Leichtathletik bei denXXIII. Olympischen Spielen zentriert|80px|Olympische Ringe 80px|Leichtathletik Informationen Datum: 3. bis 12. August Wettkampfort: Austragungsort: Los Angeles Memorial Coliseum Entscheidungen: Männer: 24/Frauen: 17Official Report of the Games of the XXIIIrd Olympiad Los Angeles, 1984, Volume 2, Competition Summary and Results, S. 254–292, englisch/französisch (PDF, 41.082 KB), abgerufen am 20. November 2021 ← Moskau 1980 Seoul 1988 → 200x200px|Logo der Olympischen Spiele 1984 Olympische Spiele 1984Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Total 1 16 16 9 41 2 4 2 5 11 3 3 7 6 16 4 3 3 4 10 5 3 1 2 6 6 2 1 1 4 7 2 1 – 3 8 2 – – 2 9 1 1 1 3 10 1 – 2 3 1 – 2 3 12 1 – 1 2 13 1 – – 1 1 – – 1 15 – 2 3 5 16 – 2 1 3 17 – 1 2 3 18 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 22 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 Bei den XXIII. Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles fanden in der Leichtathletik 41 Wettkämpfe statt – davon 24 für Männer und 17 für Frauen. Austragungsort war das Los Angeles Memorial Coliseum.
Teilnehmer und Boykott Die Olympischen Spiele in Los Angeles waren nicht die ersten von einem Boykott betroffenen Spiele. Einen vorläufigen Höhepunkt hatte es bei der Vorgängeraustragung 1980 in Moskau gegeben, als das jetzige Ausrichterland USA Initiator eines Boykottes war, dem sich mehrere Länder – u. a. auch die Bundesrepublik Deutschland – angeschlossen hatten. Nun kam die Retourkutsche der Sowjetunion, der sich die meisten Nationen anschlossen, die dem Warschauer Pakt angehörten. Ausführliche Informationen dazu finden sich im allgemeinen Teil zu den Olympischen Spielen 1984.
Wie in vielen anderen Sportarten auch führte der Boykott dazu, dass zahlreiche Favoriten und Weltklasseathleten nicht am Start waren. Besonders fehlten die Leichtathleten aus der UdSSR und der DDR, die in den letzten Jahren gemeinsam mit den Vereinigten Staaten regelmäßig zu den weitaus erfolgreichsten Nationen gehört hatten. Darüber hinaus machte sich das Fehlen der Sportler aus Polen, der Tschechoslowakei und Bulgarien bemerkbar.
Stadion mini|Das Los Angeles Memorial Coliseum während eines400-Meter-Laufs bei den Olympischen Spielen 1984 Das Los Angeles Memorial Coliseum war bereits Austragungsort der Leichtathletikwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 1932. Auch andere Sportarten, v. a. American Football, und wichtige öffentliche Großveranstaltungen wurden dort ausgetragen. Für die 1984er Spiele wurde die Sportanlage umgebaut und modernisiert. Unter anderem wurde eine komplett neue Laufbahn eingebaut, die den modernsten Ansprüchen gerecht wurde. Auch die Zuschauerkapazität wurde noch einmal deutlich erhöht.Los Angeles Memorial Coliseum: The Story of an L.A. Icon, discoverlosangeles.com, abgerufen am 9. Dezember 2017
Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot gab es drei Erweiterungen und eine Änderung. Alle Neuerungen betrafen alleine die Frauendisziplinen, das Männerprogramm blieb bis heute – Stand November 2021 – in derselben Form erhalten wie schon seit längerer Zeit praktiziert. Mit dem 3000-Meter-Lauf kam für die Frauen die erste Bahnlangstrecke ins olympische Programm. Neu aufgenommen wurde für die Frauen nun auch die längste olympische Laufstrecke überhaupt, der Marathonlauf. Auch die lange Hürdenstrecke, der 400-Meter-Hürdenlauf, wurde nun für Frauen angeboten. Im Mehrkampf wurde der bisher ausgetragene Fünfkampf ersetzt durch einen Siebenkampf.
Bei den Frauendisziplinen standen noch weitere Ergänzungen für die Zukunft an. Eine zweite Langstrecke auf der Bahn stand noch aus und auch bei den Sprüngen, Würfen und im Gehen sollte es später eine sukzessive Angleichung an den Wettkampfkatalog der Männer geben.
