305px|mini|Blick auf die Oberstadt von Laon mit der Kathedrale

Die Schlacht bei Laon fand statt am 9. und 10. März 1814 während des Winterfeldzugs 1814 der Befreiungskriege in Frankreich. An diesen Tagen griff die französische Armee unter Napoleon Bonaparte die weit überlegene Schlesische Armee der 6. Koalition unter Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher bei der französischen Stadt Laon an. Die französische Armee wurde an beiden Tagen unter schweren Verlusten zurückgeschlagen und zog sich in der Nacht zum 11. März 1814 nach Soissons an der Aisne zurück.

Vorgeschichte Am Montag, den 7. März 1814 hatte Napoléon der Schlesischen Armee entlang des Chemin des Dames von Craonne bis Braye die Schlacht bei Craonne geliefert. Am 8. März 1814 durften sich die meisten seiner erschöpften Truppen ausruhen und Napoléon verlegte sein Hauptquartier nach Chevregny. Wahrscheinlich hoffte Napoléon, es könne ihm gelingen, die Schlesische Armee weiter nach Norden zu treiben und sie zu zwingen, sich nach Belgien zurückzuziehen.vgl. Bernhardie. Jedenfalls war er entschlossen, die Koalitionstruppen anzugreifen, wo immer er sie fand, und sandte in dieser Absicht bereits am Abend des 8. März 1814 und in der Nacht zum 9. März seine ersten Truppen nach Norden gegen Laon.

Topografie des Gefechtsfeldes 305px|mini|Die Umgebung von Laon im Jahre 1814(einige der Orte sind im Ersten Weltkrieg untergegangen und heute nicht mehr zu finden)

Die alte Stadt Laon liegt auf einer Zeugenberg genannten geologischen Formation, die am Rande der Île de France die umliegende Ebene um etwa 100 Meter überragt. Der Berg ist aus Sand- und Lehmschichten aufgebaut, felsige Teile sind aus Kalkstein. Der Lehm ist stark wasserführend und speist eine ganze Zahl von Quellen und Brunnen am Fuße des Berges unterhalb der alten Stadtmauer.

Die abgeflachte, durch einzelne Schluchten gegliederte Höhenlage des frei stehenden Berges ist seit jeher bebaut und stark befestigt. Die gesamte Oberstadt auf dem Berge war von einer Mauer mit zahlreichen Wehrtürmen umgeben, in der sieben Tore in die Stadt hineinführten. Im Jahre 1814 hatten die Befestigungsanlagen bereits begonnen zu zerfallen und es gab erste Lücken in der Stadtmauer. An den Südhängen unterhalb der Stadt wurde da, wo es der Boden zuließ, Wein angebaut. Wo nicht, waren Gärten angelegt, die auf französische Art durch Mauern getrennt und unterteilt waren.

Die Umgebung Laons war 1814 sehr feucht und sumpfig, insbesondere im Süden der Stadt. Dort südlich der Stadt, ist das Gelände wellenförmig und war – wie auch heute – stark bewaldet. Im Norden ist das Land flach und fruchtbar, Landwirtschaft herrschte vor. Unterhalb des Berges gab es nur eine geringe dörfliche Besiedelung. Südwestlich von Laon am Fuße des Berges und an der Straße nach Soissons liegt der Ort Semilly, in der gleichen Richtung das versteckte Dorf Clacy. Genau im Süden vor der Stadt lag der Ort Ardon, der heute völlig im Stadtgebiet aufgegangen ist. Östlich von Laon und noch nördlich der Straße nach Berry-au-Bac liegt der Ort Athies. An diesen vier Orten konzentrierte sich das Kampfgeschehen.

Zwei befestigte Straßen führten 1814 von Süden kommend nach Laon: Von Südwesten die Straße von Paris über Soissons, die über Chavignon führte und nördlich des Dorfes Etouvelles auf einer Strecke eines guten Kilometers über Dämme durch die Sümpfe bis Laon geführt wurde.Heute Route National 2 (N2). Die zweite Straße führte aus südlicher Richtung von Reims über Berry-au-Bac, Corbeny und Festieux nach Laon.Heute Route National 44 (N44). Vor dem Dorf Athies biegt diese Straße östlich von Laon nach Westen ab, so dass sie die Stadt aus östlicher Richtung erreicht. Zwischen den beiden Straßen lag ein ausgedehntes Sumpfgebiet, in dem nur von dem Dorf Bruyères nach Norden eine trockene Landzunge bis Laon reichte. Wer von der einen Straße zur anderen wechseln wollte und Laon vermeiden musste, der war wegen der Sümpfe gezwungen, weit nach Süden auszuweichen. Dieser Umstand erschwerte die Kommunikation zwischen den beteiligten französischen Kontingenten erheblich.

