Heinz Beberniß (* 29. Juli 1920 in Diemitz, heute Ortsteil von Halle (Saale); † 14. Mai 2012 ebenda) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Grafiker.

Leben und Wirken Heinz Beberniß’ Vater Heinrich Beberniß (1894–1985) war als Lehrer der Werkstatt für Wandmalerei am Bauhaus in Weimar und später an der Burg Giebichenstein tätig.Großer Bruder stützt die Ikarus-DDR. In: Mitteldeutsche Zeitung, 4. Januar 2001 Heinz Beberniß studierte von 1937 bis 1939 an der „Burg“ bei Gustav Weidanz und Herbert Post. Ab 1947 war er freischaffender Künstler in Halle (Saale). 1948 war er auf der Großen Kunstausstellung Sachsen-Anhalt in Halle vertreten. Gefördert wurde seine Arbeit ab den 1960er Jahren durch Aufträge der Leunawerke.Mir gefällt meine Ausstellung. In: Mitteldeutsche Zeitung, 8. September 2005. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Vereinigung hallescher Künstler (VhK). 1958–1974 war er Vorsitzender der Sektion Bildhauer in der Bezirksorganisation Halle/Saale des VBK der DDR. Er hatte in der der Zeit der DDR im In- und Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. 1958/1959 und 1962/1963 an der Vierten und Fünften Deutschen Kunstausstellung und 1972/1973 und 1977/1978 an der VII. und VIII. Kunstausstellung der DDR in Dresden.

Heinz Beberniß war in künstlerischer Partnerschaft mit Walter Opitz, Otto Nagel, Arno Mohr und Fritz Cremer verbunden. In den letzten Lebensjahren gab er sein Atelier auf und widmete sich vor allem der Malerei. Weithin fast unbekannt sind seine Ölbilder, Aquarelle und Federzeichnungen. Diese Facette im Wirken von Heinz Beberniß konnte in Berlin betrachtet werden. Der Künstler wurde mit der Innengestaltung von öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern, Seniorenheimen und Gaststätten beauftragt. Dazu gehörten die Innengestaltung der ehemaligen Großgaststätte Ahornblatt auf der Berliner Fischerinsel (abgerissen), in den heutigen Kursana-Seniorendomizilen, Berlin-Ost, sowie im Außenministerium der DDR in Berlin-Mitte (abgerissen).

mini|Die Lesende in Halle (Saale) Beberniß schuf über 370 Plastiken (Stand: 2001), darunter Statuetten und andere Kleinplastiken, Großplastiken, Stelen und Brunnen. In Halle und Leuna finden sich zusammen über 20 seiner Kunstwerke im öffentlichen Raum. Form und Material variieren stark, reichen von halbabstrakten Großgebilden (Beispiel: Tulpenbrunnen in Halle-Neustadt) über stämmige Sportler (Beispiel: Kugelstoßer in Halle-Neustadt) bis hin zu zarten Frauenfiguren (Beispiel: die Lesende auf der Ziegelwiese in Halle).

mini|Fäuste auf dem Riebeckplatz in Halle (Saale) Abgerissen wurden im Juli 2003 die Fäuste auf dem Riebeckplatz in Halle (Saale), nachdem es um die Art und Weise monatelangen Streit gegeben hatte.Für Fäuste-Abriss fehlt Erlaubnis. In: Mitteldeutsche Zeitung, 20. November 2002Staubiges Finale im Faustkampf. In: Mitteldeutsche Zeitung, 25. Juli 2003 Der erste Antrag dafür stammt aus dem Jahr 1997. Hauptkritikpunkt war damals, dass sie bedrohlich wirken würden.„Fäuste“ sollen verschwinden. In: Mitteldeutsche Zeitung, 19. Juli 1997.

