mini|hochkant=1.35|Stadtkirche Münchenbernsdorf ist eine Landstadt im Landkreis Greiz im Osten Thüringens. Sie ist Mitglied und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Münchenbernsdorf.
Geografie Münchenbernsdorf liegt zwischen Gera und Jena in unmittelbarer Nähe zum Hermsdorfer Autobahnkreuz.
Stadtgliederung Zur Stadt Münchenbernsdorf gehören die Ortsteile Kanada, Kleinbernsdorf und Schöna.
Nachbargemeinden Münchenbernsdorf grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Lindenkreuz, Saara, Hundhaupten, Bocka, Harth-Pöllnitz und Lederhose im Landkreis Greiz sowie Renthendorf und Tautendorf im Saale-Holzland-Kreis.
Geschichte Münchenbernsdorf wurde am 17. August 1251 in einer Urkunde der Vögte von Weida erstmals erwähnt. Wahrscheinlich entstand die mittelalterliche Siedlung, aus der schließlich Münchenbernsdorf wurde, im Zuge der beginnenden deutschen Ostkolonisation zwischen 1150 und 1200. Den Namen Bernsdorf (in den frühen Urkunden auch Bernhardisdorf oder Bernzdorf genannt) erhielt die Stadt möglicherweise durch einen Lokator namens Bernhard, der mit der Gründung einer Siedlung in der damals noch siedlungsarmen Gegend beauftragt war.Kurzer Überblick über die Geschichte der Stadt Münchenbernsdorf, zuletzt gesehen am 30. August 2024. Im 12. Jahrhundert wurde die Wasserburg (Burg Münch) im Ort erbaut. Man schützte mit ihr die vorbeiführende Regensburger Straße. Das Adelsgeschlecht Münch war bis 1585 Besitzer der Burg. Der Ort Bernsdorf, heute Münchenbernsdorf, erhielt diesen Familiennamen „Münch“ als Zusatz, als die Herzöge Friedrich und Johann von Sachsen 1487 ihrem Rat und Amtmann zu Jena Heinrich Münch den Rittersitz mit Vorwerk und Dorf zu „Bernßdorf“ und dem Vorwerk zu „Rothembach“ belehnten. Später war die Burg u. a. auch im Besitz der Familie von Pöllnitz und der bekannten ostthüringischen Gelehrtenfamilie von der Gabelentz. Sie wurde im 16. und 18. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut. Im Jahr 1965 wurde das Schloss nach jahrelangem Verfall im Sozialismus abgerissen. Von dem Schloss sind nur geringe Mauerreste geblieben.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze, Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 187
Durch die Leipziger Teilung 1485 geriet der Ort an die Ernestiner, wurde jedoch 1571 kursächsisch. Nach der Abstrafung Sachsens auf dem Wiener Kongress 1815 kam Münchenbernsdorf zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Seit 1904 besitzt der Ort das Stadtrecht.
Eine lange Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs erlebte Münchenbernsdorf durch seine Teppichindustrie. 1882 führte C. R. Erdmann die ersten mechanischen Webstühle ein und in den Folgejahren entstanden nach und nach weitere zum Teil sehr große Betriebe der Teppichindustrie.Kurzer Überblick über die Geschichte der Stadt Münchenbernsdorf, zuletzt gesehen am 30. August 2024.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der jüdische Vorstandsvorsitzende der Teppichfabrik Naundorf & Poser AG zum Rückzug aus dem Unternehmen aufgefordert, worauf er sich im Mai 1935 das Leben nahm und das Unternehmen „arisiert“ wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es den Erben nicht zurückgegeben, sondern zu einem Volkseigenen Betrieb (VEB Thüringer Teppichfabriken im Kombinat Deko) umgewandelt. Während des Zweiten Weltkrieges mussten zahlreiche Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in der Rheinmetall AG, bei der Firma Krause & Poser und bei Firma Weges. Sie waren in fünf von Stacheldraht umzäunten Lagern interniert.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 117, ISBN 3-88864-343-0
Das 1938 eingerichtete Tanklager der „WiFo“ machte Münchenbernsdorf vom 8. bis 13. April 1945 zum Ziel von US-Luftangriffen. Über 150 Tonnen Bomben wurden abgeworfen, 8 Menschen starben.Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 180–181.