Doping Das Thema Doping spielte in den Diskussionen und in den Medien noch nicht die Rolle, wie das später der Fall war. Auch die Kontrollen waren weit entfernt von einer Systematik und klaren Regeln, die zur Anwendung kamen. Aber gerade auch in der Nachschau kann die Problematik nicht übersehen werden. In der Leichtathletik gab es vier noch während der Spiele geahndete Dopingfälle. Der finnische Langstreckler Martti Vainio wurde als zunächst Zweitplatzierter des 10.000-Meter-Laufs wegen einer positiven Dopingprobe gleich nach dem Rennen disqualifiziert und auch für das Finale über 5000 Meter nicht mehr zugelassen.Martti Vainio, the silver medalist in the 10,000 meters,..., United Press International 12. August 1984, upi.com, abgerufen am 20. November 2021 Im Diskuswurf wurde der Isländer Vésteinn Hafsteinsson, der nach einem siebten Platz in seiner Qualifikationsgruppe ausgeschieden war, anschließend positiv auf die Einnahme von Nandrolon getestet und nachträglich disqualifiziert.hyperleap, Vésteinn Hafsteinsson (englisch), abgerufen am 20. November 2021 Der Italiener Giampaolo Urlando wurde im Hammerwurf nach Auswertung der Dopingprobe aus dem Finale disqualifiziert. Er hatte zunächst Platz fünf belegt und war anschließend positiv auf die Einnahme von Testosteron getestet worden.Die Dopingfälle bei den Sommerspielen im Überblick: Los Angeles 1984, Rheinische Post online, rp-online.de, abgerufen am 20. November 2021 Im Speerwurf wurde die Griechin Anna Verouli nach Auswertung ihrer Dopingprobe nach der Qualifikation, in der sie Platz dreizehn belegt hatte, disqualifiziert und für ein Jahr gesperrt. Sie war positiv auf die Einnahme von Nandrolon getestet worden.Greek javelin champion Anna Verouli, who failed to qualify..., UPI Archives 12. August 1984 (englisch) abgerufen am 20. November 2021 31 Jahre nach ihrem Erfolg gestand die niederländische Diskuswurfolympiasiegerin Ria Stalman im niederländischen Fernsehen den Einsatz verbotener anaboler Steroide.Olympiasiegerin Stalman gesteht nach gut 31 Jahren. In: Der Spiegel 8. Januar 2016, spiegel.de, abgerufen am 20. November 2021 Das Resultat wurde jedoch nicht offiziell korrigiert. Darüber hinaus gab es zahlreiche Berichte, in denen von betroffenen Athleten und anderen Beteiligten Vorwürfe erhoben werden zur Verschleierung von positiven Dopingproben, zur heimlichen Informierung vorher positiv getesteter Athleten, die anschließend noch rechtzeitig vor den Spielen die Mittel absetzen konnten. Erhoben wurden diese Vorwürfen gegen Sportler, Trainer, Offizielle und Anwälte aus den Vereinigten Staaten. Auch Eingeständnisse zum eigenen Dopingmissbrauch gab es in diesen Veröffentlichungen schon viele Jahre vor Ria Stalmans Aussagen dazu.Dopingspiele 1984. In: Die Tageszeitung 17. August 2009, taz.de, abgerufen am 20. November 2021Doping-Enthüllungen trüben Olympia-Jubiläum, Welt/n24 5. August 2009, abgerufen 6. November 2021Doping. Olympische Sommerspiele Los Angeles 1984, cycling4fans.de, abgerufen am 20. November 2021
Sportliche Erfolge Das Leistungsniveau bei diesen Olympischen Spielen war durch das boykottbedingte Fehlen zahlreicher Topathleten deutlich beeinträchtigt. In zwei Disziplinen wurden zwei Weltrekorde aufgestellt. In weiteren achtzehn Disziplinen wurde der olympische Rekord 31 Mal verbessert. Weltrekorde im Einzelnen: 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer: 37,83 s – USA (Sam Graddy, Ron Brown, Calvin Smith, Carl Lewis), Finale Zehnkampf, Männer: 8798 P (egalisiert) (1985er Wertung: 8846 P) – Daley Thompson (Großbritannien) Olympische Rekorde im Einzelnen: 200-Meter-Lauf, Männer: 19,80 s – Carl Lewis (USA), Finale 800-Meter-Lauf, Männer: 1:43,00 min – Joaquim Cruz (Brasilien), Finale 1500-Meter-Lauf, Männer: 3:32,53 min – Sebastian Coe (Großbritannien), Finale 5000-Meter-Lauf, Männer: 13:05,59 min – Saïd Aouita (Marokko), Finale Marathonlauf, Männer: 2:09:21 h – Carlos Lopes (Portugal) 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,24 s (egalisiert) – Greg Foster (USA), Vorlauf bei einem Rückenwind von 1,7 m/s 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,24 s (egalisiert) – Roger Kingdom (USA), Halbfinale bei