Das Haus am Nonnengraben ist der Titel eines im Jahr 2007 erschienenen Kriminalromans von Karin Dengler-Schreiber. Er ist ihr erster Roman, der unter dem Pseudonym Anna Degen veröffentlicht wurde, und setzt eine Reihe von Kriminalromanen fort, die in Bamberg spielen.
Inhalt
Der Roman ist in 27 Kapitel gegliedert. Die im Folgenden verwandten Überschriften dienen der Strukturierung, im Roman sind sie nicht vorhanden.
Prolog Zu Anfang des Romans steht ein kurzer Prolog, der dem Leser fälschlich den Eindruck vermittelt, einen Einblick in die Gedankenwelt des Mörders der Geschichte zu erhalten. In Wirklichkeit werden dem Leser die Gedanken einer männlichen Person mitgeteilt, die den Mord zwar plant, ihn aber nicht begeht, da ihm ein anderer zuvorkommt. Der vermeintliche Mörder denkt über das „perfekte Alibi“ für den Mord an einer Frau nach. Auch sein Motiv wird offenbart. Es geht ihm um ein Haus, das er gerne zu seinem Eigentum machen würde.
Tanja und eine tote Frau Im eigentlichen Roman, der aus der Sicht eines Er-Erzählers geschrieben ist, wird zunächst die Bekanntschaft der Protagonistin Hanna Tal mit einer jungen Stadtstreicherin beschrieben. Die Historikerin Dr. Hanna Tal ist mit einem Kellerobjekt beschäftigt, als ihr eine Bamberger Zeitung einen Zusatzjob anbietet. Sie soll einen Artikel über das verwahrloste „Haus am Nonnengraben“ schreiben. Eine Reihe Leser hatten sich bei der Zeitung über den Zustand des Hauses beschwert, weshalb nun nachgeforscht werden soll. Bei der Recherche vor Ort lernt sie die knapp achtzehnjährige Streunerin und Vollwaise Tanja kennen, die zusammen mit ihrem Baby Unterschlupf in dem Haus gefunden hat. Das Mädchen erzählt ihr, dass sie zuvor bei ihrer Tante gelebt hat, von dieser jedoch misshandelt wurde. Wenig später macht Hanna Tal eine grausame Entdeckung. Die Hausbesitzerin Frau Rothammer, eine ältere Dame, sitzt seit Wochen ermordet an ihrem Küchentisch. Tanja versichert, dass sie nichts mit dem Mord zu tun hat, die alte Dame hätte ihre Anwesenheit stillschweigend geduldet, ihr sogar einmal ein Babygläschen vor die Tür gestellt. Der Mord geschah, als sie ein paar Tage bei einer Freundin zu Besuch gewesen war. Sie fleht Hanna Tal an, sie nicht bei der Polizei zu melden. Hanna Tal gerät in einen Gewissenskonflikt, einerseits muss sie den Mord melden, andererseits glaubt sie der jungen Frau. Es gelingt ihr, ihre Tante Kunigunde zu überreden, Tanja und ihren kleinen Sohn für ein paar Tage bei sich aufzunehmen.
Staatsanwalt Benno Berg Hanna Tal meldet den Mord nicht bei der Polizei, sondern wendet sich an den Staatsanwalt Benno Berg, den sie vor kurzem auf einer Party kennen gelernt hat. Sie hat auf der Party deutlich gespürt, wie angetan er von ihr gewesen war. Sie erzählt ihm unter Tränen, dass sie Frau Rothammer im Haus am Nonnengraben tot aufgefunden hat, erfindet jedoch eine Lügengeschichte, um die Existenz des Mädchens mit dem Baby zu verheimlichen. Die weibliche Raffinesse geht nicht auf, das Gespräch verläuft ganz anders als geplant. Benno Berg, der seit der Party Schmetterlinge im Bauch spürt und sich zu der attraktiven Hanna hingezogen fühlt, durchschaut sofort, dass sie nicht die Wahrheit spricht, und verhält sich ihr gegenüber ungewohnt kühl und distanziert. Als die Spurensicherung nachweist, dass sich Hanna zusammen mit einer weiteren Person im Haus aufgehalten hat, stattet er ihr einen wütenden Besuch ab. Er ist sich sicher, dass Hanna einen Mann, vermutlich den Mörder, deckt. Sein Tonfall verrät Hanna, dass ihn in Bezug auf diesen vermeintlichen Mann Gefühle der Eifersucht plagen. Hierdurch geschmeichelt erzählt sie Benno die wahre Geschichte. Doch Benno Berg reagiert abermals nicht wie erwartet. Er glaubt, dass das Mädchen Tanja eine Lügnerin und vielleicht sogar die Mörderin ist. Dummerweise droht er damit, Tanja das Kind wegzunehmen, um sie zum Reden zu bringen, vor allem aber will er wissen, wo sie sich aufhält. Nun ist Hanna Berg außer sich vor Zorn. Sie will Tanja auf keinen Fall verraten. Die beiden trennen sich im Streit.