Vorabendgefecht am 8. März 1814 Am 8. März 1814 zogen Koalitionstruppen auf ihrem Rückzug aus der Schlacht bei Craonne über die Straße von Soissons nordwärts nach Laon. Ab 10:00 Uhr am Vormittag gab es die ersten Rückzugsgefechte mit den napoleonischen Truppen, die vom Chemin des Dames herabkamen oder die Ailette abwärts zogen und in der Nähe von Chavignon auf die große Straße von Soissons nach Laon stießen.

Zuerst trafen die Franzosen an der Ailette auf die Kosaken des Generals Benckendorff, die sich schnell nach Corbeny und dann weiter nach Norden zurückziehen mussten. Dort vereinten sie sich mit den Truppen des russischen Generals Tschernyschow, der die Engstelle bei dem Dorfe Etouvelles, ab dort wurde die Straße über einen Damm durch den Sumpf geführt, genutzt hatte, um eine erste Verteidigungsstellung südlich von Laon aufzubauen. In dieser Stellung standen zwei Regimenter Infanterie und 24 Geschütze. Blücher hatte ihm befohlen, die nachrückenden Franzosen so lange aufzuhalten, bis die ganze „Schlesische Armee“ bei Laon gesicherte Stellungen bezogen hatte. Napoléon andererseits sandte Marschall Ney mit ausgewählten Truppen voraus, um die „Schlesische Armee“ so früh wie möglich zu stören. Ney ließ Tschernyschows Stellung bis zum Einbruch der Dunkelheit drei Mal erfolglos angreifen. Als es dunkel war, und die Franzosen vom Kampf abließen, teilte Tschernyschow seine Truppen, zog 18 Geschütze ab und richtete weiter im Norden bei dem kleinen Dorf Chivy-lès-Etouvelles eine zweite Verteidigungsstellung ein.

Nachtgefecht bei Etouvelle und Chivi am Morgen des 9. März 1814 Napoléon nahm den Dienst Einheimischer an, die ihm anboten, seine Truppen auf zwei versteckten Fußpfaden hinter die russischen Stellungen zu führen. Eine Einheit aus Soldaten der „Alten Garde“ und Reitern der Gardekavallerie wurde unter das Kommando von General Gourgaud gestellt und marschierte mit ihren einheimischen Führern um 11:00 ab, in der Absicht zur vereinbarten Stunde um 1:00 Uhr am nächsten Morgen die Russen bei Chivy-lès-Etouvelles anzugreifen. Es gelang ihnen, während ihres Marsches unentdeckt zu bleiben, da es aber in der kalten Nacht zu schneien begann und die Wege in schlechten Zustand waren, verspäteten sie sich.

Marschall Ney ging mit 400 Freiwilligen der spanischen Brigade im Dunkeln wieder vor. Zur verabredeten Stunde um 1:00 Uhr in der Nacht überraschten sie bei Etouvelle ihre erschöpften russischen Gegner vom Vortage im Schlaf. Marschall Neys Männern gelang es auch, den bis Chivry führenden Damm im Sturm zu nehmen, dort aber trafen sie auf energischen Widerstand der Russen unter Tschernyschow und ein weiteres Vordringen war zunächst nicht möglich. Um 2:00 Uhr traf auch Gourgaud mit seinen Männern bei Chivry ein, aber erst um 4:00 Uhr morgens zogen sich Tschernyschow und seine Mannschaften, nachdem sie erhebliche Verluste erlitten hatten, zurück und setzten sich in dem Dorf Clacy fest.vgl. PetreHoussaye gibt an, Tschernyschow habe drei Viertel seiner Männer verloren. Damit war der Weg für Napoléons Truppen frei.

Napoléon sandte Kavallerie-Truppen unter General Belliard vor mit dem Auftrag, den zurückweichenden Russen zu folgen und wenn möglich, mit ihnen in Laon einzudringen. So erschien die französische Kavallerie um 5:30 Uhr vor Semilly, wo sie von heftigem Feuer preußischer Geschütze überrascht wurde, viele Reiter der ersten Reihen verlor und sich sofort in den Schutz der Dunkelheit und der Wälder zurückzog, um die Dämmerung abzuwarten. Ebenso erging es Gourgauds Kavallerie vor dem Ort Clacy. Sie musste sich zurückziehen und wartete in den Wäldern zwischen Chivy und Semilly auf den Tag.

Napoléon verbrachte diese Nacht in Chavignon.