Ab 1952 gehörte Münchenbernsdorf zum Bezirk Gera der DDR. Seit der Wende und deutschen Wiedervereinigung gehört die Stadt zum wiedererrichteten Freistaat Thüringen und ist heute Teil des Landkreises Greiz.
Die Stadt Münchenbernsdorf war Ausrichter des MDR-Osterspazierganges 2016. Am 27. März 2016 wurden in Münchenbernsdorf tausende Wanderfreunde in der Stadt erwartet, die auf drei unterschiedlich langen Strecken (5 km, 10 km und 15 km) die Umgebung in und um Münchenbernsdorf kennenlernen und erleben konnten.Osterspaziergang in Münchenbernsdorf 2016, zuletzt gesehen am 27. Februar 2016
Die „Straße des Jugendrotkreuzes“, weltweit einmalig, wurde am 27. Mai 2017 direkt an der Rodaer Straße 30 eingeweiht und gewidmet. Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik 1834 – 1.310 1910 – 2.264 1994 – 3.669 1995 – 3.639 1996 – 3.594 1997 – 3.589 1998 – 3.561 1999 – 3.559 2000 – 3.512 2001 – 3.493 2002 – 3.469 2003 – 3.460 2004 – 3.376 2005 – 3.344 2006 – 3.262 2007 – 3.191 2008 – 3.140 2009 – 3.080 2010 – 3.031 2011 – 3.013 2012 – 3.006 2013 – 3.006 2014 – 2.944 2015 – 3.014 2016 – 2.967 2017 – 2.936 2018 – 2.943 2019 – 2.949 2020 – 2.929 2021 – 2.962 2022 – 2.901 2023 – 2.864 2024 – 2.842
Politik
mini|Rathaus Münchenbernsdorf mini|Marktplatz
Stadtrat Nach der Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen: Partei Sitze CDU 6 (+2) Pro Kommune – FWG 5 (−3) MC 3 (+2) DIE LINKE 0 (−1)
Wappen Blasonierung: „In Rot einen Mönch in silbernem Gewand mit einem goldenen Kreuz am Gürtel, in der linken Hand ein Buch haltend.“
Flagge Die Flagge der Stadt Münchenbernsdorf ist rot – weiß gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke In der Stadtkirche St. Mauritius befindet sich ein geschnitzter Marienaltar aus dem 16. Jahrhundert.
Parks Stadtpark im Zentrum
Freizeit
Wirtschaft und Infrastruktur Der Landesentwicklungsplan von Thüringen weist für die Stadt eine zentralörtliche Funktion aus. Münchenbernsdorf ist als Klein- bzw. Grundzentrum charakterisiert.
Verkehr Die 2009 an der A9 gebaute Bundesautobahnanschlussstelle „Lederhose“ liegt nur 200 Meter von der Gemeindegrenze entfernt. Münchenbernsdorf ist vom Hermsdorfer Kreuz (A9 und A4) 10 km sowie von der Bundesstraße 2 2 km entfernt.
Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch die RVG Regionalverkehr Gera/Land mit 4 Taktlinien und einer auf den Schülerverkehr ausgerichteten Linie bedient. Die Linien 200 und 233 bilden unter der Woche zusammen einen Stundentakt nach Gera, weiterhin bestehen ein Stundentakt nach Hermsdorf sowie ein Zweistundentakt nach Weida. mini|Ehemaliger Bahnhof (2018) Linie Linienverlauf Taktung (Mo–Fr) Anschlüsse Gera – Lindenkreuz – Münchenbernsdorf Zweistundentakt Gera Süd: von/nach Leipzig und Jena/Erfurt Münchenbernsdorf – Hermsdorf Stundentakt Hermsdorf: von/nach Jena/Erfurt Gera – Schöna – Münchenbernsdorf – Schwarzbach Weida – Niederpöllnitz – Münchenbernsdorf Zweistundentakt Niederpöllnitz: von/nach SaalfeldWeida: von/nach Leipzig Gera – Großbocka – Münchenbernsdorf Zweistundentakt Gera Süd: von/nach Jena/Erfurt
Der Bahnhof Münchenbernsdorf war Endpunkt der Bahnstrecke Niederpöllnitz–Münchenbernsdorf. Am 28. Mai 1967 endete der Personenverkehr, inzwischen ist die Strecke stillgelegt.