Tante Kunigunde Hanna Tal möchte Tanjas Unschuld beweisen und weitere Informationen für den Artikel sammeln. Sie nimmt sich vor, die Hintergründe der Familie Rothammer und deren Nachkommen zu erforschen und stöbert in den Büchern der Staatsbibliothek. Dabei findet sie heraus, dass sich das Anwesen am Nonnengraben lange Jahre im Besitz der Familie Dechant befand, bis es schließlich im Jahre 1836 von Adalbert Rothammer erworben wurde und seither im Besitz der Familie Rothammer ist. Tante Kunigunde, die Tanjas kleinen Sohn sofort in ihr Herz geschlossen hat, kümmert sich indes rührend um die beiden neuen Hausgenossen. Sie kannte die ermordete Elfi Rothammer aus ihrer Jugendzeit. Allerdings spricht die sonst so herzensgute Kunigunde alles andere als nett von der Toten. Elfi sei ein Luder gewesen, ein Flüchtlingskind, das immer etwas besseres sein wollte und viele Menschen unglücklich gemacht hat. Sie sei aber auch umwerfend schön gewesen, sämtliche Knaben habe sie in ihren Bann gezogen, was ihr wiederum den Spott der Mädchen einbrachte. Tante Kunigunde erinnert sich, wie sich Elfi den Arthur Rothammer „geangelt“ hat. Arthur und Karla Rothammer, die beiden Kinder der reichen Familie Rothammer und Stars ihrer damaligen Clique, hätten sich mit einem anderen Geschwisterpaar, Anton und Christine Dechant angefreundet – Arthur und Christine bzw. Anton und Karla schienen ein Paar zu sein. Doch da sei etwas unvorhergesehenes geschehen. Elfi machte sich durch einen ungeschickten Ausdruck zum Gespött der Clique, Arthur jedoch stand ihr zur Seite und begleitete sie nachhause. Kurze Zeit später wurde die Hochzeit der beiden bekanntgegeben. Tante Kunigunde gibt Hanna den Tipp, sich mit Anneliese Kurt, der ehemaligen Haushälterin der Rothammers, zu unterhalten. Anneliese Kurt war jahrzehntelang Dienstmädchen bei den Rothammers, bis Elfi sie entlassen hat.
Kürtchen Hanna stattet der Neunzigjährigen, die jetzt im Arbeiterwohlfahrt-Altersheim wohnt, einen Besuch ab. Die kleine weißhaarige Frau wirkt sehr nett und gepflegt auf Hanna. Anneliese Kurts Meinung über Elfi Rothammer ist jedoch in keiner Weise besser als die ihrer Tante. Sie sieht in Elfis Tod so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit, denn Elfi habe alles zerstört, was ihr wichtig war: Die Familie, das Haus, Arthur. Anneliese Kurt, genannt „Kürtchen“, war für Arthur und Karla Rothammer eine Art Ersatzmutter, nachdem ihre leibliche Mutter sie verlassen hatte. Kürtchen erzählt Hanna, dass es Karla furchtbar getroffen hat, dass ihr Bruder diese Elfi geheiratet hat. Karla und Elfi haben sich gehasst. Elfi hat es nicht ertragen, dass Arthur seine Schwester lieb gehabt hat. Als Karla schwanger wurde und nicht sagen wollte, wer der Vater ist, gab es einen fürchterlichen Streit zwischen Arthur und Karla, infolgedessen Karla das Haus verließ und nie wieder zurückkehrte. Anneliese Kurt erinnert sich an das zufriedene Gesicht von Elfi, die sich freute, ihre verhasste Schwägerin loszuhaben. Am Ende der Unterhaltung überlässt sie Hanna Tal leihweise die Briefe, die ihr Karla all die Jahre seit dem Verlassen des Hauses am Nonnengraben geschrieben hat. Anhand der Briefe erkennt Hanna das Ausmaß der Tragödie: Karlas erster Sohn starb drei Wochen nach der Geburt. Sie bekam dann mit einem anderen Mann wieder einen Sohn, den sie Joschi nannte. Karla quälte sich all die Jahre über, denn sie liebte Arthur nicht als Bruder, sondern als Mann. Sie litt schrecklich unter der Trennung von Arthur, nicht wissend, dass er genauso tiefe Gefühle für sie empfand. In seinem Testament drei Tage vor seinem Tod vererbte er ihr neben einem beträchtlichen Vermögen auch alle seine Bücher und Aufzeichnungen. Darin fand sie ihr gewidmete Gedichte, die seine Liebe für sie offenbarten. Die Trauer über Karlas Verlust hatte ihn schließlich in den Selbstmord getrieben. Karlas Sohn Joschi, der zunächst große Schwierigkeiten machte, besserte sich und wurde Zahnarzt. Einundzwanzig Jahre später als ihr Bruder starb Karla an Brustkrebs. Hanna Tal ist tief ergriffen von Karlas Schicksal. Karla tat alles, um eine sexuelle Beziehung mit Arthur zu vermeiden. Aber auch Elfi tut ihr leid. Es muss schlimm für sie gewesen sein, mit einem Mann verheiratet zu sein, der sie nur genommen hat, um von der Liebe zu seiner Schwester loszukommen, und der das dann nicht schafft, sondern, während er mit Elfi verheiratet ist, verzweifelt seine Schwester liebt.