Erster Tag der Schlacht: 9. März 1814 Stellung der Koalitionstruppen mini|200px|Das Tor nach Soissons in der Stadtmauer von Laon Zu diesem Abschnitt vgl. insbesondere Bernhardie, Sporschil, Damitz, Petre, Beitzke. Die „Schlesische Armee“ hatte Stellungen rund um Laon bezogen. Die Stadt selbst, die Berghänge und das Dorf Semilly waren von dem Korps Bülow besetzt. Vor den Truppen stand eine geschlossene Linie von Scharfschützen, einige davon in dem Dorf Ardon. Auf den Mauern der Stadt und davor waren über hundert Kanonen gefechtsbereit.

Westlich von Laon stand das russische Korps Wintzingerode, östlich der Stadt das preußische Korps Yorck. Dessen Truppen umfassten westlich und nördlich das Dorf Athies, von dem aber nur Teile besetzt waren, weil sich seine Einwohner feindselig gezeigt hatten und sich mit der Waffe zur Wehr gesetzt hatten. Die Preußen hatten daraufhin alle Bewohner des Dorfes, derer sie habhaft werden konnten, insbesondere die Alten und Kranken, fortgeschafft und Vorkehrungen getroffen, die Häuser niederzubrennen.vgl. Sporschil, Damitz, Petre. Das preußische Korps Kleist stand an der Straße von und nach Berry-au-Bac. Vor der Infanterie waren Geschütze in Stellung gebracht worden.

Die Kavallerie war wieder aufgeteilt und den Korps zugeteilt worden. Sie stand in nördlicher Richtung hinter der Infanterie, preußische Kavallerie unter Zieten in großer Zahl nordöstlich von Athies. Zwei preußische Kavallerie-Regimenter standen bei dem Dorf Eppes mit freiem Blick auf die Straße. Fünf Eskadronen warteten vor Festieux, um sofort zu melden, wenn französische Truppen auf dieser Straße heranrücken sollten. Bis zur Aisne streiften Kosaken und stifteten Unruhe unter den Franzosen.

Nordöstlich von Laon waren die russischen Korps Sacken und Langeron so positioniert, dass sie auf beiden Seiten der Stadt zum Einsatz kommen konnten.

Blüchers Hauptquartier befand sich in Laon.

Stärke der Koalitionstruppen mini|305px|Plan der Schlacht von Laon

+ Die „Schlesische Armee“ am 9. März 1814 Korps Kommandant Korpsstärke Yorck 13.500 Kleist 10.600 Bülow 16.900 Langeron 24.900 Sacken 12.700 Wintzingerode 25.200 Summe 103.800

Die Gesamtstärke betrug also ungefähr 103.800 Mann, darunter etwa 20.000 Reiter und 7.500 Kosaken in 30 Pulks. Es standen etwa 500 Geschütze zur Verfügung. Das Verhältnis von Russen zu Preußen betrug 6:4. An beiden Tagen zusammen, kamen 60.000 Mann der Schlesischen Armee ins Gefecht.

Um 9:00 morgens am 9. März 1814 trafen auf der Straße von La Fère kommend die russischen Soldaten ein, die bis zum Abend des 7. März 1814 Soissons besetzt gehalten hatten. Als sie festgestellt hatten, dass ihnen der direkte Weg nach Laon bereits von den Franzosen verlegt war, hatten sie diese weiträumig umgangen und ohne Verluste Laon erreicht.

Angriff der Franzosen unter Napoléon im Südwesten Gefechte ab 7:00 Uhr Die Nacht vom 8. auf den 9. März 1814 war winterlich kalt und es schneite. In der Morgendämmerung stieg dichter, zäher Bodennebel auf und die Sichtweite war gering. Am Morgen befahl Napoléon seinen Korps den Marsch nach Laon. Wegen der engen Passage bei Etouvelle konnten diese nur nacheinander vorrücken und erreichten Laon mit einigem zeitlichen Abstand.

Blücher hatte sich von Tschernyschow überreden lassen, in der Morgendämmerung die nachts aufgegebene Stellung bei Chivy-lès-Etouvelles wieder zu besetzen. Die einzelne Infanteriebrigade, die hierzu vorgeschickt wurde, war allerdings viel zu schwach, um die Franzosen aufzuhalten, als diese am frühen Morgen wieder vorrückten. Als die Gefahr bestand, dass französische Kavallerie die Brigade einschließen könnte, kamen Kosaken herbei, fochten ihr die Rückzugslinie frei und ermöglichten deren Rückzug nach Laon.vgl. Mikhailofsky-Danilefsky.