Dallgow-Döberitz [] ist eine amtsfreie Gemeinde im Osten des Landkreises Havelland in Brandenburg.

Geografie Die Gemeinde Dallgow-Döberitz grenzt im Norden an Falkensee, im Osten an Berlin, im Süden an Potsdam und im Westen an Wustermark.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören der Ortsteil Seeburg Hauptsatzung der Gemeinde Dallgow-Döberitz vom 28. Oktober 2020 und die bewohnten Gemeindeteile Ausbau, Dallgow, Engelsfelde, Neu-Döberitz, Neurohrbeck, Rohrbeck, Seeburg und Sperlingshof.Kommunalverzeichnis der Landesverwaltung Brandenburg Einen Großteil des Gemeindegebiets nimmt die Döberitzer Heide ein.

Geschichte Dallgow wurde erstmals am 20. November 1271 in einer Urkunde erwähnt, in der Ritter Rudolph von Schneitlingen dem Benediktinerinnenkloster Spandau, in das seine Tochter aufgenommen werden soll, sieben Hufen Land im Dorf Dallgow („in villa dalghe“) überlässt. Rudolph hatte das Land als Lehen von den Markgrafen Otto und Albert erhalten; die Markgrafen besaßen die Bede (Steuerrecht), das Obergericht und den Wagendienst in Dallgow.Ursula Kluchert: Dallgow. Chronik eines Dorfes. filum rubrum verlag für regional- und fachliteratur, Dallgow-Döberitz 2009, S. 16 f. Seit dem Mittelalter bestanden Kirchen in Dallgow, Döberitz, Seeburg und Rohrbeck, denen die Spandauer Benediktinerinnen regelmäßig Messwein und Oblate für die Feier der heiligen Messe zur Verfügung stellten.Joachim Pohl: Das Benediktinernonnenkloster St. Marien zu Spandau und die kirchlichen Einrichtungen der Stadt Spandau im Mittelalter. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 1996, ISBN 3-412-03496-7, S. 224.

Dallgow-Döberitz hat in der Neuzeit insbesondere eine militärgeschichtliche Bedeutung. Die Errichtung des Truppenübungsplatzes Döberitz unter Kaiser Wilhelm II. in den Jahren 1892–1895 hat die Entwicklung und das Erscheinungsbild des Ortes über Jahrzehnte hinweg geprägt. Einige der einst dem Militär dienenden Gebäude (Alte Post, Offiziershäuser, Kommandantur) werden heute zivil genutzt. Das Barackenlager (Altes Lager) zur Unterbringung und Versorgung der übenden Truppe ist vollständig aus dem Ortsbild verschwunden. Die Heerstraße als Anschluss zu einer bestehenden Straßenverbindung aus der Mitte Berlins wurde bis zum Truppenübungsplatz ausgebaut, einschließlich der beiden Havelbrücken Stößenseebrücke und Freybrücke. Das ehemalige Truppenübungsgelände ist heute Naturschutzgebiet.

