Als erloschene Corps werden diejenigen Corps bezeichnet, die seit mindestens 50 Jahren keinen aktiven Betrieb unterhalten.Die Zeit des Nationalsozialismus zählt im KSCV als ein Jahr. Dabei ist es gleichgültig, wie lange sie bestanden und weshalb sie suspendierten. Die akademischen Corps waren im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert vor allem landsmannschaftliche Zusammenschlüsse.
Zu den 273 Corps in dieser Liste könnten noch die Corps im Rudolstädter Senioren-Convent und im Askanischen Senioren-Convent sowie einige Deutsch-Baltische Studentenverbindungen gezählt werden. mini|400px|Corps in Europa|ohne
Hintergrund
Dass die meisten Neustiftungen bald eingingen, mag an mangelnder Ausstrahlung und Bindungskraft gelegen haben. Die Bünder hatten noch keine Philister oder Alten Herren und waren „Verbindungen“ auf Zeit. Und „die 1830er Jahre waren für die Korps eine schlimme Zeit. Die Torheiten der Demagogen mussten sie mitbüßen, jede freiere Regung wurde unbarmherzig unterdrückt und nur zeitweilig lastete der Polizeidruck mit geringerer Wucht auf dem deutschen Studentenleben“.Fabricius, S. 10. Bald kamen Probleme von der anderen Seite. In den 1840er Jahren setzte der liberale Progress den eher „konservativen“ Corps zu. Das aufschlussreichste Beispiel ist das Corps Littuania.
Indem das Königreich Preußen zur deutschen Führungsmacht aufstieg und die Hohenzollern Corpsstudenten wurden, änderte sich der Zeitgeist wieder. Überall entstanden neue Corps; sie hatten aber keinen leichten Stand, weil sich alte behauptet hatten und der Kösener Senioren-Convents-Verband entstanden war. So erhellt der Blick auf die im 19. Jahrhundert erloschenen Corps die Sozialgeschichte der deutschen Universitäten.
Die Farben der meisten Bänder haben landesgeschichtliche Bezüge. Viele greifen auf Studentenorden und Kränzchen zurück.
Hochschulorte Altdorf Die Altdorfina wurde am 24. September 1809 von König Maximilian I. Joseph (Bayern) aufgelöst. Bavaria (1808) blau-weiß-rot Franconia (1808) grün-weiß-rotsiehe Franconia II Erlangen Suevia (1808) ?
Basel Die 1460 gegründete Universität Basel war eine Hochburg der Buchdruckerkunst und des Humanismus. Zu den vier klassischen Fakultäten kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere neue Fächer. Zur Universität gehört eine der größten Bibliotheken der Schweiz. Alamannia (1865–1878) grün-rot-gold (v. u.), siehe Schweizer Studentenverbindungen#Basel Helvetia (1876), Corps Alt-Rhenania (1889–1916) schwarz-weiß-orange Helvetia = „Gold-Helvetia“ (1876–1889) rot-weiß-gold Markomannia VII (1825) rot-weiß-rot Rauracia (1856) schwarz-weiß-grün
Berlin
Da die (pietistische) Universität Halle von Napoleon geschlossen worden war, gründete Preußen nach dem Frieden von Tilsit am 16. August 1809 die Alma mater berolinensis. Sie war Preußens zweite (mit Halle dritte) Universität und trug von 1828 bis 1946 den Namen von König Friedrich Wilhelm III. mini|hochkant|Bundeszeichen der Guestphalia I Alemannia (1869–1887) grün-weiß-violett m. S.1865 Verbindung, 1867 Landsmannschaft, 1869 Aufnahme in den SC. Ein Mitglied war Ferdinand Hueppe, der erste DFB-Präsident. Borussia I (1815–1816) schwarz-weiß o. P.1816 in Marchia und Pomerania aufgelöst. Curonia (1815–1821) grün-blau-weiß m. S.Kartell mit Curonia Heidelberg, Berlin und Dorpat. Curonia nannte sich 1816–1817 Ruthenia mit schwarz-orange-weiß. Franconia (1863–1864) lila (blau)-silber-rosa m. S. Guestphalia I (1811–1821) grün-schwarz-weiß m. S.Zu den Stiftern gehörte Theodor Körner. Hanseatia (1840–1846) grün-weiß-rot m. S.von Neoborussia und Marchia gegen Silesia und Pomerania gegründet. Lusatia I (1819–1821) blau-rot-gold o. P.von Lusatia Leipzig gegründet. Lusatia II (1840) blau-rot-gold m. G.von Pomerania und Silesia gegen Hanseatia gegründet. Marco-Borussia (1833–1835) schwarz-weiß-orange Neoborussia (1838–1866) schwarz-weiß-rosa m. S.Kartell mit Silesia, Saxonia Leipzig, Marchia Halle und Franconia Jena. Suspension bei Ausbruch des Deutschen Krieges. 