Zirkel 200px|Zirkel der AV Welfen Beschreibung der Verbindung Standort: Zürich Schulen: Universität Zürich ETH Zürich Zürcher Fachhochschulen Gründung: 8. November 1921 in Zürich Verband: Schweizerischer Studentenverein Kürzel: WE! Wahlspruch: Nec timere nec terrere! Farben: 50px|Farben der AV Welfen Mitglieder: 379 (Stand Dez. 2009) Internetauftritt: www.avwelfen.ch/ Die Akademische Verbindung Welfen (AV Welfen) ist eine 1921 gegründete Studentenverbindung in Zürich, die dem grössten Akademikerverband der Schweiz, dem Schweizerischen Studentenverein (SchwStV) angehört. Der Verein zählt nach eigenen Angaben zu den mitgliederstärksten Verbindungen der Schweiz, bestehend aus ehemaligen und aktiven Studentinnen und Studenten der Zürcher Hochschulen (Universität, ETH, Fachhochschulen) (Stand 2009).

Geschichte Umfeld und Gründung Die Akademische Verbindung Welfen wurde am 8. November 1921 in der Scheuchzerstube von fünf Mitgliedern der Akademischen Verbindung Fryburgia und zwei Mitgliedern der Stanser Gymnasialverbindung Struthonia gegründet. Sie entstand im Zuge der Reformbewegung innerhalb des Schweizerischen Studentenvereins und ist als solche der Abschluss eines mehrjährigen Ringens um eine Reformsektion in Zürich.

Die Reform des Schweizerischen StudentenvereinsDer Kleine Riesenkampf, S. 12 f.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Dachverbänden von Studentenverbindungen, die als Zusammenschluss ihrer Mitgliedsvereine gegründet wurden, wurde der Schweizerische Studentenverein von Beginn weg als Dachverband gegründet. Aufgabe eines Mitglieds des Schweizerischen Studentenvereins war, nach Beginn eines Studiums in eine Verbindung desselben Dachverbandes am neuen Studienort einzutreten oder in Ermangelung einer solchen eine neue Sektion zu gründen. Im Laufe der Zeit und mit dem Wachstum des Gesamtvereins (also Schw StV) wurden die Sektionen immer stärker und selbständiger, und der Einfluss des Gesamtvereins liess nach. Insbesondere von deutschen Verbindungen wurden Sitten und Utensilien übernommen, eine Einführung eines Comments im Gesamtverein wurde allerdings, nach Ausarbeitung eines solchen, an der Generalversammlung 1878 stillschweigend nicht behandelt – das Ausleben eines solchen wurde den Sektionen überlassen.

Die Trinksitten empfanden viele als unschweizerisch, insbesondere der aufwändige Pomp, das zeitintensive Couleurstudentenleben und der damit einhergehende Alkoholkonsum wurde ab 1883 zunehmend kritisiert: So riefen die Schweizer Bischöfe in einem Bettagsmandat 1883 die Studenten zur Mässigung im Alkoholkonsum auf und verlangten die Abschaffung des Trinkzwangs. 1897 forderte der Alt-Zentralpräsident (aCP) de Montenach die Reform des Vereins: «[Für de Montenach] ist das barocke äussere des Vereins ein Greuel, Luxus die studentische Garderobe, Verschwendung die schwere Seide der Banner, Äusserlichkeit das öffentliche Auftreten, ermüdender Ballast der Kommers».Grüter: Histoire de la Société des Étudiants Suisses, S. 379

An der Generalversammlung 1916 in Zug, auch unter dem Einfluss des Ersten Weltkrieges, wurde der Trinkzwang abgeschafft. Allerdings hielten sich die hauptsächlich angesprochenen deutschsprachigen Hochschulverbindungen – die späteren «Blockverbindungen» – nicht an die Zuger Beschlüsse. Das Zentralkomitee (CC) des SchwStV erlaubte darauf im Vereinsjahr 1916/17 die Bildung von Sektionen mit reduziertem Betrieb.