Illegale Geldgeschäfte Zur gleichen Zeit verfolgen Staatsanwalt Benno Berg und die Polizei bei ihren Recherchen eine ganz andere Spur. Benno Berg durchsucht Elfi Rothammers Dokumente, die im Haus am Nonnengraben gefunden wurden. Dabei stößt er auf Arthur Rothammers Testament. Er staunt nicht schlecht, als er liest, dass seine Ehefrau Elfi durch das Testament praktisch enterbt wurde, hingegen eine verschollene Schwester und eine weitere Frau, Frau Anneliese Kurt, zusammen genauso viel erhielten. Zu guter Letzt war da auch noch die Rede von einer Arthur-Rothammer-Stiftung, als deren Verwalter und Stiftungsvorstand Rothammers Freund, Rechtsanwalt Norbert Böschen, bestimmt wurde. Vom aktuellen Stiftungsreferenten der Stadt erfährt er, dass in den Amtsunterlagen keine derartige Stiftung verzeichnet sei. Nachforschungen ergeben, dass die entsprechende Akte vorlag, jedoch verschwunden ist. Interessant dabei ist für Benno Berg, dass im fraglichen Jahr 1979 ausgerechnet Stadtdirektor Karl Bolz Stiftungsreferent war. Karl Bolz stand seit längerem in Verdacht, dass er bei einer größeren Anzahl von Bauprojekten Bestechungsgelder in seine eigenen Taschen wandern ließ. Höchstwahrscheinlich war es auch Bolz, der die entsprechende Akte aus dem Archiv des Stiftungsreferates mitgenommen hat.
Benno sucht Rechtsanwalt Böschen in seinem Büro auf und befragt ihn bezüglich Elfi Rothammer und der Stiftung. Böschen schwärmt von der einstigen Schönheit Elfi Rothammers, die die Frau seines Freundes Arthur war. Allerdings erzählt er auch, dass Elfi mit ihm – Böschen – auf fast aggressive Weise geflirtet hätte, wie er im Nachhinein herausfand, tat sie das, um Arthur eifersüchtig zu machen. Dieser verhielt sich Elfi gegenüber jedoch eher gleichgültig, wirklich wichtig sei ihm das Haus am Nonnengraben gewesen, mit dem habe er einen unglaublichen Kult getrieben. Als Benno von dem Testament erzählt, verfärbt sich Böschens rundes Gesicht. Offenbar wusste er nicht, dass es ein zweites Exemplar gab. Von Böschen erfährt Benno, dass der Zweck der Stiftung in der Förderung der Kunst lag. Das Haus am Nonnengraben sollte nach Elfis Tod als Künstlerbegegnungsstätte eingerichtet werden. Die Stiftung sei eine Idee von Arthur Rothammer gewesen, um sicherzugehen, dass Elfi das Haus nach seinem Tod nicht verkauft. Das Haus sollte seinen Namen tragen, damit man sich an ihn erinnern würde. Elfi habe getobt, als sie von der Stiftung erfuhr, sie hatte aber das Wohnrecht und auch viel Geld geerbt. Benno verlangt von Böschen die Stiftungsurkunde und die Abrechnungen über die Verwendung der Gelder. Doch Böschen, dem die Sache sichtlich unangenehm ist, verweigert dies zunächst, verweist aber dann darauf, dass sich ein Teil der Akten beim eigentlichen Vorstand der Stiftung, Karl Bolz, befinden, und verspricht sie für den nächsten Tag. Benno, der noch mitbekommt, dass Böschen und Bolz miteinander telefonieren, versucht Bolz umgehend in seinem Büro abzupassen, doch dieser hat sich unter falschem Vorwand bereits verabschiedet. Benno erhält die Akten zwar am nächsten Tag, er ist sich aber sicher, dass sie in der Zwischenzeit manipuliert wurden.