1922 rekonstituiert unter Aufnahme des freien Corps Neoborussia. Neo-Marchia (1816–1818) grün-orange o. P. Neo-Pomerania (1817–1818) blau-weiß-gold o. P. Pomerania I (1809–1821) blau-weiß mit S.bestand schon in Frankfurt (Oder) als Pommersches Kränzchen, das nach Berlin übersiedelte. Pomerania II (1838–1847) blau-silber-blau m. S. Silesia I (1811–1813) blau-weiß o. P.Silesia soll nach den Nachrichten über die ersten 70 Semester des Corps Vandalia zu Berlin am 3. Juni 178(?) in Frankfurt (Oder) gegründet und 1811 (Frieden von Tilsit) nach Berlin überführt worden sein. Silesia II (1839–1840) rot-weiß-blau m. S. Thuringia (1819–1820) grün-weiß-rot o. P. Vandalia I (1811–1821) blutrot-gold m. G. Außerhalb des Berliner Senioren-Convents bestanden nach dem Ersten Weltkrieg folgende Corps im Rudolstädter SC:
Salingia (1850–1931) orange-silber-grün
Bern Die 1834 gegründete Universität Bern erhielt 1874 eine Christkatholisch-theologische Fakultät. Als Reaktion auf das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma sollte sie die Grundlagen für eine von Heiligen Stuhl unabhängige nationale Kirche schaffen. Durch Teilung entstanden 1921 die philosophisch-historische und die philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät. Alpigenia (1876–1896, Corps seit 1884) rot-weiß-grün Rhaetia (1841–1848) blau-rot-gold Rhenania I (1852) blau-weiß-rot Rhenania II (1870–1880) schwarz-weiß-orangeBerner Rhenanen waren Friedrich Brunner, Eugen Landau, Louis Mürset, Emile Rodé, Paul Salvisberg, Wilhelm Schmid und Martin Stamm. Tigurinia (1883–1919, Corps seit 1889) rot-gold-rot
Bochum mini|hochkant=0.5|Marchia
In Konkurrenz zu Dortmund erhielt Bochum 1960 den Zuschlag für eine zweite Technische Hochschule in Westfalen. Heute hat die Ruhr-Universität Bochum 21 Fakultäten. Marchia Bochum (1966–1971) wurde am 4. März 1966 von Kösener Corpsstudenten gestiftet. Marchia organisierte im Februar 1967 im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in Bochum eine der ersten großen politischen Veranstaltungen an der jungen Universität in Form einer Podiumsdiskussion über die NPD. Kurt Biedenkopf, damals Dekan der Abteilung für Rechtswissenschaft an der Ruhr-Universität, hielt anlässlich des einjährigen Bestehens des Corps am 4. März 1967 einen Vortrag über die Entwicklung der Ruhr-Universität.Aufgaben und Bedeutung der Ruhr-Universität für das Revier: Vortrag anlässlich des einjährigen Bestehens des Kösener Corps Marchia Bochum, 4. März 1967 Am 10. Februar 1971 trat Marchia aufgrund der Aufgabe der Mensur aus dem KSCV aus und suspendierte ihren aktiven Betrieb kurz darauf. In der Zeit ihres Bestehens hatte sie insgesamt 22 Mitglieder.
Bonn Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität entstand 1818 als sechste preußische Hochschule. Nach dem Frieden von Tilsit hatte Preußen die katholische Universität Münster aufgegeben und die Alte Universität Duisburg nach Bonn verlegt. Curonia I (1822–1823) grün-blau-weiß m. S. Curonia II (1830) grün-blau-weiß m. S. Hansea I (1838–1844) rot-weiß-rot m. S. → Corps Hansea Bonn Lahnania (1825–1827) schwarz-rot-weiß m. S. Markomannia (1855–1859) weiß-hellblau-goldVor der Markomannia von 1855 gab es eine frühere von 1832. Aufgemacht wurde sie nach dem Verbot der Burschenschaft von ehemaligen Mitgliedern, die sich Corpsburschen nannten. Aus dieser entstand die Ruländer Tischgemeinschaft (detailliert bei Hans Gerhardt: 100 Jahre Bonner Corps, S. 60 ff., 81 ff u. 86 ff.). Eine dritte Markomannia entstand 1892 als Turnverein, sp. Turnerschaft, dann Rudolstädter, schließlich Weinheimer Corps, inzwischen suspendiert. Saxo-Pomerania (1836/37) himmelblau-weiß-schwarz m. S. → Corps Saxonia Bonn Sigambria (1828) blau-weiß-schwarz Teutonia (1848–1936) grün-rot-gold
Bremen mini|hochkant|Bremer Hanseate
Die scherzhaft als „Marx und Moritz-Universität“ bezeichnete Hochschule wurde 1971 gegründet und integrierte die Pädagogische Hochschule Bremen. Bei ausdrücklich libertärem Anspruch war eine Universität mit den klassischen Fächern Rechtswissenschaft, Medizin und Naturwissenschaften geplant. Das einzige Corps war Mitglied im Kösener Senioren-Convents-Verband. Hansea (1997–1998) rot-weiß-schwarzAuf Hanseas Farben wurden drei Partien gefochten.