Die Reform in Zürich50 Jahre Welfen Zürich – Festschrift, S. 13–35

In einem Bericht in der offiziellen Vereinszeitschrift Monatsrosen (heute: Civitas) des SchwStV wies die 1917 in Bern gegründete Reformverbindung AV Berchtoldia darauf hin, dass in Zürich mehr als 20 StVer (Mitglieder des Schw StV) dem Verein fernblieben. Eine Umfrage im Altherrenverband (AHV) Turicia-Kyburger, den damals bestehenden Zürcher StV-Verbindungen ergab: Sind sie mit der Gründung sogenannter Reformverbindungen einverstanden? j:24, n:57, e:4 Stimmen sie der Bildung von nichtfarbentragenden Verbindungen im SchwStV zu? j:23, n:62, e:0 Am 8. November 1921 treffen sich 7 StVer (5 Fryburger, 2 Struthonen), um die Neugründung einer Sektion des SchwStV in Zürich zu besprechen. Als Initiant gilt dabei Johann Baptist Manser, späterer Prof. Dr. med et lic. iur, der sich als erster Senior zur Verfügung stellt. Am 15. November verpflichten sich 26 Mann zur Mitgliedschaft, das erste provisorische Komitee wird gewählt, drei Mitglieder sollen Statuten ausarbeiten. Als Programm gilt: Abbau: Weg mit der finanziellen Überbelastung, weg mit Trinkzwang, mit dem übertriebenen Comment. Aufbau: Förderung des gesellschaftlichen Lebens nach innen, Pflege einer herzlichen, ungezwungenen Gemütlichkeit durch Gesänge und Spiel, Pflege einer wahren Freundschaft, mehr Fühlungnahme mit dem Volke, Betätigung auf caritativem Gebiet, im Vinzenzverein.

Nach der eigentlichen Gründung ersuchte die junge Verbindung um Aufnahme im Gesamtverein. Während ein Willkommensgruss der Berner Reformverbindung Berchtoldia Begeisterungsstürme auslöst, verpflichtet die Freiburger Reformverbindung AV Fryburgia ihre Mitglieder per Beschluss zum Beitritt bei den Kyburgern. Eine erste Eingabe an das Zentralkomitee (CC) wird noch im selben Jahr (jedoch noch nicht endgültig) abgewiesen. An einer Tagung im neuen Jahr – am 4. Januar 1922 in Zürich verweigert das CC den Antrag der drei engagierten Vertreter der neuen Verbindung und entscheidet im Sinne des Zürcher Blocks – der AV Turicia und der AKV Kyburger. Die neue Verbindung lässt sich nicht beirren, sie wählt im Februar ihren Namen: Akademische Verbindung Welfen, dem Adelsgeschlecht der Welfen nachempfunden.Die Mitglieder mobilisieren ihre Freunde allerseits, insbesondere bei den Berchtoldern, der Fryburgia, die sich nun auf deren Seite stellt, und der GV Struthonia. Bei einer weiteren Tagung im Juli prallen die Gegensätze Block und Reform erneut aneinander, eine Einigung kommt nicht zustande. Die Blockverbindungen wollen dabei nichtfarbentragende Verbindungen im Gesamtverein zulassen, lehnen allerdings die Reformsektionen als gescheitertes Experiment ab. Die Reform verlangt nichts Geringeres als ihre Anerkennung und Aufnahme in den Schweizerischen Studentenverein. Nach hitzigen Debatten an der Generalversammlung 1922 in Luzern fasst die Versammlung den Beschluss, die Gründung einer farbentragenden Verbindung mit reduziertem Kommentbetrieb auf dem Platz Zürich zu erlauben. Im selben Jahr erhält die AV Welfen die Anerkennung durch den Rektor der Universität Zürich.

1923 führen die Welfen einen Ball durch, der ihnen zum Dank einen geschnitzten Stuhl für den Senioren einbringt – gesponsert von den Damen der Verbindung, den Frauen und Freundinnen der Mitglieder. Der Ball der Welfen, schon im ersten Semester, findet in Theologenkreisen Kritiker. Ein Fahnenfonds wird geöffnet, für die GV werden Schärpen gekauft. Der 1925 gegründete Altherrenverband (AHV), in dem die Mitglieder nach Studienabschluss Aufnahme finden, spendet der jungen Verbindung die ersten Fläuse zur Fahnenweihe. Bei jeder Einführung eines solchen Verbindungsutensils wird eine grosse Diskussion geführt, ob dies nicht Verrat an den Grundsätzen sei. Als der Gründer Johann Baptist Manser 1927 in den Altherrenbund übertritt, mahnt er, der Bestand der Verbindung sei noch keinesfalls gesichert, man müsse mit aller Energie dafür sorgen, dass ihre Daseinsberechtigung, die Ideale der Gründer nicht illusorisch würden.

