Dieser Artikel behandelt die Rangabzeichen der Österreichisch-Ungarischen Streitkräfte.
Landstreitkräfte Kragen-Rangabzeichen Situation bis 1867 Im Heer des Kaisertums Österreich waren im Mai 1848 erstmals Kragenabzeichen (Distinktionen) zur Dienstgradunterscheidung eingeführt worden. Diese bestanden zunächst aus bis zu drei horizontalen, übereinander angeordneten Litzen, von zwei Wiener Zoll (rund fünf Zentimeter) Länge: Bei Offizieren bis zum Oberst in Knopffarbe (silbern oder golden); bei Stabsoffizieren (Major bis Oberst) zusätzlich der Rand der Ärmelaufschläge, wie bisher, mit einer Metallborte in Kopffarbe besetzt. Bereits 1849 wechselten die Offiziere von den Litzen zu gestickten sechsspitzigen Kragensternen aus Metallgespinst, wie sie bis 1918 üblich waren. Bei Stabsoffizieren besaß jetzt auch der Kragenrand einen Bortenbesatz in Knopffarbe, darauf Rangsterne in gewechselter Farbe (Gold auf Silber bzw. Silber auf Gold). Die Kragensterne der Oberoffiziere (Leutnant bis Hauptmann/Rittmeister) in Knopffarbe. Die Anordnung bei zwei Sternen übereinander, bei drei Sternen diese ein gleichschenkliges Dreieck bildend. Die Generale trugen stets silberne Sterne auf goldener Kragenborte, der Feldmarschall statt der Silbersterne goldenes Eichenlaub, das mit der Blattspitze nach unten wies.
Bei Gefreiten, Korporalen und Feldwebeln waren die 1848 verordneten Litzen aus weißem Stoff; gleichzeitig verloren die Feldwebel das am Handriemchen vor der Brust eingehängte spanische Rohr (Bambus) als Distinktionsmerkmal, und die Korporale gaben ihren Stock aus Haselholz ab. Im Jänner 1850 wechselten auch die Chargen vom Feldwebel abwärts zu Sterndistinktionen, hier aus weißem Tuch.Erich Riedl von Riedenau: Geschichte des k. und k. Uhlanen-Regimentes Erzherzog Carl Nr. 3, von seiner Errichtung im Jahre 1801 bis zur Gegenwart, Wien 1901, S. 361 Bei Feldwebeln und Stabsführern kam ab 1857 zu den drei Sternen ein 1,3 cm breites, gelbseidenes, gezackt dessiniertes Börtchen nahe des Kragenrands hinzu; die gleichzeitig eingeführte Charge des Zugsführers übernahm die bisherigen Feldwebel-Distinktion (drei Sterne ohne Börtchen).Arnold Kövess von Aszod und Harkaly: Die Organisation und Militär-Administration der k. k. Armee, 15.Heft, Wien 1863, S. 14
Situation bis 1918 Die Umwandlung des alten Habsburgerstaates in die moderne Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (österreichisch-ungarischer Ausgleich) brachte auch dem Militär viele Neuerungen. Die Rangabzeichen in den reorganisierten Landstreitkräften blieben indes nahezu unverändert und erlebten bis 1918 nur geringfügige Wandlungen. Militärbeamten waren kenntlich anhand von gold- oder silbergestickten vierblättrigen Rosetten, seit Ende 1909 Sternrosetten. Die sechsspitzigen Offizierssterne führten hingegen die Intendanturs-Beamte, Artillerie-Ingenieure sowie die Bau-Ingenieure. Alle Abzeichen wurden ausnahmslos am vorderen Teil des Kragens getragen, zuletzt auch die Stabsoffiziersborten, die anfangs noch den gesamten unteren Krangenrand umlaufen hatten. Die Distinktionen waren für die Gemeinsame Armee, die k.k. Landwehr und die k.u. Landwehr von gleicher Machart, lediglich die Gebirgsinfanterie führte seit 1908 ein zusätzliches Edelweiß hinter den Rangsternen. Die Sterne (und sonstigen Abzeichen – z. B. für Spezialisten) wurden auf dem farbig abgesetzten Kragen des Waffenrocks (ab 1909 offizielle Bezeichnung „Rock“), beziehungsweise auf den Parolis der Feldbluse befestigt. An den Mänteln wurden keine Rangabzeichen getragen.