Breslau
Als Preußen sich nach den Niederlagen gegen Napoleon und dem Frieden von Tilsit neu formierte, entstand 1811 in Breslau die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität. Vor der Hallenser Wiedergründung (1817) war sie Preußens dritte Universität. Sie war die erste deutsche Universität mit einer katholischen und einer protestantischen Fakultät. Wie kein anderer hatte der Senioren-Convent zu Breslau viele katholische Theologen in seinen Reihen. hochkant|mini|Teutonia 1816–1819 mini|hochkant|Marchia (II) Breslau Silesia (11. November 1811 – 15. Mai 1813), entstanden aus dem Schlesischen Kränzchen, das am 12. April 1787 an der Brandenburgischen Universität Frankfurt gestiftet wurde und aus dem Urkränzchen vom 3. Juli 1786 hervorging Silesia et Marchia conjuncta (15. Mai 1813 – Frühjahr 1816), entstanden aus vorgenannter Silesia Teutonia (20. Mai 1816 – 22. November 1819) schwarz-rot-weiß, aus vorgenannter Silesia et Marchia conjuncta entstanden und von deren Mitgliedern nach Auflösung der Teutonia am 23. November 1819 als Corps Borussia zu Breslau unter Beibehaltung von Wahlspruch, Wappensprüchen und Farben der Teutonia gestiftet Marchia I (1811–1815) orange-weiß Marchia II (1849–1860) orange-weiß-gold v. u. Neo-Silesia (1849–1850) rosa-blau-weiß m. S. Pomerania (1840) weiß-hellblau-dunkelblau m. S. Saxonia (1847–1848) grün-gold-schwarz Teutonia II (1830–1833) grün-rot-gold
Brünn Die Deutsche Technische Hochschule Brünn ging 1849 aus der Ingenieurschule der Universität Olmütz (1715) hervor. Die Hauptstadt der Markgrafschaft Mähren hatte bis 1918 eine rein deutsche Gemeindevertretung. Die DTH-Brünn bestand 1918 nach der Gründung der Tschechoslowakei fort. Sie wurde 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen. Austria (1870–1924, ab 1919 Albia) hellblau-weiß-goldKösener Corpslisten 1996, Gesamtverzeichnis 1919–1996, S. 40.
Czernowitz
Dorpat
Dresden 1815 wurde die Chirurgisch-Medizinische Akademie (Carl Gustav Carus), 1828 die Technische Bildungsanstalt gegründet. 1871 in Königlich-Sächsisches Polytechnikum umbenannt und um nichttechnische Fächer (Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften, Philologie) erweitert, entwickelte sich daraus die Technische Universität. Daneben bestand die Tierärztliche Hochschule von 1889 bis 1923. So gab es in Dresden (bis 2009) nur Weinheimer und Rudolstädter Corps. Franconia (1899–1934) schwarz-weiß-grün Marcomannia (1864–1934) rot-weiß-gold Franco-Marcomannia (Fusion, 1934–1935) rot-weiß-grünNach dem Zweiten Weltkrieg gründeten Franco-Marcomannia, Saxo-Borussia Freiberg und Montania Freiberg das Corps Saxo-Montania zu Freiberg und Dresden in Aachen Thuringia (1866–1935) weiß-hellblau-schwarzMit ihrem Kartellcorps Alemannia Hannover gründete Thuringia Dresden die Alemannia-Thuringia, die nach der deutschen Wiedervereinigung nach Magdeburg verlegte. Albingia (RSC)Albingia war ab 1953 in Aachen und ging 1996 in Marko-Guestphalia auf.
Erlangen Als Volluniversität 1742 von Markgraf Friedrich III. (Brandenburg-Bayreuth) gegründet, fiel die Friedrich-Alexander-Universität nach dem Frieden von Tilsit mit den Gebieten um Ansbach und Bayreuth 1810 an das Königreich Bayern. Trotz weniger Studenten wurde sie nicht geschlossen, weil sie die einzige bayerische Landesuniversität mit einer lutherisch-theologischen Fakultät war. Vom Auszug nach Altdorf am 26. Februar 1822 kehrten die Erlanger Studenten am 5. März 1822 zurück. Bavaria I (1821–1824) blau-weiß-gold o. P.Kartell mit Bavaria Landshut. Franconia I (1798–1803) grün-gold-rotFranconia I ging aus den Helmianern, diese aus dem Amicistenorden hervor.