Gestohlen wurde 1995 die Plastik Usbekisches Mädchen, die sich Am Gastronom in Halle-Neustadt befandPlastik spurlos verschwunden. In: Mitteldeutsche Zeitung, 14. Juli 1995.Bronzeplastik schon öfter verschwunden. In: Mitteldeutsche Zeitung, 15. Juli 1995. und 1992 Lehrende und Lernende in Teutschenthal.Hans und Erika waren kopflos. In: Mitteldeutsche Zeitung, 10. April 1997. Opfer von Vandalismus wurde die Figurengruppe Völkerfreundschaft in Halle-Neustadt, der man 1997 einen der Köpfe abschlug. Schon mehrfach abgebaut wurde die Lesende in Halle (Saale) (zuletzt Notbergung nach Diebstahlsversuch im Juli 2007),Parkplatz für steinerne Kunst. In: Mitteldeutsche Zeitung, 7. August 2003Plastiken in Park in Halle abgesägt. In: Mitteldeutsche Zeitung, 16. Juli 2007 doch wurde sie 2009 wieder aufgestellt.„Vater und Sohn“ zurück auf der Ziegelwiese. In: Mitteldeutsche Zeitung, 28. November 2009.

Das Kunstwerk Studentisches Paar wurde 1987 als Auftragswerk der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geschaffen, doch dann vergessen und erst 2007 übergeben.Kinder der Sehnsucht sind heimgekehrt. In: Mitteldeutsche Zeitung, 1. Juni 2007. Auch 2009 hat es keinen Aufstellungsort gefunden. Einen ähnlichen Vorgang gibt es in Thale, wo die Beberniß-Plastik Der Lesende eigentlich vor die Bibliothek gestellt werden sollte, doch dann auf einem Schulhof landete. Ihre Umsetzung wurde diskutiert, aber nicht realisiert.Streit in Thale um einen Bronzemann. In: Mitteldeutsche Zeitung, 3. Februar 2005.Die "Leseratte" soll im Käfig bleiben. In: Mitteldeutsche Zeitung, 5. Mai 2005. Um das Ernst-Thälmann-Denkmal in Dessau rankt sich diese Geschichte: Aus Angst vor Beschädigung rettete man die Büste und stellt sie nur am Geburtstag des KPD-Politikers auf.Thälmanns Kopf fest verschraubt. In: Mitteldeutsche Zeitung, 18. April 1997. Beseitigt (eingelagert) wurden zudem die drei Reliefplatten Beberniß’ im Leunaer Ortsteil KröllwitzGedenkstein kommt auf einstigen Platz. In: Mitteldeutsche Zeitung, 17. Oktober 1995. und der Soldat der Nationalen Volksarmee im Plastik-Park in Leuna.

Ehrungen 1960 Händelpreis des Bezirkes Halle

1962 und 1972 Kunstpreis der Stadt Halle in Silber bzw. in Gold 1971 Kunstpreis von Halle-Neustadt 1974 Gottfried-August-Bürger-Ehrenpreis 1988 Erdmannsdorf-Ehrenplakette der Stadt Dessau

Werkbeispiele

Arbeitender Bergmann in der Querfurter Straße in der Lutherstadt Eisleben, 1950 Tischler in der Frankfurter Allee in Berlin, 1954–1955 Tierplastikgruppe Geiseltalbrunnen in Merseburg-Süd, 1956 Kranichgruppe in Eisenhüttenstadt, 1958 Knabe mit Fohlen im Hohen Weg in Halle-Kröllwitz, 1959 Ernst-Thälmann-Büste in der Gropiusallee in Dessau, 1960er Chemiewerker im Park mit Plastiken in Leuna, 1960 Soldat der Nationalen Volksarmee im Park mit Plastiken in Leuna, 1960 Lesendes Mädchen heute im Park vor dem Haupttor der Leunawerke in Leuna und auf der Ziegelwiese in Halle sowie auf dem iga-Gelände in Erfurt, 1961; Guss durch die Bronzebildgießerei Noack, Leipzig Student (Lesender) auf dem Schulhof des Gymnasiums in Thale, 1961 Schlosserin Christine heute im Park vor dem Haupttor der Leunawerke in Leuna, 1963 Mädchen aus Samarkand mit Brotfladen in Chemnitz, 1964 Professor mit Student in der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle (Saale), 1964 Liegender weiblicher Akt vor dem Ärztehaus in Sangerhausen, 1965 Mädchen mit Blume heute im Park vor dem Haupttor der Leunawerke in Leuna, 1966 Völkerfreundschaft Ernst-Barlach-Ring in Halle-Neustadt 1967 & 1972 Monument der revolutionären Arbeiterbewegung („Fäuste“; mit Gerd Lichtenfeld und Sigbert Fliegel) auf dem Riebeckplatz in Halle (Saale), 1970Staubiges Finale im Faustkampf. In: Mitteldeutsche Zeitung, 25. Juli 2003 (Bericht zum Abriss des Denkmals am 24. Juli 2003)