Kriegswirren und Trennung In die Zeit einer Annäherung von Block und Reform auf dem Platz Zürich Anfang der 1930er Jahre kommt für die Mitglieder der jungen Verbindung eine neue, politisch brisante Lage in Europa, welche sich je länger desto mehr zuspitzt. An den Welfen gehen die Zeichen der Zeit auch nicht spurlos vorbei, wie einige Beschlüsse und Anlässe zeigen. Am 23. Mai 1933 wird eine Resolution gegen das vom CC ausgesprochene Verbot des Eintritts in die Fronten beschlossen, welche schon einen knappen Monat später wieder zurückgezogen wird. Ein Mitglied spricht am Nikolaustag 1933 über «arische Rasse und Jugendprobleme», während gleichzeitig die Farbenfrage wieder in den Vordergrund gestellt wird – einige Mitglieder äussern Bedenken am üblichen Tragen der Verbindungsfarben an der Hochschule in den finanziell schwierigen Zeiten infolge der Weltwirtschaftskrise. Pomp und Verschwendung sei in den Köpfen der Leute immer noch mit dem Couleur verbunden. Dennoch überwiegt die Meinung, Couleur sei gerade wegen der Verhältnisse in Deutschland und Österreich ein politisches und religiöses Bekenntnis.

Während die Welfen ihre Differenzen mit den Turicern und Kyburgern beilegen können – sie nehmen am 75-Jahre-Jubiläum der Turicia 1935 und 2 Jahre darauf am 25-Jahre-Jubiläum der Kyburger teil – werden die Themen in der Verbindung immer politisch brisanter. Im Mai 1936 steigt ein Vortrag über «aktiven und passiven Luftschutz», am Ende des gleichen Jahres gleich fünf über «Werden, Wesen, Formen, Taktik und Abwehr des Bolschewismus». Ein Mitglied spricht dabei über «nationale Erneuerung», stellt ein «Versagen der Systemregierung» fest und redet von einer «straffen organisatorischen Zusammenfassung aller aufbauwilligen Kräfte, vorab der national eingestellten Jugend». mini|380px|Mitgliederzahlen der AV Welfen 1921–1946 Der Wille zu Engagement zeigt sich auch darin, dass die Welfen mit Alexander Bannwart v/o Mephi 1937 ihren ersten Zentralpräsidenten und mit Theo Keller v/o Schmacht ein Mitglied des Ehrenmitgliederverbandes (EMV) stellen. Schmacht will sich gemäss seiner Antrittsansprachedarum bemühen, «alle unsere Ehrenmitglieder dazu zu bringen, dass sie ihr bestes und möglichstes tun, damit unser Lebensbund nie Stunden der Erniedrigung und [...] der Schmach erleben, wie sie unsere Schwesterverbände im Norden und Osten […] 1933 und 1938 erleben mussten». Er spricht dabei vom Verbot des Österreichischen Cartellverband und der Selbstauflösung des deutschen Cartellverbands unter dem Druck der Verhältnisse.

Nachdem das CC 1939 die neu gegründete Reformverbindung AV Froburger in Basel anerkannt hat, stellen sich die Welfen bei der Aufnahme an der Generalversammlung 1940 in Freiburg kompromisslos hinter die neue Verbindung. Die Sache beschäftigte die Convente der Welfen noch über Jahre hinweg. Während die Schweiz nun auch vom Krieg betroffen ist, sucht die Verbindung zu ihren eingezogenen Mitgliedern an der Front durch Briefe Kontakt zu halten. Die Farbenfrage verschärft sich, nachdem im November 1939 das Farbentragen nur für Stämme und offizielle Anlässe beschlossen wird, revidiert man den Entscheid schon im Januar 1940 wieder. Die Aussage «An der Front die Stahlhelme, die Mütze im Hinterland» fällt. Eine Feier zum 20-jährigen Jubiläum entfällt. Während Mobilmachungen teilweise Umstellungen in den Komitees erzwingen, findet die Verbindung regen Zulauf. 1945 zählen die Welfen 30 Füxe, wie die Neumitglieder genannt werden, die Aktivitas zählt 1946 schon 80 Mitglieder.

Die Verbindung beschäftigt sich intensiv mit den Problem, welche allzu grosse Mitgliederzahlen mit sich bringen und kommt zum Schluss, dass die Verbindung zu teilen sei. Der Altherrenverband spricht sich für eine Teilung der Verbindung aus – eine Teilung des Altherrenbunds wird verworfen. Am 26. April 1946 wird die Teilung der Verbindung definitiv beschlossen – die Verbindung Neu-Welfen aus der Taufe gehoben, die Altherrenschaft bleibt vorerst gemeinsam, und ein Kartell mit Kartell-Senior geschaffen. Der Kartellvertrag sieht einen gemeinsamen Altherrenverband, enge Zusammenarbeit und gemeinsame Anlässe vor. Die Aufnahme von Neumitgliedern wird künftig erschwert; man kann es sich leisten, Interessenten abzulehnen und auch etwa Burschenexamen als Abschluss der Fuchsenzeit werden ausgeweitet, 1947 führt man so eine Branderwoche ein.