Die 1 bis 3 Rangsterne der Mannschaften (Gefreite, Korporale, Zugsführer und Feldwebel) bestanden bis 1901 aus weißem Tuch, dann aus Zelluloid. Ab Juni 1914 wechselten die Kadett-Chargen und die Ende 1913 eingeführten Stabsfeldwebel zu seidengestickten weißen Sternen. Die im Juni 1915 eingeführte Charge Offiziersstellvertreter besaß hingegen einen Metallstern wie die Fähnriche, jedoch aus Messing statt silberfarben. Dazu eine breite und darüber eine schmale, silberne Kragenborte, die im Juni 1914 bereits den Stabsfeldwebeln verordnet worden war (diese vorher die gelbe Feldwebelborte, aber mit schmalem schwarzen Mittelstreifen, dazu 3 mm oberhalb der Borte eine weitere, schmale Goldborte). Die hinter den Stabsfeldwebeln rangierenden Gagisten ohne Rangklasse zunächst wie die Feldwebel, die Borte jedoch silbern und, statt der Zelluloidsterne, ab 1914 solche aus weißer Seidenstickerei.
Die Offiziersanwärter (Aspiranten) waren mittels besonderer Abzeichen kenntlicht gemacht. Sie gliederten sich in Einjährig-Freiwillige, Kadetten und Fähnriche (bis 1908): Kadett-Offiziersstellvertreter:
Der Einjährig-Freiwillige („EF“) () war Aspirant der Reserve. Auf den Ärmelaufschlägen kennzeichneten ihn gelbseidene Querborten mit einem schwarzen Mittelstreifen („Intelligenzbörtel“). Zusätzlich durfte seit 1915 auf den Kragenspiegeln (Paroli) ein glatter Metallknopf angebracht werden (Zirkularverordnung vom 30. März 1915). Der „EF“-Knopf war hinter den Rangabzeichen der Titular-Charge zu tragen. Auf den Mantel-Paroli war der Knopf vorne zu tragen (ebenso die Fähnriche seit 1916, die Offiziere den Knopf aber hinten auf dem Paroli). Ansonsten wurden am Mantel keine Rangabzeichen getragen. Knöpfe und Intelligenzbörtel wurden mit Beförderung zum Offizier abgelegt.
Die Kadett-Chargen waren Anwärter zum Berufs- oder Reserveoffizier.Die Kadetten waren nicht zu verwechseln mit dem noch in Ausbildung befindlichen Zögling () einer Militäranstalt. Innerhalb des Kadettenkorps konnte ein Zögling den Rang eines Zögling-Unteroffiziers (; keine wirkliche Militär-Charge) erreichen. Während ihrer Ausbildung zählten sie zu den Mannschaften und trugen deren Rangsterne, rangierten aber vor den Normalchargen gleichen Ranges. Standeszeichen war die zusätzlich getragene Rangborte entlang der vorderen Kragenenden. Diese glich der gezackten Rangborte der Feldwebel, war jedoch goldfarben statt kaisergelb. Bekleidete ein Kadett die Feldwebel-Charge, legte er das kaisergelbe Feldwebel-Rang-Börtchen an, das oberhalb des Goldbörtchens zur Hälfte überstand (die schmale Goldborte wurde auf die breitere Seidenborte aufgenäht, die dann entsprechend hervorragte). Der Kadett-Offiziersstellvertreter wurde 1908 in Fähnrich umbenannt und rangierte nun nicht mehr als Unteroffizier, sondern als Offizier des Soldatenstandes (Zirkularverordnung vom 15. November 1908). Rangabzeichen war ein auf dem Goldbörtchen aufgelegter silber-plattierter (d. h. flacher), seit 1909 ein silber-geprägter (d. h. erhabener) Metallstern (sogenannte ärarische Ausführung).Mit ärarisch wurde die vom Staat gelieferte, also genormte Version bezeichnet Ein Jahr darauf erfolgte die Umbenennung des Kadett-Feldwebels in Kadett, der aber weiterhin zu den Mannschaften zählte. Adjustierung und Abzeichen blieben unverändert. 1916 wurde den Kadetten und Fähnrichen der blanke „EF“-Knopf hinter den Rangabzeichen bewilligt. Die Fähnriche ausgenommen, waren nun die goldenen Kragenborten abzulegen.
Vor allem bei privat angeschafften Uniformstücken ersetzen die Mannschaften, Unteroffiziere und Aspiranten häufig die vorgeschriebenen Rangsterne aus Zelluloid oder geprägtem Metall unerlaubt durch gestickte Versionen aus Seide oder – bei Fähnrichen – aus Metallgespinst. Daneben waren auch Sterne aus Bein anzutreffen.
Helm-Rangabzeichen Die Linienformationen der Kavallerie, Artillerie und der meisten Fußtruppen trugen Helmarten (Tschako, Tschapka, Kammhelm), an dem die individuelle Charge, zumindest aber die Chargengruppe des Trägers abzulesen war. Anders verhielt es sich mit den übrigen Arten der Kopfbedeckung, wie der Feldkappe, dem „Bosniaken“-Fez, dem Helm („Pickelhaube“) (k.k. Gendarmerie, die Leibgarde-Formationen, mit Ausnahme der k.u. Leibgarde), oder dem Jägerhut (Kaiserjäger, Feldjäger, k.k. Landwehr, k.u. Gendarmerie usw., siehe Adjustierung): Die Kopfbedeckungen unterschieden nicht nach einzelnen Chargen, sondern allein nach Mannschaften, Fähnrichen und Offizieren.