Wirtschaft mini|Alte Fabrik Münchenbernsdorf war ein bedeutendes Zentrum der Teppichindustrie in Mitteldeutschland und später in der DDR. Aktuell ist noch eine Teppichfabrik in Betrieb, welche weltweit exportiert.
Münchenbernsdorf hat in den vergangenen Jahren in den Ausbau des sozialen Sektors investiert. Es gibt ein Gebäude für betreutes Wohnen, ein Pflege- und Seniorenheim, eine Grundschule mit Schulhort und eine Kindertagesstätte. Mit dem Bau eines weiteren Einkaufsmarktes im Frühjahr 2010, wurde eine bessere Versorgung der Einwohner erreicht.
Münchenbernsdorf befindet sich in einer Umbau- und Erneuerungsphase. Mithilfe des Dorferneuerungsprogramms und Fördermitteln wurde bis 2014 die Infrastruktur ausgebaut. Dazu gehören neue Bürgersteige, Abrisse von Altbauten, Asphaltierung der Pflasterstraßen und die Erneuerung von Trinkwasserleitungen und Kanälen. Ein neuer Dorfanger in Kleinbernsdorf ist entstanden und der Bau- sowie Recyclinghof ist ins Gewerbegebiet Kirchtal umgezogen.
Ansässige Unternehmen PI-Ceramic GmbH mkf Maschinen und Systeme GmbH Hugo Schnippering GmbH & Co. KG Purle Gruppe GmbH SGS-Bau GmbH & Co. KG (mit Niederlassung in Lippstadt) HAVI Global Logistics GmbH ABZ-Nutzfahrzeuge GmbH (mit Niederlassungen in Jena und Gotha) Münchenbernsdorfer Folien GmbH MTT Hoch- und Tiefbau GmbH
Wasserver- und Abwasserentsorgung Münchenbernsdorf ist Mitglied im Zweckverband Wasser / Abwasser Mittleres Elstertal. Dieser übernimmt die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung.
Vereinslandschaft In der Region Münchenbernsdorf befinden sich etwa 35 Vereine, Verbände, Gruppen und Parteien mit 1.000 Mitgliedern. Das DRK Münchenbernsdorf organisiert überregionale Erste-Hilfe-Wettbewerbe im Jugendrotkreuz, die Schützengesellschaft Münchenbernsdorf e. V. konnte zuletzt 2015 den Landesmeister im KK-Schießen vorweisen.
Persönlichkeiten Johann Gottfried Büttner (1809–1876), evangelischer Pfarrer, Auswanderungsexperte und Autor Hermann Jäger (1815–1890), Gärtner und Gartenschriftsteller, geboren in Münchenbernsdorf Arthur Rösel (1859–1934), Komponist, Geiger, Arrangeur und Dirigent Hans von der Gabelentz (1872–1946), Kunsthistoriker, Museumsdirektor und Burghauptmann auf der Wartburg, geboren in Münchenbernsdorf Daniel Schumann (* 1977), ehemaliger deutscher Fußballspieler, wuchs in Münchenbernsdorf auf Ulli Schäfer (* 1983), Landrat im Landkreis Greiz, ist in Münchenbernsdorf aufgewachsen
Literatur
Weblinks
Offizielle Website www.landkreis-greiz.de – Informationen zur Stadt Münchenbernsdorf auf der Internetseite des Landkreises Greiz Stadt Münchenbernsdorf bei der Verwaltungsgemeinschaft Münchenbernsdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Greiz Kategorie:Ersterwähnung 1251 Kategorie:Stadt in Thüringen Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1904