte der Abschnitt Radegast–Dessau. Mit der Eröffnung der Strecke zwischen Radegast und Zörbig am 8. August 1898 war das Netz komplett in Betrieb. Ihr Ende fand die Radegaster Eisenbahngeschichte mit der Demontage der Bahnstrecke nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 21. März 1946 wurde der Bahnbetrieb eingestellt; die Bahn musste als Reparationszahlung an die Sowjetunion abgetreten werden.

1925 hatte die ehemalige Stadt bereits 911 Einwohner. Auch wurde in diesem Jahr ein neues Rathaus eingerichtet, das zwischen 1931 und 1933 grundlegend saniert wurde. Im Jahr 1934 wurde der Bau des neuen Schulgebäudes begonnen, im darauf folgenden Jahr wurde er fertig gestellt und eingeweiht. Bis weit in die 1990er Jahre hinein wurden hier noch Schüler unterrichtet.

1951 begann die Pferdezucht auf der Domäne in Radegast. Das Radegaster Gestüt brachte in seiner traditionsreichen Geschichte viele erfolgreiche Sport- und Reitpferde hervor. Das Landgestüt des Landes Sachsen-Anhalt befand sich von 1991 bis zur Verlegung nach Prussendorf im Jahr 1997 in Radegast. 1999 wurde das Gestüt privatisiert.

Vom 1. April 1994 bis zum 31. Dezember 2009 gehörte Radegast einer Verwaltungsgemeinschaft an. Diese hieß zunächst Gölzau-Görzig-Radegast, später dann Anhalt-Süd. Seit 1. Januar 2005 bildeten die ehemaligen Verwaltungsgemeinschaften Anhalt-Süd, Oberes Ziethetal und Fuhneaue nun die Verwaltungsgemeinschaft Südliches Anhalt. Am 1. Januar 2010 ging die Stadt Radegast in der neuen Einheitsgemeinde Stadt Südliches Anhalt auf, die aus 18 Kommunen der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft gebildet wurde.Genehmigung des Ministeriums des Innern LSA vom 10. Juni 2009.

Am 1. Juli 2014 ist das neue Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Kraft getreten. In dessen §14 (2) wird den Gemeinden die Möglichkeit gegeben, den Ortsteilen, die vor der Eingemeindung Städte waren, diese Bezeichnung zuzuerkennen.Kommunalverfassungsgesetz des Landes in der Fassung vom 1. Juli 2014 Die Stadt Südliches Anhalt hat von dieser Regelung Gebrauch gemacht. Ihre neue Hauptsatzung ist mit Wirkung vom 14. Januar 2015 in Kraft getreten. Im §8 (1) werden die Ortsteile mit ihren amtlichen Namen aufgeführt. Die Ortschaften sind nicht betroffen.Hauptsatzung in der Fassung vom 14. Januar 2015

Historische Gebäude in Radegast

Religionen mini|Weithin sichtbar ist eines der Wahrzeichen von Radegast – der Kirchturm.

Erst seit dem Jahr 1702 gibt es in Radegast eine eigenständige Kirchengemeinde. Zuvor war Radegast Teil der Kirchengemeinde Großweißandt (heute Weißandt-Gölzau). Der erste Radegaster Pfarrer hieß Gottlieb Eprahim Bobbe und wirkte zwischen 1703 und 1715 im Ort.

Heute besitzt Radegast eine evangelische Kirche. Seit 1945 besitzen Anhänger des katholischen Glaubens in der Kirche ein Gastrecht. Der Großteil der Bevölkerung ist jedoch entweder evangelisch oder konfessionslos. Die Radegaster Kirchengemeinde pflegt seit 1987 eine Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Billigheim-Ingenheim.

Pfarrer in Radegast 1702–1715: Gottlieb Eprahim Bobbe (1670–1740) 1716–1718: Bons (Der Vorname und das Geburts- und das Sterbejahr ist unbekannt.) 1718–1729: Palladium (Der Vorname und das Geburts- und das Sterbejahr ist unbekannt.) 1730–1736: Johann Christian Herrklotsch (1705–1779) 1736–1756: Johann Karl Schardius (1711–1787) 1756–1771: Karl Friedrich Dietrichs (1722–1771) 1771–1790: Johann Konrad Kern (1735–1790) 1792–1814: Leopold Friedrich Karl Schoch (1760–1814) 1814–1824: Leopold Ludwig Christian de Marées (1779–1850) 1824–1842: Johann Christoph Naumann (1785–1855) 1842–1851: Wilhelm Ephraim Kluge (1802–1876) 1851–1857: Ludwig Albert Mertens (1814–1895) 1857–1871: Ferdinand Salzmann (1818–1884) 1871–1878: Friedrich Herbst (1831–1903) 1878–1882: August Schönemann (1823–1911) 1882–1885: Eduard Fritsche (1850–1938)