Das Gros der Kopfbedeckungen besaß allerdings folgende gemeinsame Merkmale: Die Beschläge bestanden aus Tombak (bei Offizieren vergoldet). Borten und Schnüre (sofern vorgeschrieben) waren bei den Mannschaften aus Schafwolle, bei den Fähnrichen aus gelb-schwarz geritzter Seide (am Jägerhut die Rundschnur aber grün), bei Offizieren aus Goldgespinst. Die Kappenrose am Tschako für Mannschaften aus Tombak, für Offiziere aus Gold-Boullion. Bei der Infanterie das schwarze Feld bei Mannschaften ohne, bei Offizieren mit gesticktem Allerhöchsten Namenszug (die Herrscher-Initialen „FJI“, bei Honvéd-Truppen „IFJ“, ab 1916 „K“). Die Rosette bei Husaren, Artillerie und Ulanen sowie an der Feldkappe aus Metall und für alle Chargen mit den Herrscher-Initialen (bei Mannschaften eingestanzt, bei Fähnrichen und Offizieren gestickt, bei Husaren-Offizieren eine vergoldete Metallrosette). Bei privat angeschaffte Stücken waren auch den Mannschaften vergoldete Beschläge sowie Borten und Schnüre aus Seide erlaubt. Am roten „Bosniaken“-Fez bestand die dunkelblaue Quaste für Mannschaften aus Wolle, für Offiziere aus Seide. Ab 1886 war der Fez nur für Muslime vorgeschrieben (in der entsprechenden Vorschrift „Mohammedaner“ genannt). Alle nicht-muslimischen Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere trugen seitdem den Tschako oder die Kappe.
Am Tschako, an der Ulanen-Tschapka (Ulanen und k.k. Landwehr-Ulanen) sowie am Dragonerhelm kamen besondere Rangabzeichen hinzu. Der Tschako war in den Landstreitkräften am weitesten verbreitet. Als Rangabzeichen besaß er kaisergelbe Wollschnüre oder Borten. Der Gefreite war an einer kaisergelben, schwarz-geritzten 1/5 österreichisches Zoll (~0,5 cm) dicken Rundschnur zu erkennen. Korporale trugen eine 1½ Zoll (~4 cm) breite kaisergelbe dessinierte (= mit Zick-Zack-Muster verziert) Rangborte. Von gleicher Machart und Breite, mittig jedoch von einem 1/24 Zoll (~1 mm) schmalen schwarzen Streifen geteilt, war die Rangborte für Zugsführer, Wachtmeister und Kadett-Offiziersstellvertreter (Fähnriche); für Letztere jedoch aus kaisergelber Seide statt Schafswolle. Bei privat angeschafften Sonderausführungen waren auch Mannschaften und Unteroffiziere Seidenverzierungen erlaubt. Nach ähnlichem Muster, jedoch aus Goldgespinst, waren die Rangborten der Offiziere gestaltet (Leutnant und Oberleutnant wie Korporal; Hauptmann wie Feldwebel, jedoch 4,6 cm breite Borte; Stabsoffiziere zweifach geteilte (also drei-streifige), 6,6 cm breite Borte). Bei Offizieren war ein 1,3 cm breiter Streifen des Sonnenschirms mit Goldfäden bestickt.
Bei der Ulanen-Tschapka waren die Borten auf der Helmkappe nach dem gleichen System gestaltet. Bei Chargen, ab dem Gefreiten aufwärts, waren außerdem die vier Nähte des Tuchbezuges des Deckelhalses mit gelb-schwarzen Schnüren eingefasst (Goldschnüre bei Offizieren), die sich auf der Deckelplatte diagonal kreuzten.
Der Kammhelm der Dragoner besaß keine Borten. Die Unterscheidung der Chargen war festgelegt wie folgt: schwarz lackierte Helmkamm-Seitenbläter für alle Mannschaftschargen bis einschließlich Wachtmeister und Kadett-Offiziersstellvertreter. Bei Korporalen und Zugsführern bestand der Kammansatz aus blankem Tombak, zusätzlich waren bei Wachtmeistern und Kadett-Offiziersstellvertretern (Fähnrichen) die Ränder der Helmseitenblätter dreifach gerippt. Die Seitenblätter der Offiziere waren vergoldet und jeweils mit einem Relief versehen (ein mit einer Schlange kämpfender Löwe).
Das Schuppenband (Kinnriemen) der Helme von Ulanen, Dragonern und Gendarmerie aus Messing, bei Offizieren vergoldet und im Lorbeerblatt-Design, die Offiziersrosette des Schuppenbands mit Löwenkopf-Relief.
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