einem Rückenwind von 0,7 m/s 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,24 s (egalisiert) – Greg Foster (USA), Halbfinale bei einem Gegenwind von 1,1 m/s 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 13,20 s – Roger Kingdom (USA), Finale bei einem Gegenwind von 0,4 m/s 20-km-Gehen, Männer: 1:23:13 h – Ernesto Canto (Mexiko) 50-km-Gehen, Männer: 3:47:26 h – Raúl González (Mexiko) 100-Meter-Lauf, Frauen: 10,87 s – Evelyn Ashford (USA), Finale 200-Meter-Lauf, Frauen: 21,81 s – Valerie Brisco-Hooks (USA), Finale 400-Meter-Lauf, Frauen: 48,83 s – Valerie Brisco-Hooks (USA), Finale 3000-Meter-Lauf, Frauen: 8:44,38 min (erster OR) – Mary Decker (USA), erster Vorlauf 3000-Meter-Lauf, Frauen: 8:43,32 min – Maricica Puică (Rumänien), dritter Vorlauf 3000-Meter-Lauf, Frauen: 8:35,96 min – Maricica Puică (Rumänien), Finale Marathonlauf, Frauen: 2:24:52 h (erster OR) – Joan Benoit (USA) 400-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 55,97 s (erster OR) – Judi Brown (USA), Vorlauf 400-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 55,75 s – Ann-Louise Skoglund (Schweden), Vorlauf 400-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 55,17 s – Ann-Louise Skoglund (Schweden), Halbfinale 400-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 54,61 s – Nawal El Moutawakel (Marokko), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel, Frauen: 3:18,29 s – USA ( Lillie Leatherwood, Sherri Howard, Valerie Brisco-Hooks, Chandra Cheeseborough), Finale Hochsprung, Frauen: 1,97 m (egalisiert) – Ulrike Meyfarth (BR Deutschland), Finale Hochsprung, Frauen: 1,97 m (egalisiert) – Sara Simeoni (Italien), Finale Hochsprung, Frauen: 1,97 m (egalisiert) – Joni Huntley (USA), Finale Hochsprung, Frauen: 2,00 m – Ulrike Meyfarth (BR Deutschland), Finale Hochsprung, Frauen: 2,00 m – Sara Simeoni (Italien), Finale Hochsprung, Frauen: 2,02 m – Ulrike Meyfarth (BR Deutschland), Finale Speerwurf, Frauen: 69,56 m – Tessa Sanderson (Großbritannien), Finale Siebenkampf, Frauen: 6390 P (1985er Wertung: 6329 P) – Glynis Nunn (Australien)
Mit der Sowjetunion und der DDR waren zwei der in der Vergangenheit erfolgreichsten Nationen wegen ihres Boykotts nicht dabei. So präsentierte sich Gastgeber USA mit sechzehn Leichtathletikolympiasiegen als weitaus erfolgreichstes Land. Mit weitem Abstand folgte die Bundesrepublik Deutschland, die vier Olympiasiege verbuchen konnte. Drei Nationen errangen je drei Olympiasiege: Großbritannien – darüber hinaus sieben Silber- und sechs Bronzemedaillen, Rumänien – plus drei Silber- und vier Bronzemedaillen – sowie Italien – plus einmal Silber und zweimal Bronze, Je zwei Olympiasieger hatten Finnland, Mexiko und Marokko vorzuweisen. Für alle weiteren Nationen gab es in der Leichtathletik höchstens eine Goldmedaille.
Bei den einzelnen Sportlern sind besonders folgende Leistungen zu nennen: Carl Lewis (USA) war der herausragende Sportler dieser Spiele mit vier Olympiasiegen in der Leichtathletik – 100-, 200-Meter-Lauf, Weitsprung und 4-mal-100-Meter-Staffel. Damit wiederholte er genau das, was vor ihm Jesse Owens 1936 in Berlin gelungen war. Valerie Brisco-Hooks (USA) gewann drei Goldmedaillen – 400-Meter-Lauf, 4-mal-100-Meter-Staffel und 4-mal-400-Meter-Staffel. Chandra Cheeseborough (USA) wurde zweifache Olympiasiegerin und errang eine Silbermedaille – Gold: 4-mal-100-Meter-Staffel, 4-mal-400-Meter-Staffel und Silber: 400-Meter-Lauf. Alonzo Babers (USA) gewann zwei Goldmedaillen – 400-Meter-Lauf und 4-mal-400-Meter-Staffel. Darüber hinaus sind weitere Leistungen besonders hervorzuheben: Daley Thompson (Großbritannien) wiederholte als zweiter Athlet der olympischen Geschichte seinen Sieg im Zehnkampf. Das war vor ihm nur dem US-Amerikaner Bob Mathias gelungen, der 1948 und 1952 Olympiasieger geworden war. Sebastian Coe (Großbritannien) wiederholte seinen Olympiasieg im 1500-Meter-Lauf. Auch er war der zweite Athlet mit dieser Leistung. Vor ihm hatte der Neuseeländer Peter Snell dieses Rennen 1960 und 1964 für sich entschieden. Zwölf Jahre nach ihrem Hochsprungsieg bei den Olympischen Spielen 1972 gewann Ulrike Meyfarth (BR Deutschland) erneut Gold in dieser Disziplin.