Dorf Döberitz mini|links|hochkant|Johann Christoph von Woellner. Motiv: Johann Friedrich Schleuen (1739–1784). Döberitz war lange Zeit ein idyllischer und friedlicher Ort, umgeben von dichten Kiefernwäldern. Im Jahre 1713 wurde eine neue Kirche errichtet, nachdem dort bereits vor der Reformation eine Kirche bestanden hatte. Das Dorf war lange Sitz eines Rittergutes, bedingt durch die Entwicklungen am Rand von Potsdam und Berlin mit häufigem Besitzerwechsel. Erwähnung fanden Heinrich und Levin Ludwig von der Gröben, von denen im Mai 1706 der ein Jahr zuvor geadelte Geheime Staatsminister Christoph von Katsch Gut Döberitz erwarb. Er war es auch, der 1712–1713 die Döberitzer Kirche gänzlich neu ausführen und ausstatten ließ. Die Einrichtung des Kirchgebäudes war vielfältig an Anspielungen und Wappen der Familie von Katsch gestaltet und kam wesentlich später, infolge der Räumung des Dorfes, nach Ferbitz, folgend nach Haage. Katsch wurde in Döberitz bestattet. In DöberitzUta Wiggermann: Woellner und das Religionsedikt. Kirchenpolitik und kirchliche Wirklichkeit im Preußen des späten 18. Jahrhunderts. In: Beiträge zur historischen Theologie. 150, Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 2010, S. 7. aufgewachsen war Johann Christoph von Woellner, dessen Mutter eine Nichte von Katsch war. Der 1771 in Berlin verstorbene Geheime Rat und Domdechant von Brandenburg Karl Friedrich Freiherr von Börstel, verheiratet seit 1756 mit Sabine Elisabeth von Bredow-Ze(e)stow, war BesitzerGeschichte des Geschlechts v. Bredow. Theil III: Das Bredower Haus umfassend. Hrsg. Geschlechtsgenossen (Familienverband), Waisenhaus (Franckesche Stiftungen), Halle 1872, S. 289. der Güter Döberitz und Ferbitz. Hervorzuheben ist dann die Familie von Schaetzel, als Gutsbesitzer vertreten durch den Kommandeur des Elite-Regiments der Gardes du Corps mit Garnison in Potsdam, Oberst Carl Heinrich von Schaetzel.Kurd Wolfgang von Schöning: Geschichte Des Königlich Preussischen Regiments Garde du Corps zu seinem hundertjährigen Jubelfeste. Verlag Unger, Berlin 1840, S. 83, S. 118 f., S. 121 f., S. 124, S. 126, 135, 138, S. 300. Schaetzel starb 1780 in Döberitz und wurde hier beerdigt.Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. Jahrgang XV, No. 3, Hrsg. Herold (Verein), Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin, März 1884, S. 39. Den Schaetzels folgte die Gutsherrin Ernestine Caroline Gräfin von Eickstedt-Peterswaldt, und Freiin von der Reck. Um 1817 trat der Holzkaufmann Christoph Gottfried Rogge (1765–1848) als Käufer an, Erbe August Rogge (1797–1865). Ihm wird der Bau des so genannten Ananashauses im Gut zugeschrieben, auch Erweiterungen des Gutshauses und des Parks.Vgl. Almut Andreae, Udo Geiseler (Hrsg.): Die Herrenhäuser des Havellandes. Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart. Lukas Verlag, Berlin 2001, S. 105. Ende des 19. Jahrhunderts war ein Hauptmann a. D. Rogge der Gutsherr, Besitz 983 ha, davon 869 ha Wald.Paul Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. Mit Angabe der Besitzungen, ihrer Grösse (in Culturart), ihres Grundsteuer-Reinertrages, ihrer Pächter, Industriezweige und Poststationen. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. I: Das Königreich Preussen. I. Lieferung: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 82 f. Spätestens 1895 kam es zum Zwangsverkauf der Familie Rogge an den Fiskus.

Als im Jahre 1892 das preußische Militär das Gelände für einen neuen Truppenübungsplatz beanspruchte, mussten alle Einwohner ihr Dorf verlassen. Die zurückgelassenen Gebäude des Dorfes wurden jedoch zunächst nicht abgerissen. Die ehemaligen Bewohner durften ihr Dorf auf dem Übungsplatz auch weiterhin für noch lange Zeit in übungsfreien Zeiten besuchen. 1914 beinhaltete der Truppenübungsplatz des Militärfiskus amtlich 4170 ha.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 66 f.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf ab 1945 für eine kurze Zeit wieder neu besiedelt. Mit der Bodenreform in der DDR wurden die über 4000 ha des Truppenübungsplatzes Döberitz enteignet und als Land an die sogenannten Neubauern verteilt und wieder landwirtschaftlich genutzt, wobei um 1952 auch eine neue Hofstelle entstand. Dieser Übungsplatz wurde jedoch bald wieder vom Militär, der Sowjetarmee, beansprucht, denn 1957 enteignete man die betroffenen Bewohner, die Döberitz innerhalb kürzester Zeit wieder verlassen mussten. In den Folgejahren wurden die Gebäude bis auf wenige Mauerreste und Fundamente abgetragen. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1991 ist die ehemalige Dorfstelle aufgrund der Gefahren unzugänglich geblieben. auf: Döberitzer-Heide.de. Seit 2004 befindet sich das gesamte Gebiet im Besitz der Heinz Sielmann Stiftung, die hier eine eingezäunte Wildnis-Kernzone errichtete. Seit 2009 liegt die ehemalige Dorfstelle ohne öffentlichen Zugang inmitten dieser Wildnis-Kernzone. auf: Sielmann-Stiftung.de. Die alte Haupt-Zufahrtsstraße von Dallgow nach Döberitz und von dort weiter nach Krampnitz, die fälschlicherweise noch heute in fast allen Landkarten als Nebenstraße eingetragen ist, ist heute nur noch fragmenthaft erhalten und dient auf dem kurzen besterhaltenen Teilstück vom Dallgower Sperlingshof bis vor dem Zaun der Wildnis-Kernzone als Wanderweg.