Gottfried-August-Bürger-Büste vor dessen Geburtshaus in Molmerswende, 1971–1972 Carl-Schorlemmer-Denkmal Technische Hochschule Merseburg 1971–1972 Porträt Bunsen Technische Hochschule Merseburg 1971 Kugelstoßer in der Nietlebener Straße in Halle-Neustadt 1972 & 1982 Freizeit-Stele an der Südpromenade in der Südstadt von Halle (Saale) und in Hettstedt 1972–1973 Ärztebrunnen vor dem Ärztehaus in Leuna 1974–1978 Ikarus im Südpark in der Südstadt von Halle (Saale), 1977–1978 Tulpenbrunnen in Halle-Neustadt, 1978 Stele Stadtgeschichte Sondershausen, 1989 Denkmal Zerstörung-Befreiung-Wiederaufbau der Stadt Dessau in der Dessauer Heidestraße, 1988 Klagender auf dem Gertraudenfriedhof in Halle (Saale)

Weitere Werke finden bzw. fanden sich in Halle (mindestens fünf weitere), Leuna (mindestens drei weitere), Merseburg, Leuna-Kröllwitz, Suderode (2), Oberhof, Dessau (2), Gernrode (2, darunter die Plastik Junge Familie), Nordhausen (2), Schwerin-Lankow, Bad Dürrenberg, Thale, Zeitz, Quedlinburg, Beesenstedt, Teutschenthal, Greifswald, Leipzig und Berlin (2).

Zudem zahlreiche Werke im nichtöffentlichen Bereich bzw. in Museen.

Weblinks

Heinz Beberniß – der große Zufriedene. In: Mitteldeutsche Zeitung, 18. Juni 2005 (Besuch beim Künstler anlässlich einer Ausstellung in Halle (Saale)) Kinder der Sehnsucht sind heimgekehrt. In: Mitteldeutsche Zeitung, 1. Juni 2007 (mit Foto des Künstlers mit dem Studentischen Paar) Werke von Beberniß in Halle (Saale) und in Leuna Heinz Beberniss – ZEITKUNSTGALERIE Info-Mail Kunsthandel Dr. Wilfried Karger

Literatur Allmuth Schuttwolf: Hallesche Plastik im 20. Jahrhundert. (Diss.) Halle (Saale) 1981. Christel Gerhardt/Andreas Kahl: Kunst im öffentlichen Raum. Stadtteil Halle-Neustadt, Halle (Saale) 2001. Josef Münzberg/Gerhard Richter/Peter Findeisen: Architekturführer DDR. Bezirk Halle, Berlin 1977. Saur. Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 8 (Bayonne-Benech). München/Leipzig 1994. Der Saalestadt treu geblieben Bildhauer feierte 75. Geburtstag. In: Mitteldeutsche Zeitung, 31. Juli 1995. Wo barocke Brüste zum Streicheln verleiten. In: Mitteldeutsche Zeitung, 23. Oktober 1999 (Bericht anlässlich einer Ausstellung in Merseburg). Zwischen Schredder und Rettung. In: Mitteldeutsche Zeitung, 22. Februar 2003 (Detailinformationen zu den Fäusten in Halle (Saale)). Beberniß, Heinz. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 53.

Einzelnachweise

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