Olympisches Dorf für die Sommerspiele 1936

In Dallgow errichtete man in den Jahren von 1934 bis 1936 ein olympisches Dorf, welches heute zu großen Teilen nur noch als Ruine erhalten ist und im Zuge der Gebietsreform in den 1990er Jahren, unter dem Protest der Dallgower Gemeindevertretung, der Nachbargemeinde Wustermark zugeschlagen wurde – Wustermark führt nun die olympischen Ringe im Wappen.

Militärgeschichte

Die militärische Nutzung des Gebietes um das Dorf Döberitz wurde 1713 unter Friedrich Wilhelm I. aufgenommen. Im September 1753 folgte unter Friedrich II. dort ein erstes Großmanöver, das zur Irreführung des Auslandes während des Siebenjährigen Kriegs in der Literatur verfälschend dargestellt, mit bereits 44.000 Soldaten abgehalten wurde.

Bis 1890 wurden Schießübungen der Berliner und Potsdamer Truppen auf dem Schießplatz in Tegel durchgeführt. Wegen der Mängel des Platzes forderte die preußische Heeresführung ein ständiges Trainingsgelände. Der damalige Chef des Generalstabes vom Gardekorps entschied sich für das Gelände um Döberitz. 1892 wurde der damalige Generalstabsoffizier von Bredow mit der Geländebesichtigung und der Festlegung der Grenzen beauftragt. Die Landvermessungen und die Verhandlungen des Militärfiskus mit den betroffenen Gemeinden begannen 1893, und bis 1894 wurde dafür vom Militärfiskus das Gelände einer erworbenen Fläche von ca. 4.400 Hektar um Döberitz requiriert. Das Dorf musste verlassen werden, das umliegende Gelände wurde großflächig gerodet. Auf Geheiß des Militärs baute man die Heerstraße (heutige B 5) als direkte Verbindung zwischen Berlin und dem Truppenübungsplatz aus.

mini|hochkant|Obelisk auf dem Truppenübungsplatz, den Kaiser Wilhelm II. errichten ließ, wurde durch Vandalismus stark beschädigt (2012) mini|Barackenlager Döberitz vor 1900 mit den ersten Wellblechbaracken mini|Truppenübungsplatz, die sogenannte „Wüste“ Döberitz 1904

Anfänglich in Großzelten untergebracht, wurden die Soldaten – mit Zwischenstation in Wellblechbaracken – bis 1914 in feste Häuser umgesiedelt. Das Lager, Barackenlager genannt, entstand an der Berlin-Hamburger Chaussee zwischen Rohrbeck im Westen und Dallgow im Osten. Ab 1910 wurden in Döberitz auch Flugversuche unternommen und, ebenfalls bis 1914, daraufhin Fliegerkasernen und der Flugplatz gebaut. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Lager auch Internierungs- und Kriegsgefangenenlager, zuerst als Teil des Barackenlagers (Neulager) selbst, ab 1915 in zwei eigens neu gebauten Lagern bei Rohrbeck und Dyrotz. Insgesamt waren bis Oktober 1918 dort mehr als 30.000 Gefangene aus 7 Nationen inhaftiert. Nach 1918 von der Interalliierten Militär-Kontrollkommission überwacht, wurden viele kriegstechnischen Anlagen (darunter z. B. der erste Flugsimulator) demontiert oder zerstört.

Militärgeschichtlich relevant ist neben der ursprünglich allein für Infanterie, Artillerie und Kavallerie gedachten militärischen Ausbildungsstätte Döberitz, dass die deutsche Militärluftfahrt mit der ersten „Provisorischen Fliegerschule“ 1910 in Dallgow-Döberitz ihren Anfang nahm.